Flut oder Katastrophe

Hierbei habe ich schon Rücksprache mit der weltbesten Tontechnikerin genommen, ob und wie der Text im Radio zu präsentieren sei. Wenn ich wieder Herr über meine Stimme und Ohren bin, wird das was.

Hallo! Chrizzy hier! Is‘ alles so lustig!

Da gab es doch diesen Film von und mit Kevin Costner. „Waterworld“. Ein Endzeitfilm. Die Welt unter Wasser. Als er im Programm des Apollo-Kinos hier in der Stadt gezeigt wurde, warb man mit großen Buchstaben: „So viel Wasser haben Sie noch nie gesehen!“
Stimmt. Nie wieder so viel Wasser und das Kino musste auch irgendwann schließen. Oder? Vor drei Jahren hatte Münster seine „Flutkatastrophe“.
Ich sehe das immer zur Monsunzeit in den Weltnachrichten. Herrenlos dahin treibende Autos, Evakuierungen, wegschwimmende Dächer, weinende Obdachlose, Schlammlawinen. In Fernost.
So weit muss man aber nicht gehen. Gleich mehrfach überschwemmten Flüsse in den neuen Bundesländern Städte und Ländereien. Seit der Wiedervereinigung wohl das Ergebnis konsequent versiegelter Böden.
Wie kann das aber in Münster Schrägstrich Westfalen möglich sein? Ein Freund hat es mir anhand des Wetterradars seines Handys erklärt. Da waren zwei große Gewitterzellen über der Stadt. Große, schwangere Gewitterzellen, die sich umkreisten, die nicht voneinander lassen konnten und dabei das abregneten, was eigentlich in einem dreiviertel Jahr hier erwartet wurde. Wasser vom Himmel in biblischer Dimension.
Aber gleich von einer Flutkatastrophe sprechen? Na, die Solidarität untereinander war 1a. Da gingen Leute nicht zur Arbeit, damit die Hausgemeinschaft zusammen den Keller leer geschöpft bekam. Mieter mit Kellerwohnungen kamen woanders unter. Facebook wurde eine Anlaufstelle zur Soforthilfe. Und zügig teilte das Sozialamt Sonderleistungen an Bedürftige aus. Aber war es denn wirklich eine Flutkatastrophe?
Ein Todesfall war zu beklagen. Ein älterer Mann, der ein Herzversagen erlitt, als er in seinem Keller im Hochwasser stand. Für einige Zeit waren verschiedene Straßen unpassierbar. In Tiefgaragen machten sich Autos selbstständig. Und die Versicherungen konnten die Höhe des Schadens zum damaligen Zeitpunkt nicht beziffern. Aber. Eine. Flut. Katastrophe?
Freunde woanders, im Kölner Raum zum Beispiel, bekamen von all dem nichts mit. Solche Nachrichten machen eben nicht die Runde. Da war es schon ein Promo-Gag, dass sich ein Student (Lehramt für katholische Religion und Latein) in Badehose und auf Luftmatratze dabei fotografieren ließ, wie er in der Innenstadt herum paddelt. In den Fluten. Doch Münster, das neue Venedig in Westfalen?
Es gab keinen Tsunami, der über den Prinzipalmarkt rollte und keine Strudel in denen die Schaufensterpuppen der Kaufmannsschaft ertranken.
Es gab für Wochen, ja Monate Müllberge auf der Schillerstraße. Drei Meter waren die hoch. Die Müllabfuhr kam mit der Abfuhr nicht mehr nach. So gestattete man, Nasses auf den Bürgersteigen zwischen zu lagern. Wow, Harlem in Münsters City! Fragt sich nur, ob da wirklich alles nass war. Vorher.
Bei mir selbst ist meine schöne, alte Schallplattensammlung abgesoffen. Von Abba bis Zappa. Die kann man jetzt nur noch nass abspielen … Musste ich alles wegwerfen. Und Umzugskartons. Aber ich zieh doch hier nicht mehr weg! Is‘ echt so lustig …
Die einzigen drei, die garantiert von unten trocken geblieben sind, sind die drei lausigen Käfige am Lambertikirchturm!

Bye, bye!
Chrizzy

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2017

3 Antworten zu “Flut oder Katastrophe

  1. Wilsberg sei Dank weiss ich um welche Käfige es sich handelt – schmunzle

    Gefällt 1 Person

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