Kreativität & Ordnung? Ordnung & Kreativität!

In meiner Lehre wurde mir beigebracht, wie ein ordentlicher Arbeitsplatz auszusehen hat. Nach den Prinzipien der Effektivität hatte jedes Werkzeug seinen eigenen, festen Platz. Bei schmutzanfallender Arbeit war anschließend auf Sauberkeit zu achten. Zum Feierabend mussten alle Dinge verschlossen an ihrem gewohnten Ort sein.
In der Ausbildung gab es zeitlich viel Leerlauf. Um vor Langeweile nicht zu verblöden, habe ich immer Ausschau nach Verbesserung der vorhanden Ordnung gehalten. Je besser die Ordnung der Ausstattung umso besser und schneller die Arbeit. Oft wurde leider deshalb die Langeweile noch öder …

Heute produziere ich kreativ Textwerke. Hauptsächlich mit dem Computer. Es gibt auch am Bett Zettel und Stifte. Mit System. Versteht sich. Doch irgendwann landet alles in den Computer. Einiges geht über das Internet zum Verlag, anderes in den Blog. Weil ich es nicht anders gewohnt bin, habe ich Verzeichnisse und Ordner im Laptop so angelegt, dass ich schnell alles wieder finden und bearbeiten kann.
Die Tastatur bediene ich mit dem zehn-Finger-System. Und das Laptop steht stets auf der Schreibtischoberfläche und ist in der Steckdose. Ich schlepp‘ es also nicht herum. Für einen Ausdruck habe ich eine kurze Kabelverbindung mit dem Drucker hergestellt und das Papier in der Nähe an immer derselben Stelle.
Was brauche ich zum leiblichen Wohl meiner schriftstellerischen Arbeit? Bei mir fängt das mit Musik an. Eine große Auswahl für die verschiedensten Stimmungen kann ich von der Festplatte über Lautsprecher oder Kopfhörer hören. (Versteht sich von selbst, dass der Kopfhörer immer griffbereit in derselben Schreibtischschublade liegt.) Etwas zu trinken ist vorrätig hingestellt, und zwar auf der rechten Seite. Würde ich auf der linken Seite mit der rechten Hand ein Glas oder so greifen, würde es leichter verschüttet als auf der rechten Seite. Wer Tastaturen schon mal mit süßen Tee verklebt hat, weiß, was ich meine …
Eigentlich esse ich bei der Arbeit nicht. Gar nichts. Weil ich mir zum Essen Zeit nehme, Abstand gewinnen kann und dabei merke, dass ich überhaupt gegessen habe.

Das sind die äußeren Rahmenbedingungen. Für die Arbeit zu Hause. Bis ins Detail ordentlich. Vielleicht bin ich zu streng mit mir? Ich könnte ja z. B. den Kopfhörer auch dort liegen lassen, wo er das letzte Mal war? Und hin und wieder mal ein Stück Schokolade nehmen? Verbaue ich mir was? Eventuell die Spontanität?
Nein. Kreativität ist Chaos! Um etwas Neues, etwas, was so noch nicht geschrieben wurde, zu schaffen, braucht es absolute Freiheit für die Gedanken. Ich kann und will dann nicht z. B. aufstehen und eine neue Mineralwasserflasche aus dem Keller holen. Alles ist bereits an meinem Arbeitsplatz. So arbeite ich gut, am liebsten und effizient. Ich versetze mich direkt in das Werk, welches erst entsteht – dafür brauche ich keine Ablenkung.

Ich könnte meinen „Stundenlohn“ gut berechnen, auch wenn es darum nicht geht. Es geht nur darum, mit Fantasie und Einfallsreichtum ein Werk vom ersten Wort bis zum letzten Wort fertigzustellen. Es ist mir egal, wie fantasielos der Arbeitsplatz dafür aussieht. Ich male mit tausend Farben hinter schwarzen Buchstaben …

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Eingeordnet unter 2020

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