Unmoralischer Wunsch

Als letztens wieder mein Geburtstag war, posaunte ich einen ungewöhnlichen Wunsch aus. Wer mir etwas schenken wollte, der sollte etwas finden, was kein Geld kostet. Es könne wohl noch mit der Post verschickt werden, doch darin dürfe nichts gekauftes sein.
Meine Wunschliste mit den CDs und DVDs bei Amazon hatte ich heimtückisch gelöscht.
Ein paar Wochen vor dem Termin besuchte ich meine Eltern. Beim Abschied steckte mir Mutter einen Geldschein zu. Mein Vater war erfinderisch. Er steckte eine Banknote in eine Schachtel Zigaretten. Das war für meinen Ehrentag gedacht. Soll man seinen Eltern widersprechen, wenn sie es gut mit einen meinen? … Eben.
Ein großer Umschlag erreichte mich pünktlich von einer Freundin. Darin ein laminiertes, selbst gezeichnetes Bild. Ein Schwarm bunter Vögel aus Kringeln. Jeder sprach liebe Sprüche und Weisheiten aus. Fast übersehen hätte ich den ganz kleinen Umschlag in dem großen mit einer Finanzspritze …
Ein weiterer Brief. Von einer Freundin mit einer jungen Familie. Das hat sie sicher wieder in einer ihrer Nachtschichten gemacht, wenn die Kinder schlafen. OK, die Karte war gekauft, das Foto von allen aber unwiederholbar. Das ist ihr Weg, Mutter, Vater, drei Kinder. Einige wärmende Worte fand sie auch.
Witzig und mit sinnigen Bemerkungen – die Postkarte meiner Lektorin: „51 ist die Annahme der 50“
Technik macht’s: 30 Sekunden-Video auf WhatsApp von dem Baby meiner Schwester und meines Schwagers, die Eltern synchronisieren im Hintergrund „Happy Birthday To You“!
Eine Pflicht-SMS aus acht Grußworten morgens um halb vier von meiner anderen Schwester war irgendwie zu wenig.
Wer war nun die Königin der Gratulanten? Alle haben mich berührt. Alle hatten sich etwas dabei gedacht. Ich fühlte mich – im wahrsten Sinne des Wortes – geehrt.
Es gab eine, die sich ins Auto setzte und zu Besuch kam. Und die abends die Strecke zurück fuhr. Wir nutzten den Bus zur Innenstadt. Aßen im Steakhaus. (Sie wollte unbedingt die Rechnung zahlen, sonst wäre Streit ausgebrochen …) Wieder bei mir setzten wir uns bis zum Abschied noch hinterm Haus in den Garten. Die Luft mild und die Schatten bekamen Länge. Diskutierten viel. Das ist immer noch unsere Lieblingsbeschäftigung. Meinungen austauschen.
Sie schenkte mir ihre Zeit.

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Eingeordnet unter 2017

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