Wo die Freundschaft enden muss

Als Schriftsteller, der von einem Verlag veröffentlicht wird, habe ich bereits die Anerkennung, Beachtung und das Lob für ein Buch bekommen. Durch Annahme des Manuskripts, dem Lektorat und der Aufnahme ins Verlagsprogramm.
Es besteht also nicht den geringsten Grund, das Buch kostenlos zu bekommen, nur weil man gesellschaftlich oder freundschaftlich mit dem Autor verkehrt. Das ist schlimmstes Schnorren, besonders bei schmalen Büchern, die ein geübter Leser an einem Tag durch hat und wiedergeben kann. Ihr Arschlöcher!
Der Literatur schaffende ist Schöpfer und Urheber von Kunst. Bis hinein in die Anfänge der Menschheitsgeschichte wurde dafür ein Preis bezahlt. Warum sollte es bei mir anders sein? Heute ist eben die Währung dafür der Euro …
Es wird keine Gratisexemplare zum herum reichen geben. Und hauptverantwortlich für den Vertrieb ist der Verlag. Meine Werbung in Sozialen Netzen dient dazu, anzuzeigen, dass ein Verlag etwas von mir zu verkaufen hat.
Würdet Ihr auf die Idee kommen, die Autorinnen und Autoren auf den Bücher-Bestseller Listen des Spiegel anzuschreiben, ob Ihr mal ein Buch zum Angucken bekommen könntet …? Um die Schmarotzer und Blutsauger los zu werden, muss ich es wohl auch dort hin schaffen.
Bleibt mir weg mit Euren Schreibbemühungen, die ich mir mal ansehen soll! Nicht mal Verwandte, fern oder nah, kämen da zum Zug. Ich fühle mich weder als Lehrer noch als Mentor berufen und habe keine pädagogische Ader.
Und nein, Ideen brauche ich von anderen gewöhnlich für meine Bücher nicht, sie landen in Ablage „P“. Ebenso suche ich mir selbst die Menschen aus, die ich mit einer Widmung bedenken würde. Wenn Ihr Auftragsschreiber wollt, dann baut einen Autounfall ohne Personenschaden – die Polizisten schreiben ein nettes Protokoll!

6 Kommentare

Eingeordnet unter 2019, Buch 5, Das neue Buch

6 Antworten zu “Wo die Freundschaft enden muss

  1. Verständnis auch von meiner Seite, all diese Gedanken habe ich auch ab und zu, nicht so geballt, aber doch immer mal wieder!
    Schlimm auch diese Leute, die einen Text einfach mal eben „mitnehmen“ und wenn sie dabei erwischt werden, sagen sie: „Sein Sie doch froh, das bringt Ihnen doch Leser!“ Nee, bin ich nicht froh drüber, es ärgert mich, sehr sogar!

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    • Vielen Dank, Regina!
      Hier noch ein Beispiel, eine wahre Geschichte! Auf einer Feierlichkeit in einem Gemeindehaus, spielte ein junger, begabter Trompetenspieler, der Musik studiert hatte und sich selbstständig gemacht hatte. Das fand eine Frau aus der Gemeinde so toll, dass sie ihn für eine weitere Feier haben wollte. Er (als Selbstständiger!) wies sie auf ein Honorar hin. Ich meine, er muss doch von irgendwas leben und seine Miete bezahlen und … und …
      Das hat diese Frau aber geärgert und meinte: „Es tut auch ein vergelts Gott!“
      Nichts gegen Kirche oder Gott, aber der Musiker kann es sich gar nicht leisten, Gratisauftritte zu absolvieren – von Bewunderung allein wird er nicht satt!

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    • @ Regina:
      P. S: Das was Dir passiert ist, mit einem Text wegnehmen, ist dreist und ein Diebstahldelikt! :-(

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  2. Erfrischend echt auf den Punkt gebracht, lieber Christoph!

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    • Vielen Dank für Dein Verständis, Nicole!
      Ein Thema, welches mich tiefstes Rot sehen lässt …
      Und danhinter steckt einfach der mangelnde Respekt vor literarisccher Arbeit und vor meiner speziell. So nach dem Motto: „Hätte ich mehr Zeit, könnte ich das auch.“
      Aber so ist es einfach nicht. Ein Beispiel: Viele rufen den Monteur, wenn der Abfluss verstopft ist. Der hat eine dreijährige Lehre gemacht, Gesellenjahre hinter sich und vielleicht noch die Meisterschule besucht. Würde irgendein Aas auf die Idee kommen, es ihn umsonst machen zu lassen? Ja, wenn er Schwarzarbeit leistet, kommt der Handwerker noch besser weg, die Bezahlung wird am Finanzamt vorbeigedrückt.
      Und dann ich. Mit meiner 35-jährigen literarischen „Berufserfahrung“ – neben allen Broterwerbsjobs, die ich hatte. Ich habe gelernt, geübt, Erfahrungen gesammelt, so vieles erduldet und bin noch so produktiv wie zu Anfang – und all das soll keinen (Gegen-)Wert haben?

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      • Das mit dem Rot sehen kenne ich nur zu gut… da ich bisher meist Auftragsarbeiten geschrieben habe, passiert es mir dafür immer wieder, dass ich „nur mal schnell“ was lesen und kommentieren / lektorieren soll. Oder Lesungen (ich habe Jahrelang Lesungen von Autoren aus dem 19. / 20. Jh.) gehalten und die sollte ich doch dann bitte auch kostenlos anbieten. Oder im übelsten Fall (ich habe auch schon Lenz gelesen) dann bitte die Lizenzgebühren, die an den Verlag fällig sind (und ich zahle so etwas IMMER!) dann bitte auch noch selber tragen. Da sehe ich dunkelrot!!
        Dass Du neben dem Brot-Job schreibst, dafür ziehe ich den Hut! Und zwar ganz tief! Und natürlich soll und muss das einen (Gegen-) Wert haben! Wie gut, dass Du hier in dem Beitrag so deutlich geworden bist!
        Anderen Künstlern ergeht es traurigerweise auch nicht anders. Und von dem Comiczeichner Ruthe gibt es ein super Video dazu. Falls es Dich interessiert: https://www.youtube.com/watch?v=BK8dHzlV5wk
        Und ansonsten lassen wir uns einfach nicht unterkriegen!

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