Madagaskar

Am Ende einer Renovierung. Alles fertig. Alles an seinem Platz.
Am Ende einer Renovierung. Meine Lebensqualität habe ich in Eigenarbeit um bestimmt 100 Prozent gehoben.
Am Ende einer Renovierung. Man lebt nicht mehr in einer Baustelle. Die Arbeit getan. Und es ist schön geworden!
Nun ja. Am Ende einer Renovierung. Da fehlt einem manchmal was. Vielleicht knifflige Berechnungen von Tapeten und Kleisterausbeute. Das hat ja Spaß gemacht. Es gab aber nie den Selbstzweck. Tapezieren um des Tapezierens Willen. Man wollte es fertig machen und haben. Das ist es jetzt.
Am Ende der Renovierung. Und nun? Es kann wunderbar gekocht und gebacken werden. Das Schreiben geht wie automatisch. Musik hören und machen und das Fernsehen sind noch schöner und bequemer geworden.
Am Ende der Renovierung gibt es nichts mehr zu tun …!
Gestaunt habe ich oft während des Arbeitsprozesses, wie Probleme entstehen, aber dann gut gelöst wurden. Ja, von mir.
Sich wohl fühlen schließt ja Untätigkeit nicht aus. Nun wird man sich oft mit dem Staubsauger oder dem Spüllappen bewaffnen, um das Perpetuum mobile des Saubermachens in Gang zu halten. Zu müssen. (Physikalisch gesehen funktioniert das Prinzip der autonomen, selbstlaufenden Maschine nicht, es bedarf immer externer Energie.)
Ich schaute mich oft in meiner neuen Wohnlandschaft um. Könnte noch etwas fehlen? Eine Anschaffung, die alles noch wohnlicher macht?
Ich habe Bilder aufgehängt, die ich lange nicht mehr an der Wand hatte. Doch das war es nicht.
Dann machte es ‚Klick‘. Ich sauste mit dem Rad wieder mal zum Baumarkt, der glücklicherweise in diesen wir-machen-zu-oder-doch-nicht-Zeiten geöffnet hatte. Und beachtete alle Vorschriften genau.
Wusste, was ich wollte. Kannte mein Budget. Dennoch war es Liebe auf dem ersten Blick. Sie passte in meine Kategorie und zu meinem Budget. Sie war elegant, schlank und grün. Ich brachte sie vorsichtig nach Hause.
Areca lutescens. Als ich später mal googelte, erfuhr ich, dass es eine weit verbreitete Zimmerpflanze ist. Doch für mich ist sie etwas ganz, ganz Besonderes. Sie ist die erste ihrer Art hier. Ich wollte hier nie Pflanzen oder Blumen. Es schien mir zu lästig, mich darum zu kümmern. Heute überlege ich, was das wohl über mich aussagt …
Meine kleine Palme wird nun gepflegt und ich kümmere mich um sie. Ich möchte lernen, was sie braucht. Z. B. wie viel Mal gießen gut für sie ist. Dünger habe ich ihr auch besorgt.
Ich wollte ihr einen Namen geben. Aber es ist mir noch nicht der passende eingefallen. Habt Ihr einen Vorschlag für sie?
Sie wohnt hier mit. Und bringt etwas Multikulti in die eigenen vier Wände. Ihre Vorfahren kamen nämlich von einer großen Insel südöstlich von Afrika. Ma – da – gas – kar …

4 Kommentare

Eingeordnet unter 2021

4 Antworten zu “Madagaskar

  1. Wie wäre es mit „amie“, Freundin aus dem Französischen (wird ja auf Madagaskar gesprochen) Da du dich um sie kümmerst, könnte die Pflanze deine Freundin sein.
    Liebe Grüße
    Regina

    Gefällt 1 Person

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