Ohne Leselust

Das mag überraschen, doch ich lese nicht mehr. Mit Lesungen bin ich erst mal durch.
Das liegt nicht daran, dass es wunderbare Lesungen gab, von denen ich heute noch schwärme.
Es liegt an jenen Lesungen, die in keiner Weise so abliefen, wie es sich ein Autor vorstellt und wünschen darf.
Der Anlass meiner Publikumsabstinenz war eine Lesung mit dazu gebuchtem „Musikprogramm“.
Während ich also las, schaute ich öfter in die Zuhörermenge. Nicht um einen verbindlicheren Blickkontakt herzustellen, sondern um zu sehen, ob die Köpfe der Gäste durch Strohballen ersetzt waren. Eine spannungsgeladene, knisternde Stimmung hätte es nämlich nur gegeben, hätte sich Stroh an Stroh gerieben …
Immer im Wechsel trat dann dieser Bursche auf. Unaussprechlicher Künstlername. Mikro. Gitarre. Verstärker mit einigen Gimmicks.
Wenn der sang und spielte, waren die Strohballen hin und weg. Man filmte ihn mit dem Handy. … einen Autor beim Lesen zu filmen – auf die Idee kam niemand. Nicht mal ich.
Sehr zu meinem Ärger kam das „musikalische Programm“ vor der Veranstaltung angepisst und behauptete, mich von irgendwo her zu kennen.
Schön für ihn. Doch kein Grund, mich in ein Gespräch zu verwickeln! Vor den Auftritten.
Am Ende hat nicht ein Hahn nach mir gekräht oder eine Henne gegluckt. Ich bekam die Gage ausgezahlt. Und ging.
Wer mich auf der Bühne vermisst – kann meine Bücher kaufen und sie lesen.

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Eingeordnet unter 2020

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