Mitternachtsskript

Bevor ich anfing zu schreiben, erfasste mein Blick die Uhr. 0 Uhr. Als ich wieder in die Richtung schaute, begriff ich, dass Weihnachten vorbei ist. 0:02 Uhr.
Endlich. Ich weiß nicht, für wen welchen Stellenwert die Tage von Heilig Abend bis zum 2. Weihnachtstag haben. Oder haben sollen. Ich bin froh, dass sie vorbei sind!
Letztes Jahr war ich bei meiner Familie. Es war sehr schön! Dieses Jahr wollte ich Rücksicht auf Vaters schwache Konstitution nehmen und nicht fahren. Dann erwischte mich noch eine starke Erkältung, meine letzte Arbeitswoche vor dem Fest hat ein gelber Schein beurlaubt.
Ich habe meinen Kühlschrank voll gemacht. Ich habe mir überlegt, dass ich aus meiner Wohnung eine großen Spielplatz machen könnte. Für große Jungs. Keiner würde mich besuchen, ich könnte machen, was ich wollte.
Ich habe nebenan meine große 12-saitige Gitarre aufgestellt. Ich bekam Weihnachtspost von Freundinnen. Ich habe ein neues Teelicht und sogar eine E-Kerze angemacht. Zu Heilig Abend kochte ich mir etwas Besonderes. Übrig blieb Sahne, die ich in meinen Tee geben konnte. Ein anderes Geschenk war eine Blu-ray mit der Fernsehserie „Der Tatortreiniger“ – absolut zu empfehlen! Und ich schaute mir „Independence Day 2 – Wiederkehr“ nach längerer Zeit wieder mal an. Ich beschloss, 60 CDs aus einem Regal herauszunehmen und andere dort hinein zu ordnen.
Ich klingelte bei meinem Nachbarn. Er hat einen komischen Namen. Er ist klein. Und seine Haut ist dunkler. Ich glaube, er ist oft krank.
Er machte auf. Ich wünschte: „Schöne Weihnachten!“ Ich gab ihm ein Packung seiner Lieblingszigaretten. Wir umarmten uns. Darauf habe ich mich schon das ganze Jahr gefreut! Wir schlossen unsere Türen leise wieder zu.
Wenn das alles so schön, gemütlich und unterhaltsam war, warum bin ich froh, dass Weihnachten vorbei ist?
Mit dem Schnupfen hatte ich mich irgendwann arrangiert. Und es ist verdammt noch mal schön, nicht erreichbar zu sein und dass keiner etwas von einem will. Nur die vielen schlaflosen Stunden in den Nächten stopft kein Schneiderlein! Ich kann mich nicht erinnern, an so vielen freien Tagen hintereinander so lange wach gewesen zu sein. Selbst in meinen wildesten Zeiten, hat man sich irgendwann Schlaf geholt, um eine Fete bis in den Morgen feiern zu können. Und zu einer Party gehören mindestens zwei …
Wenn ich nicht schlafen kann, setze ich mich nicht unter Druck. Ich mache das, wozu ich Lust habe. Und wenn ich innerhalb von 24 Stunden in „Universal Soldier“ im Fernsehen in drei Wiederholungen mal rein schaue.
Durst und Hunger sind auch zu nachtschlafenden Zeiten vorhanden. Allerdings koche ich spät kaum. Wäre ja schade, wenn die Müdigkeit einen überrascht und man mit dem Kopf in den Spagettiteller kippt.
Natürlich! Natürlich bin ich die ganze Zeit müde. Es lässt sich nur gut verdrängen. Wenn ich im liegen fernsehe. Wenn ich unter Kopfhörer mit Musik am Schreibtisch arbeite. Der Schlaf wird gehörig ausgetrickst.
Ich wälze keine Probleme im Kopf herum. Ich grüble nicht. Keine Gedankenkarusselle. Ich habe alles, was ich brauche. Bis Weihnachten ist alles erledigt gewesen, zum Abschluss gebracht und vorgesorgt. Es wird demnächst gut weiter gehen und positive neue Sachen geben. Also, warum penn‘ ich nicht?
Je älter ich werde, umso erfahrener werde ich darin, die richtigen Knöpfe zu drücken und die richtigen Hebel umzulegen, damit mein Schiff in Fahrt kommt und auf Kurs bleibt. Aber will ich das? Warum Bewegung? Neues tut immer weh. Wer bestimmt den Kurs? Will ich da überhaupt hin? Warum nicht treiben lassen? Fern von Du musst! Du sollst! Du wirst!
Blöd! Blöd, dass ich mir genau die gleichen Fragen schon vor 30 Jahren gestellt habe … Ich habe von der Deutschen Rentenversicherung ein Schreiben bekommen. Die Regelaltersrente wird im Jahr 2033 erreicht. In wenigen Tagen ist 2018. Vielleicht sollte ich etwas Besseres mit meiner Zeit anfangen. Viel Besseres. Vielleicht könnte ich dann wieder schlafen. Vielleicht bin ich nicht allein. Vielleicht werde ich geliebt. Es sind nur noch 15 Jahre …

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2017, 2018

3 Antworten zu “Mitternachtsskript

  1. Monika-Maria Ehliah

    Ich wünsche dir alles, alles Gute!
    Einfach alles das was du brauchst um gesund und glücklich zu sein.
    Segen!
    M.M.

    Gefällt 1 Person

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