Brauch ich nicht

Schon früh, als ich meine ersten Beiträge in Anthologien veröffentlichte und sie stolz meinen ehemaligen Deutschlehrer zeigte, meinte dieser, ich sei vor allem auf Wirkung aus.
Wie sind die textlichen Mittel einzusetzen, um beim Leser das hervorzurufen, was ich wollte? Von der Gedankenführung über physische Objekte bis hin zu einer Stimmung, die sich schwer benennen lässt.
Leider gibt es unter den Lesern, ob selber Autorin oder Autor oder nicht, immer welche, die sich berufen fühlen, Vorschläge, Tipps oder Korrekturen anzubringen. Danach aber habe ich nie gefragt.
Ich finde es z. B. ziemlich albern, in meiner Autorengruppe von jemand relativ Neuem erklärt zu bekommen, wie viele Ausrufezeichen ich in meinem Text zu viel verwendet habe. Oder die Position von Absätzen soll überdacht werden. Pah!
Ich kenne Autoren, die jede noch so kleine Kritik dankbar aufnehmen. Die heilfroh sind, wenn andere ihre Texte makellos machen. Ein interessanter sozial interaktiver Prozess. Denn die Möglichkeit, sich auf elektronischen Plattformen über Literatur auszutauschen, ist noch nicht alt. Früher haben die großen Namen der Dichtkunst, Goethe, Schiller, Mann, Böll, erst die Veröffentlichung und Verbreitung ihrer Bücher abwarten müssen, um Kritiken zu erhalten. Sie konnten sich also beim Schreiben nicht reinreden lassen. Das Publikum verlässt manchmal die höfliche Distanz zum Künstler. Es rechtfertigt Übergriffe mit dem Argument, sie seien ja genauso leicht im Netz aufzufinden wie ich.
So nett es auch manche formulieren, was sie an meinen Werken gerne anders hätten – es interessiert mich nicht! Ich habe eine gut laufende Manufaktur, eine kleine Textfabrik, die hier bei WordPress schon mal Dinge hochlädt, bevor sie erkaltet und gefeilt sind. Weil ich es so möchte. Äußerungen wie, es sei zu viel oder zu wenig Zuckerguss darauf, sind fehl am Platz.
Und letztlich das tot-schlag-Argument aller Autoren, welches verwendet wird, seitdem es Kritiker gibt – also schon immer – macht es doch einfach selbst! Quält euch an den Schreibtisch, sucht nach Einfällen, die in irgendeiner Weise originell sind, sammelt Erfahrung und haltet durch, verzweifelt nicht, auch wenn ihr nach 30 Jahren Übung immer noch nicht berühmt seid. Dann, und nur vielleicht, wisst ihr wie ich, warum ihr einfach eure Klappe halten solltet …

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2019

3 Antworten zu “Brauch ich nicht

  1. Von wegen Goethe und Schiller: Die haben sich beispielsweise sehr wohl intensiv über ihre Texte ausgetauscht – und das schon vor der Veröffentlichung. Der Briefwechsel zwischen den beiden ist ein toller Einblick in so einen Autorenaustausch. Bei mir ist es so, dass ich einige, sehr wenige Menschen habe, von denen ich (sowohl inhaltliche wie sprachliche) Kritik möchte und auch erwarte – der Rest kann mir gestohlen bleiben. Wenn ich allerdings Texte auf den Blog stelle, ist klar, dass auch Vorschläge zur „Verbesserung“ kommen. Die prüfe ich eigentlich ganz gern wohlwollend und freue mich meist sehr an ihnen – das gehört zu dieser halt irgendwie „öffentlichen“ Form dazu. Liebe Grüße!

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    • Was Goethe und Schiller betrifft: Touché. Das hätte ich berücksichtigen müssen.
      Was die Öffentlichkeit meiner Texte angeht, kann ich mich nicht daran gewöhnen, dass jeder Hinz und jeder Kunz „Verbesserungsvorschläge“ anbringen kann. Nicht alle dieser Hinze und Kunze haben ein plausibles Foto von sich auf ihrer Homepage oder ein rechtlich vorgeschriebenes Impressum. (Dafür riesen groß der Hinweis auf das Copyright ihrer Schreibbemühungen.)
      Das drängt mich doch zu der Frage, was und wie gebe ich noch von mir preis?

      Gefällt 1 Person

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