Der erste Stich

Ich stehe morgens auf. Gehe nach nebenan, setze mich an den Tisch und kratze den Finger meiner rechten Hand. Je mehr ich kratze, um so mehr juckt es. Ich halte inne. Ein Mückenstich? Ja, ziemlich eindeutig. Soll ich mich freuen? An einen solchen Stich im letztes Jahr kann ich mich nicht erinnern. Aber an meine Besorgnis um den Rückgang der Insekten als Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere.
Ich stelle eine CD zusammen. Brenne eine CD von den Titeln einer Cassette. Die Cassette muss ich zu Beginn der 90er aufgenommen haben, aber die einzelnen Stücke verschiedener Interpreten sind älter, viel älter.
Zu der Zeit war der Umzug nach Münster. Auch musikalisch suchte ich neues Hörterrain. Die Charts der 80er waren Geschichte, alte Rock ’n‘ Roll Helden gab es nun auf CD, aber das war nichts Neues. Was die Teenies ansprach, waren Techno und Hip Hop. Etwas, was mir zunächst widerstrebte.
Gab es in meinem Plattenschrank vielleicht noch Alternativen? Da war der schwarze Trompeter mit einer automatischen Waffe auf dem Cover. Miles Davis. Eine Single mit David Bowie und der Pat Metheny Group. Die LP mit Dean Martins „Love Songs“. All das baute ein großes Netzwerk neuer Musikinteressen auf. Von Big Bands der 20er Jahre, Swing, Combos, Modern, Bebop, Cool und Fusion bis zu seinen Ausformungen heute – dem Jazz.
Oft habe ich beim Hören von Jazzmusik das Gefühl, melancholisch und beschwingt zugleich zu sein. Oder beschwingt und melancholisch. Beides darf nebeneinander existieren. Sind alle Gefühle des Lebens eindeutig?
„Jazz“ nannte ich dann die Cassette, die ich in den frühen 90ern beim Aufbau für eine Party abspielen ließ. Sie lief in einem portablen Gerät, wo das Cassettenfach von selbst auf die andere Seite umsprang, wenn die vorige zu Ende war.
Eingeladen hatte ich neben Freunden und Kommilitonen auch Geschwister. Alle kamen hierher. Eine nette Frau etwas eher, sie wollte mithelfen. Ab da waren wir einige Jahre zusammen.
Geküsst haben wir uns das erste Mal beim Sound von Seite B der … Jazz-Cassette!

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2018, Musik

3 Antworten zu “Der erste Stich

  1. Monika-Maria Ehliah

    Wünsche dir den mächtigen, freudvollen österlichen Segen!
    M.M.

    Gefällt 1 Person

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