Herzensangelegenheit

Der Anruf kam, als ich mir gestern von der Arbeitswoche geplättet eine DVD anschaute. Rechts die Erdnussflips, links Fernbedienung und Telefon.
Es war ihr Mann. Und viel sagte er nicht. Sie hätte es überstanden, das waren seine Worte.
Ich ließ den Film Film sein und krabbelte unter der Decke hervor, und während ich mir einen Tee aufgoss, dachte ich nach.
Wer da gerade etwas überstanden hatte, war eine Freundin, die sich einer Herzoperation unterziehen musste. Mein Gott, sie ist jünger als ich, und musste an sich das Gleiche machen lassen wie mein Vater damals.
Ich habe daher erlebt, dass so eine OP auch ein Eingriff in das emotionale Zentrum ist. Wer Körper und Seele trennt, ist immer auf dem Holzweg. Wenn sie es „überstanden“ hätte, hoffte ich für sie, sie wird es auch psychisch verkraften.
Bei all den Enttäuschungen, den Kränkungen und menschlichen Zurückweisungen, die man erlebt hatte, könnte man von Narben auf dem Herzen sprechen, fiel mir ein. Narben sind wetterfest und nahezu unvergänglich. Es hat einen etwas geprägt und im günstigsten Fall machte man das Beste draus.
Ich konnte nicht mehr sagen, wie mein Vater seine Herz OP überstanden hat, es waren bestimmt nicht bloß die Medikamente. Er hatte unser aller Unterstützung. Sein Eingriff liegt mehr als 25 Jahre zurück und dieses Jahr feierte er seinen 83. Geburtstag. Geistig rege und ohne Hilfe mobil.
Daher wünschte ich meiner Freundin beste Betreuung, eine erholsame Reha, und dass wir unser nächstes gemeinsames Treffen nicht verschieben müssen, um sie – Herz an Herz – umarmen zu können.
Als ich wieder an meinen Tee dachte, war der Teebeutel noch drin und die Tasse kalt geworden.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause

4 Antworten zu “Herzensangelegenheit

  1. Ich bin auch sehr froh, dass sie es überstanden hat und alles andere wird ganz sicher auch gut werden – ich glaub da einfach dran.
    Dein Vater ist ein gutes Beispiel, dass man auch so gut alt werden kann. :)

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  2. Das hast du sehr wohl gesagt.
    Ich kann mich noch erinnern, wie mein Dad damals die Herz-OP hatte. Er stand mit beiden Beinen im Leben, und war ein Mensch (er lebt leider nicht mehr), der immer versuchte, das Positive an einer Sache zu sehen, was ihm oft geholfen hat.
    Damals meinte er sinngemäß: Ich hatte bisher ein schönes Leben, und wenn ich nicht mehr aufwachen sollte, dann merke ich das ja nicht; was soll ich mir also Gedanken darüber machen.
    Manchmal wünschte ich mir, ich hätte seine Stärke, die er dann auch zeigte, wie es, aus anderen Gründen, zuende ging.
    Was ich sagen möchte, ist: Manche Menschen liegen einem am Herzen, und gehen viel zu früh. Aber wichtig ist, dass sie einem gegeben waren, und dass sie einem was geben konnten.
    Mir gab dieser Mensch zweierlei: Zum einem … das Positive zu sehen, und zum anderen ….. JETZT zu leben.

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  3. Möge sich alles zum Besten entwickeln …
    *
    Ein Gedanke zum Thema aus meinem Tagebuch :
    *
    http://pacht45.blog.de/2012/12/04/04-12-12-gedanken-praxiswartezimmer-15271069/
    *
    Ein gutes Wochenende für Dich … PachT

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