Oh Papa, ich werd nicht so alt wie du!

Du hast das Leben gelebt.
Gott an erster Stell.
Dann deine Eltern.
Und ehrliche Arbeit
in der Fabrik ohne Tadel,
damit du uns Kinder durch bringst.

Ich, dein Ältester, hab dich sehr enttäuscht.
Nichts weiter als ein Tintenfresser und
auf Wortgaukelei bilde ich mir was ein.

Wir trinken Kaffee daheim.
So alt, so alt.
Getragen hast du die Welt.

Gott.
Die Eltern.
Den Profit der Fabrik.
Uns Kinder.
Dabei viel Not war.

Ich bin still geworden.
Wie konntest du immer aufrecht sein?
Heute mit 86 Jahren und
fast ebenso vielen Tabletten über die Woche,
nicht daran denken, es ist genug!

„Papa, warum bleibst du am Leben?“
Du setzt die Kaffeetasse ab.
„Es interessiert vielleicht keinen,
ob ich da bin oder nicht.“
Du hebst die Tasse wieder hoch:
„Doch! Einen gibt es – mich.“

Du schaust streng,
um gleich die Zunge
zu zeigen.

Wir brechen in Gelächter aus.

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