Relativität im Supermarkt

[Mit Melodie, mehrstimmig:] Willkommen zur Chrizzy-Show, willkommen zur Chrizzy-Show!

Hallo, hier ist Chrizzy!

Ich weiß nicht, wie das bei Euch ist, doch für mich ist Einkaufen kein Lustgewinn. Weder bei Klamotten noch bei Lebensmitteln. An Kassen in der Schlange zu stehen, zu warten wie sich die Älteren die Centmünzen einzeln aus ihren Börsen ziehen lassen oder wie für zwei Teile mit Plastikkarte bezahlt wird.
Ich versuche den Einkauf in meinem Supermarkt zu gestalten wie ein Sondereinsatzkommando auf feindlichem Gebiet: rein schießen und wieder raus schießen. Wehe, es ist etwas umgeräumt!
Gestern hat es mir jedoch wieder alle Nerven geraubt. Zwei greise Damen positionierten sich nebeneinander im Gang und marschierten los in Richtung eines Regals am Ende, wo es grün und rot leuchtete. Ausgestattet mit je einem Rollator.
Der Erfinder dieser Gehhilfen muss sich doch dumm und dämlich verdienen. Was machten Ältere eigentlich früher? Ich kenne noch eine Zeit, wo sich die Menschen bloß mit Stöcken behelfen konnten. Da konnte man sich vielleicht gar keine Unsicherheit im Gehen leisten?
Gut, diese beiden speziellen alten Damen gestern gaben nun ungeheuer Gas. Keine wollte die andere zuerst an jenes entfernte Regal lassen. Mal hatte die eine ein Rad Vorsprung dann schob die andere nach. Bevor sie nun die Schallmauer durchbrachen, erinnere ich mal kurz daran, dass so ein Rollatorrad nicht so riesig groß ist.
Während die Herzschrittmacher der beiden im roten Bereich arbeiteten, bin ich außerhalb ihres Geschwindigkeitsrausches um Jahre gealtert. Es war an ihnen kein Vorbeikommen! Null, Nix, Zero. Weder mit einem üblichen Einkaufwagen noch mit drei Teilen auf der Hand. Das ist Relativität. Während verbissen, keuchend und koste es das Leben auf irgend ein Regal hinzu geflogen wurde, verging außerhalb die Zeit kriechend, und ich sah die beiden in Zeitlupe. Welche Wirklichkeit Wahrheit war, vermag ich nicht zu sagen.
Die beiden Alten führten da ein Wagenrennen auf. Wie im alten Rom. Hätte man ihnen nicht von Kindesbeinen an Gewaltverzicht eingebläut, sie hätten sich angespuckt oder ihre angeschnallten Gehstöcke genommen und aufeinander eingedroschen. Doch Blicke warfen sie sich zu. Blicke, die hätten töten können! Die eine wäre von einem Blitz aus dem Nichts zu einem Häuflein Asche zerbröselt. Die andere wäre zu einem Flecken grünem Glibber geworden, in dem es ab und zu blubberte. Tatsächlich ist das gesamte Angebot Feldsalat in der Gemüseecke welk geworden. Der Filialleiter steht vor einem Rätsel.
Ich gab auf. Legte meine Sachen wieder zurück. Und ging leer aus dem Supermarkt.
Heute versuchte ich es erneut. Und ich kam an dem Regal vorbei, welches gestern Ziel des Wagenrennens war: Dosen mit Erbsen und Möhren. 30 Cent heruntergesetzt. Ich streiche mir durchs Haar. Habe eine graue Strähne mehr entdeckt. Einkaufen ist keine Lieblingsbeschäftigung.

Bye, bye
Chrizzy

2 Kommentare

Eingeordnet unter 2017

2 Antworten zu “Relativität im Supermarkt

  1. Es war der Windschatten, es war dir als kriechest du weil du in deren Windschatten unterwegs warst.

    Danke für die Spur Kolosseum in meinem Tag

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  2. Well done :-) Ich stellte mir beim Lesen vor, wie man die Rollatoren der Damen a la James Bond aufmotzt, mit Klingen an den Rädern oder Nitro-Einspritzungen … Erbsen und Bohnen sind halt gesund. Dafür lohnt es sich zu kämpfen :-)

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