An die da draußen

Oft sehe ich hier in Blogs Abbildungen von antiken Schreibmaschinen. Autoren, die vielleicht sogar daran schreiben.
Das ist schön nostalgisch vielleicht, macht aber Null Aussage über die Qualität des Schreibens.
Wenn sich Autoren außerhalb des Mainstreams fühlen und sich bei ihrer Schreibe uralter Schreibhilfen bedienen, dann zeigt das nur eins: Unsicherheit.
Wir sind alle sensible Persönlichkeiten, keine Frage. Sich vor dem Leben hinter einer alten Adler zu verkriechen, bedeutet Rückschritt.
Schon Mitte des letzten Jahrhunderts hat Max Frisch die Vorzüge des Fotokopierers gelobt. Max Frisch. Ein wichtiger, ein erfolgreicher Schriftsteller.
Diejenigen, die also noch an klapprigen Tasten kleben, sollten sich fragen: nehme ich das Schreiben ernst und arbeite an Erfolg, oder brauche ich in Wirklichkeit eine Therapie?
Schreiben macht Spaß! Aber andere damit nerven nicht.
Und es ist mir hundertmal egal, ob Blogs „nur für sich selbst“ gemacht sind! Sie suchen trotzdem Öffentlichkeit. Oder besser gesagt Mitleid. Etwas, was dem Selbstmitleid mehr Rechtfertigung verleiht …
Das ist dann eine Respektlosigkeit gegenüber hart arbeitender Autoren. Mit Beruf und Begabung für das Schreiben.

Anmerkung

Es gibt den ersten engagierten Kommentar zu diesem Beitrag. Den mag jeder selbst lesen. Ich werde dazu einen Nachtrag formulieren.

Das wird hier immer wieder Thema sein: Der Umgang eines professionellen Autors mit diversen Nieten.
Man übersieht leicht, dass es 30 Jahre gedauert hat – ein langer, nicht einfacher Weg – um mich selbstbewusst Schriftsteller zu nennen.
Ein Kurs bei der Volkshochschule reicht da nicht aus …
Das sind wohl durchdachte Worte. Feststellung von Tatsachen. Nichts im Affekt.
Es ist wie beim Kauf eines kleinen, blühenden Topfpflänzchens aus dem Supermarkt. Da würde ich mich ja auch nicht als Florist bezeichnen.
Es muss eine Abgrenzung geben – alle können nicht das Gleiche gleich gut.
Und ja, ich kann darüber entscheiden, was qualitativ hochwertige Literatur ist. Ich und meine Kollegen und andere Profis.
Und wer dabei das große Fracksausen bekommt, stößt sich vielleicht am Tonfall. Ich könnte das theoretisch auch anders ausdrücken. Aber dann wäre ich nicht ich. Leben ist zu kurz für bla bla bla.

6 Kommentare

Eingeordnet unter 2021

6 Antworten zu “An die da draußen

  1. Lieber Christoph,
    ja, ich bin ziemlich sprachlos über diesen Beitrag von dir. Es gäbe dazu vieles zu schreiben.
    Christoph ich will meinen Kommentar kurz halten.
    Eines sei festgehalten, ich will dich nicht kränken, das läg mir fern.
    Doch erlaube ich mir, meine Sichtweise darzulegen.
    Die Enttäuschung, Wut, Aggression in diesem Beitrag, springt mir förmlich ins Gesicht.
    Hier hast du einen Kübel, über Menschen ausgeschüttet, denen das nicht gebührt.
    Die Empfindungen gehören an anderem Ort abgelegt. Nämlich dort wo sie hingehören.
    Wo das ist, oder besser beim wem das ist, kannst nur du wissen und fühlen.
    Liest du in anderen Blogs, damit du erkennst, dass andere Menschen nichts literarisch Wertvolles schreiben. Du schreibst: „Es nervt!“ Gut, aber warum liest du, suchst du nach solchen „Nieten?“
    Als abschreckendes Beispiel. Damit du für dich erkennst, dass du ein Profi bist?
    Wenn das so sein sollte, dann darfst du den schreibenden Nieten dankbar sein. Weil sie dir vor Augen führen, dass du ein rechtschaffener Autor bist, der sich den Erfolg redlich und schwer erarbeitet hat. Der glänzt in der Literaturszene und auch das wohlverdiente Recht dazu hat.
    Liebe, wertschätzende Grüße
    M.M.

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo, ich schreibe weder an alter Schreibmaschine, noch habe ich eine in meinem Besitz – was ich inzwischen eigentlich schade finde (lange Zeit hatte ich eine), weil ich solche alten Sachen einfach mag (und das hat absolut nichts mit Unsicherheit zu tun) und obendrein schreibe ich auch nicht so wie du. Trotzdem möchte ich dazu meinen Senf abgeben, weil es mir sauer aufstößt, dass du andere als respektlos betitelst, die auf solchen Maschinen schreiben. Ich finde es eher umgekehrt respektlos von dir, darüber so zu urteilen. Wer bestimmt, wie es richtig ist, zu schreiben? Jeder soll das so machen, wie er es für richtig hält. Leben und leben lassen, solange es nicht um schwerwiegend schädigende Dinge geht – meine Lebenseinstellung, die meistens gut gelingt.
    Aber vielleicht sollten wir das nicht hier im Blog ausdiskutieren, vielleicht mal bei einem Telefonat drüber reden. Geschriebenes kann so schnell falsch verstanden werden, dass es unnötig die Gemüter erhitzt. :) ;)
    Liebe Grüße von hier zu dir …

    Gefällt 1 Person

    • Ich muss doch nichts über deine Lebenseinstellung wissen. Du liest hier viel mit und kommentierst. Doch wenn ich entscheide, ein Urteil fällen zu wollen, brauche ich keine selbst ernannte Awältin der Schwachen. Diejenigen, die ich kritisiere, sollen ihre Resourcen für etwas anderes nutzen, was ihnen besser entgegen kommt. Das Schreiben ist eine immer noch viel zu unterschätzte Angelegenheit. Ich weiß, wovon ich rede.
      Ich lebe auch nicht in deiner heilen Welt. Oder hinter deiner Fassade einer heilen Welt. Ich verspüre geradezu eine Verpflichtung nach der Wahrheit zu suchen und sie aufzuschreiben – und wenn es nur darum geht, Literaturpfeifen ein paar Watschen zu geben. Zutiefst verstehst Du mich auch nicht, weil ich vom Wesen her ambivalent bin. Zu großer, zu wunderbarer und ausgezeichneter Literatur fähig – aber auch ein zu einem Massaker mit Worten … Und doch bin ich eine Person! Oft fühle ich mich zerrissen zwischen gut gehen und vollkommener Depression. Keine Ahnung, ob das ein Poetenschicksal ist. Du aber kannst mir mit Deiner Moral und Schuldgefühle-machen-wolle-Masche getrost gestohlen bleiben. Künstler stehen außerhalb. Außerhalb eines gesellschaftlichen und moralischen Systems. Unabhängig. Pah! Wenn ich das nicht hätte gewollt, würde ich es nicht machen.

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