(ohne Titel)

Ich habe noch nicht mit jemanden persönlich gesprochen. Niemanden aus dem Kriegsgebiet. Kein Flüchtling. Keine Muslime. Niemanden, der hier so respektlos behandelt wurde. Beim Ausländeramt. Beim Jobcenter. Und gerade aus dem Bus geworfen wurde, wegen einem Kaffe-to-go Becher in der Hand. „Es ist verboten!“ schrie der Busfahrer, dass ich es an der Haltestelle hören konnte. Wo ich saß. Wohin sie zurück kehrte.
Sehr gut gekleidet war sie. Gut deutsch konnte sie. Die junge Frau entschuldigte sich. Fragte: „Wo kann man sich beschweren?“
„Bei den Stadtwerken. Ich hasse Busfahren so sehr, dass ich mir ein Fahrrad gekauft habe.“
Tonlos meinte sie: „Ich bin in Deutschland.“
Ich versuchte zu sagen: „Sie dürfen hier sein. Sie dürfen sich hier einrichten …“
„Und Arbeit“, kam es ganz leise.
„ … und arbeiten! Es ist Ihr Recht! Aber die meisten“, ich machte eine weit ausholende Geste, „wissen das nicht.“
Ich sah Tränen in großen braunen Augen.
Genau die Tränen, die vergossen wurden, als das Gebell der Geschütze näher kam, als die ersten Verwandten getroffen wurden, als sie rannte, rannte um ihr Leben.
… jetzt ist sie in Deutschland.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter 2018

4 Antworten zu “(ohne Titel)

  1. Winfoth

    Bissel zu theatralisch ;) Der Busfahrer hätte auch einen Deutschen aus diesem Grund anseiern können. Der Vergleich ihrer jetzigen Tränen mit denen bei ihrer Flucht, na ja, ich denke, da wäre schon ein gewaltiger Unterschied ;)

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    • Pah! Ich stehe zu meinen theatralischen Äußerungen! Wer Einfühlungsvermögen hätte, würde wissen, dass die Flüchtlinge geradezu Paranoia entwickeln, denn den Deutschen lässt man (objektiv) mehr durchgehen, während es die Fremden sind, die jedermann erziehen muss. Ist denn irgendwer ihr im Bus klärend zu Hilfe geeilt?
      Wer lesen kann, liest, dass diese Frau unendlich viel durchgemacht hat, und vielleicht das erste Mal hört, es ist ok, bleib hier, sei willkommen.
      Ich habe oft solche Tränen geweint, nach ausgestanden, miserablen Situationen, doch die heißesten später, als mir postives widerfuhr.
      Schreib das doch in eins Deiner Notizbücher!

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      • Winfoth

        Vielleicht solltest du nichts veröffentlichen, wenn dir die Meinung anderer zuwider ist. ;) Das, was du hier in den Text reinterpretierst, mag das sein, was du beim Schreiben empfunden hast, jedoch kommt es bei mir als Leserin nicht so an. Als Autor sollte man eventuell überlegen, ob Kritik nicht auch etwas Nützliches sein kann, oder ob man wirklich gleich so rumgiften muss. In mein Notizbuch schreibe ich jetzt Folgendes: Memo an mich –> „Texte von Autor Christoph nicht mehr kommentieren, er legt auf die Meinung anderer keinen Wert, weil er schon alles weiß.“ ;) Es gibt Autoren, die nehmen Kritik an, um zu wachsen ;)

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    • Ich bitte Dich! Rumgiften ist Deine Interpretation! Wäre es so undenkbar, dass ein Autor schon alles weiß? Ich meine nicht im Sinne von allwissend. Die Kritik anderer interessiert schon, aber heute, im Moment, Deine gerade nicht.

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