Stadtgeschichte

Die Farbe des Museumseingangs dürfte heute gar nicht zu sehen sein. Mit der stets schwerfälligen Drehtür. Die Farbe ist rot.
Wir haben in der Schule gelernt, dass das Licht erst die Farben entstehen lässt. Das Licht der Sonne zum Beispiel. Doch die scheint nicht. Dafür gibt es hier heftig Winde und prügelnden Regen.
Mein Mantel ist schwer. Doch nur so ertrage ich die Kälte. Mit einem Wintermantel. Man schickt halt die Raucher vor die Drehtür. Vor dem Museum gibt es keine Leeseite. Kein Regenschutz. Und schon gar keinen Sitzplatz.
Die Farbe bricht physikalische Gesetze. Wie kann es ein Rot geben, wenn ich schwarz bin. In mir.
Passanten hin und her. Jugendliche und ihre Jacken mit den Fellkragenkapuzen. Ich will nicht berührt werden!
Sagt man heute Jugendliche? Bei mir war das damals noch OK. Uns gehört die Zukunft, sagte man. Aber mir gehört nichts. Nicht mal die Gewissheit, den Kindern von Morgen genug Zukunft zu überlassen.
Zu Ende geraucht. Hinein. Wieder das Prozedere von Spind, Mantel reinhängen, Münze erneut einwerfen, abschließen, meine Gruppe in der Ausstellung suchen. Irgendwo zwischen 9.500 vor Christus bis heute.

4 Kommentare

Eingeordnet unter 2018

4 Antworten zu “Stadtgeschichte

  1. Für einen der nicht berührt werden will, berührt er ganz schön !

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  2. Super Schluss-Satz, der kommt wirklich klasse! Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

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