Der Mann zur falschen Zeit am falschen Ort

Die ersten Reaktionen auf mein neues Buch treffen ein. Es gibt die Leser, die es toll finden, und es gibt schon die, die Sache differenzierter betrachten. Ich glaube, das Buch wird polarisieren.
Mein erstes Buch habe ich der Chefsekretärin in dem Büro, in dem ich arbeitete, zum Geburtstag geschenkt. Ich hatte mein Büro neben ihres und wir kommunizierten den Tag über am häufigsten miteinander. Natürlich war sie keine Sekretärin. „Büroleiterin“ oder eine „Büromanagerin“. Der Chef wurde aber Chef genannt, auch wenn er im selbstgetrickten Lamawollpullover und Gesundheitssandalen umher lief. Aber was wollte ich schreiben? Ach ja …
Irgendwann hatte die Kollegin mein Buch fertig gelesen und wollte dazu auch etwas sagen. Mein erstes Buch ist ein Potpourri aus Kurzprosa und Gedichten, das einen stellenweise ganz schön runter ziehen kann. Und wo es tief ist, kann es noch tiefer gehen … In der Art war auch die Beurteilung der Bürofrau. Sie hätte manchmal im Leben schon Probleme genug, da könne sie das nicht in den Büchern gebrauchen, die sie lesen möchte. Sie runzelte die Stirn.
Aber, so fuhr sie fort, es gibt da in ihrer Nähe, (also im nächsten Dorf), einen, der schreibt ganz lustige Bücher und seine Veranstaltungen sind voll lustig. Und das Beste wäre, sie sei mit ihm früher in ein Zeltlager gefahren. Ihre Augen leuchteten.
Wie der den hieße, wollte ich wissen. Als sie mir den Namen nannte, wusste ich sofort, warum sie kein Interesse an Tiefgründigem hatte. Dieser Autor war seit Jahren in meiner Autorengruppe und hat sich, was ich hoch achtete, mit satirischen Geschichten zum Entertainer entwickelt. Mit echten Schenkelklopfern. Das muss man können!
Wer von meinem aktuellen Buch erwartet, dass er sich beim Lesen vor Lachen in die Ecke wirft, hat das falsche Buch. Eine Leserstimme sprach sogar von depressiven Episoden. Und ich habe mehrfach vernommen, dass es auf unterschiedliche Weise auch traurig stimmt. Wegen der Konsumgesellschaft, die sich und die Natur kontinuierlich umbringt. Und traurig wegen mir. Wegen der so in knapper Kürze skizzierten unendlich langen schlaflosen Nächten.
Wer sich das nicht traut zu lesen, bitte! Geht in die Bahnhofsbuchhandlung und kauft den neusten „Donald Duck“ – das lustige Taschenbuch.
Ich finde, es gibt vieles, was Angst macht. Doch wenn man sich die Neugier eines Kindes bewahrt hat und Mut hat, kann man sich auch den dunklen Stunden und den dunklen Seiten stellen. Wie sieht das denn überhaupt aus? Warum fühlt man dann das, was man fühlt? Gibt es logische Zusammenhänge?
Ich kann morgen ausschlafen.

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Eingeordnet unter 2019, Buch 5, Das neue Buch

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