Müll ist ihr Hobby

Wenn ich wo neu bin, ziehe ich erst die Atmosphäre der Räume in mich ein. Am Besten wäre es, wenn noch keiner da wäre. Aber Leute waren schon da. Ich grüßte freundlich. Man zeigte mir, wo was ist und auch die große Küche. Für alle Gemetzel um den Herd ausgestattet. Gut.
Dann gab es eine Morgenrunde, wo ich noch still war, nicht ungefragt etwas sagte. Man will ja kein Klugscheißer sein. Das merken die schon früh genug …
So vergingen einige Tage und mein Blutdruck sank deutlich. Ich schlief auch besser. Da ich der bin, der ich bin, fragte ich nach, ob ich nicht einen Wochendienst übernehmen könnte. Ich hatte da schon was im Auge. Es gab ein schwarzes Brett mit Namensschildern und die wurden unter Stichwörtern gesteckt. Name zu Aufgabe. Einfach.
Man sagte mir, mein Name würde ausgedruckt werden und erklärte mir, was man hier unter „Aschenbecher leeren“ verstand.
OK. In einer freien Minute kippte ich den Tischaschenbecher draußen in die große Restmülltonne. Bevor ich wieder in die Küche ging, schaute ich mir die Konstruktion des an der Hauswand befestigten Kippensammlers an, und schaffte es, ihn abzunehmen und auseinander zu bauen. Darin in einer Pfütze Regenwasser schwammen unten Zigarettenreste. Weniger, als ich dachte.
Aus der Küche brauchte ich eh Papiertücher, so nahm ich das untere Stück des Metallaschers einfach mit, um ihn auch auszuwischen.
Stolz war ich! Zwei Ausbildungen, Abitur und ein halbes Studium. Womit sollte ich nicht fertig werden? Ich rupfte einige Blatt Küchenpapier ab, säuberte den Ascher und wollte die toten Kippen, da ungefährlich, im Unterschrank beim Restmüll entsorgen. Warum nicht?
Nun verhedderte ich mich ein wenig mit dem Müllbeutel des Eimers und fummelte, leise Flüche ablassend, vor mich hin.
„Soll das da rein?“ Eine Frauenstimme. Rechts hinter mir. Noch weiter weg.
Ich sagte nichts.
„Da kann doch bei den Zigaretten was brennen. Frag doch lieber die Raucher!“
„Ich bin Raucher!“
Und habe eine Schlosserlehre gemacht. Und Germanistik studiert!
„Mach das doch lieber draußen in die Tonne. Dann nimm das mit. Und neben dem Backofen sind neue Beutel für den Eimer hier.“
Darüber könnte man diskutieren.
Jetzt war die Stimme nah. Als ich den Beutel nahm und mich aufrichtete, sah ich, es war ein lockiges, blondes, kleines, pummeliges Wesen mit Brille und sicher nicht mehr kurz vor der 40 – aber da verschätzt man sich oft – welches Anweisungen geplappert hatte, die ich nicht bestellt hatte. Und vom „Aschenbecher leeren“, dem Universum und dem ganzen Rest keine Ahnung hatte!
Als ich draußen meine Aufgabe zu Ende gebracht hatte, rauchte ich erst mal.
Wie es mit der Dame beim Erklären der Spülmaschine weiter ging, erzähle ich vielleicht – aber nur vielleicht – ein anderes Mal …

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Eingeordnet unter 2018

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