Neu: Erfahrungsbericht

Natürlich trifft der Bezug von Arbeitslosengeld II, Hartz IV, jeden heftig. Psychisch kranke Menschen finden jedoch generell kaum passende Arbeitsstellen, die auf ihre Schwächen und Stärken Rücksicht nehmen, denn unsere Gesellschaft gilt als Leistungsgesellschaft. Ein wenig Hoffnung könnte dieser Bericht machen.

Hartz IV mit Happy End

Zum 01.01.2005 wurde vom Gesetzgeber das Hartz IV eingeführt. Drei Jahre zuvor hatte ich noch einen Job. So sehr ich mich auch bemühte, die Anforderungen dort zu erfüllen, war ich doch als psychisch kranker Mensch auf Dauer dem Stress nicht gewachsen. Das Arbeitsverhältnis wurde im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. Eigentlich bin ich ein Macher. Das heißt, ich fühle mich am wohlsten, wenn ich etwas tun kann, Ideen verwirkliche und mit anderen etwas zustande bringe. Immer eine Pfanne auf dem Herd, in der es brutzelt!

Die Monate verstrichen, ohne dass das Arbeitsamt ein brauchbares Arbeitsangebot für mich gehabt hätte. Damals war es so, glaube ich, dass man alle halbe Jahre nach einem Rotationsverfahren einen anderen Sachbearbeiter vor der Nase hatte. Dem musste man freilich zuerst wieder erklären, dass man psychisch krank ist und nicht alles machen kann. Einer wollte mich in den Wachdienst schicken, es wäre doch schön, nachts, wenn die meisten schliefen, Objekte zu bewachen.
Ich sagte: „Ich brauche diesen Schlaf aber. Und wenn Sie mir meine Erkrankung nicht glauben, dann schicken Sie mich zum Amtsarzt!“
(Den guten Doktor sah ich öfter als jemanden von der Personalabteilung einer Firma bei einem Bewerbungsgespräch…)
Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich sehr. Depressionen. Als ob etwas die eigene Persönlichkeit aus den Poren der Haut drückte. Und sich dafür eine gallertartige, graue, giftige Masse meiner bemächtigt.

Dann kam Hartz IV. Der Slogan „Fordern und Fördern“, den ich bis dato nicht kannte, sollte sich positiv auf mich auswirken. Mit dem Arbeitslosengeld II bekam ich sogar einige Euro mehr gegenüber den Bezügen zuvor. Meine Depression löste sich auf als ich einen 1-€-Job in einer Arbeitsumgebung, wie für mich gemacht, mit sehr netten Mitarbeitern bekam. Diese Arbeitsgelegenheiten wurden nur mit Hartz IV möglich Nach einem Jahr Arbeit wäre die AGH-Maßnahme beendet gewesen, aber es wurde ausgehandelt, dass ich noch weitere Jahre unter anderen Verträgen dort arbeiten konnte.

Gerald Stienen

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