So viel Zeit. So viel Leben?

Normale Leute brauchen sich über Inspiration keine Gedanken machen. Es wird ihnen gesagt, was zu tun ist. Man hat ihnen alles beigebracht, damit sie die ihnen übertragenen Aufgaben verrichten können.
Wir alle sind entstanden, wie es die Natur vorsieht, und so auch geboren worden. Und das hat sich in Jahrtausenden nicht geändert. Es gibt nichts Neues, außer vielleicht das Galaxy S10+ …
Ich kann heute sagen, das Beste, was mir passiert ist, ist nicht mehr arbeiten gehen zu müssen. In meiner Laufbahn gab es nur wenige Jobs, die zu mir gepasst haben. In denen ich mein Potential entfalten konnte. Und die leider ohne mein Verschulden endeten.
Irgendwann konnte ich den Schlussstrich unter abhängig beschäftigt ziehen. Aber jeder warnte mich davor, ohne Tagesstruktur unterzugehen. Was dachten die denn? Weil ich nicht mehr von Vorgesetzten, die jünger waren als ich, gegängelt werde, fange ich das Trinken an oder bekomme chronische Depressionen?
Ich fuhr einfach damit fort, was ich neben der Arbeit schon immer gemacht habe. Schreiben. Literatur schreiben. Lesungen. Mitglied der Autorengruppe. Internetseiten. Blog. Buchveröffentlichungen.
Während meiner ersten Ausbildung hatte ich einen Freund. Einmal durfte ich zum Abendessen mit der Familie bleiben. Der Vater fragte mich aus. Was für Hobbys ich hätte?
„Ich schreibe.“
Er lachte. Gedichte hätte er auch in meinem Alter geschrieben, aber das wäre eine Grille, die wieder vergeht.
Ich saß mit dem Prüfer der Industrie- und Handelskammer am Tisch. Der gleiche Mann, der mir mitteilen musste, dass ich durch die praktische Prüfung gefallen sei. Ich wiederholte und bestand sie ein halbes Jahr später.
Inzwischen ist er gestorben …
Ich habe mich also schon immer künstlerisch beschäftigt, doch eine berufliche Tätigkeit fällt nun weg.
Dann ist es der Lottogewinn, oder? Ja, letztendlich schon. Erst fehlte mir die Arbeit. Kollegen und Aufgaben. Ohne dass ich eine einzige Sekunde daran dachte. Statt einem weitem Gefühl von Freiheit den Erstickungstod der Leere.
Bis sich etwas gewandelt hat. Im Denken. Ich muss nichts mehr, aber vielleicht möchte ich noch was. Ich kann nicht beeinflussen, ob die Sonne scheint oder nicht. Ich habe keine Reichtümer und bin nicht allwissend. Als ich in der sonst leeren Gasse auf dem Campus von jemanden angelächelt wurde, habe ich wieder Anschluss an die Menschheit gefunden. Warum auch immer.

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Eingeordnet unter 2019

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