Was ist mit Begabung?

Meine Fähigkeiten als Autor habe ich mir über Jahrzehnte hart erarbeitet. Mit viel Schweiß, Tränen und Herzblut. Da hängt mein Leben dran. Was ich nun geworden bin, das wollte ich immer sein. Am Anfang war ich jedoch allein damit.

Heute können sich zehn Frauen im Klimakterium für ein Seminar anmelden, wo ihnen das Schreiben beigebracht wird. Mit viel Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und Wertschätzung – inklusive veganen Snacks. Denn alle können ja schreiben …

Warum ich dabei Zahnschmerzen bekomme? Weil es aus meiner Sicht nicht dasselbe ist. Ich wusste schon als junger Mann, dass ich Autor werden wollte – und nichts konnte das aufhalten. Ich habe mein Talent entdeckt und bin immer dabei geblieben. (Sonst wäre ich vielleicht Schuster, Bullenabsamer oder Pilot geworden.) Meine Begabung ist zugleich auch eine Verpflichtung. Ich muss sie stets zur Vollkommenheit führen, ich kann sie nicht verkümmern lassen, nur weil „weltliche“ Dinge wichtiger wären. Ich bin zu Visionen fähig, mein Denken hört niemals auf und ich habe keine Angst davor, bis zum allerletzten Gedanken zu denken, um Sprache so zu formen, dass sie zu meiner Literatur wird.

Natürlich dürfen alle Frauen dieser Welt – warum sind es eigentlich so wenig Männer? – ihre Schreibkurse bezahlen und etwas Ordentliches dafür erwarten. Und vielleicht beginnt für jemanden dort der Weg in die Professionalität (und es geht auch noch viel schneller als bei mir), aber mit der Vorstellung kokettieren, nach einem Seminar Autorin oder Autor zu sein, ist nichts weiter als ein Traum. Ich bin gerne bereit, diese Leute zu wecken.

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2020

3 Antworten zu “Was ist mit Begabung?

  1. Na, gib Dir einfach bis zu Nummer 999 – vielleicht findest Du (und mit Dir wir alle) dann die passende Welt :-9

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  2. Tja, das ist halt der Unterschied zwischen Autor/Autorin und guter Autor/gute Autorin. Natürlich kann jeder schreiben, aber wie Du sagst, um ein „guter“ Autor zu werden, braucht’s (neben der Begabung) jahrelange, jahrzehntelange Übung. Andererseits ist kreatives Schreiben oft einfach nur therapeutisch und deshalb super. So wenig, wie sich jemand nach einem einzigen Aquarellkurs Künstler nennen wird, so wenig nennen sich diese Leute, glaube ich, nach einem Wochenende schon Schriftsteller …
    Liebe Grüße!

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