Buchstabiere „Mitgefühl“

Mir geht es gut! Eigentlich …
Ich habe den Tag über viel gemacht und erledigt. War als Hausmann fleißig und zufrieden mit mir. Spät, man kann es nicht mehr Mittagessen nennen, hatte ich eine warme Mahlzeit. Just danach rief meine Schwester an. Nach einem langen Telefonat, bei der sie von ihrem Job und von einigen Reisen sprach, hatte sie vor, sich auch etwas Warmes zu kochen. Noch später. Ich berichtete von meinem neuen Computer, der noch einzustellen und zu bestücken ist. Autorchristoph ist endlich bei Windows 10 angekommen. Daran muss man sich erst mal gewöhnen! Während der Plauderei mit meiner so weit entfernten Schwester, ist mir wieder eingefallen, wie man das Touchpad deaktiviert, wenn man die Maus bevorzugt.
Aber …
Ein ungutes Gefühl, mir wohlbekannt, macht diesen schönen Tag zunichte. Ich erkenne es an den automatischen Gegenmaßnahmen, die ich unbewusst schon ergriffen habe.
Das Fernsehen läuft nebenan vor sich hin. Eine Serie. Ich kenne sie schon gut. An den Stimmen kann ich erkennen, welche Charaktere gerade agieren. Und die Filmmusik dramatisiert die Handlung. Dazwischen haut dann die Werbung. In kurzer Zeit müssen Produktinformationen präsentiert werden, um Konsumenten bei Kaufentscheidungen zu „helfen“. In meiner freiwilligen Geräuschkulisse stören mich die Spots heute nicht. Bringt mehr Leben.
Wenn’s Abend wird, fühle ich mich oft, und zwar gleich wie der Tag war, isoliert. All die vielen Gigabytes an Gedanken, die ich mir gemacht habe, warten eigentlich auf ein Download von einem vertrauten, empathischen Menschen.
Den gibt es nur nicht.
Ich wüsste auch nicht, in welcher Beziehungsqualität dieser Zuhörer und Diskutant zu mir stehen sollte. Hätte ich vielleicht ein klares Bild, hätte ich diese Art Beziehung schon.
Ich halte Literaten per se für einsame Menschen. Es ist ihre Art auf sich aufmerksam zu machen. Zu schreiben. Zu veröffentlichen. Auch wenn die Leser zumeist anonym bleiben. Doch sein Sprachgebrauch, sein stilistisches Kennzeichen, ist dann wie. Leuchtfeuer. In. Der. Nacht.
Zu spüren, dass ich gesehen werde, gibt mir den Mut, auch den Rest des Abends und die Nacht weiter zu kommen, durch welche Abgründe und Untiefen auch immer.

3 Kommentare

Eingeordnet unter 2021

3 Antworten zu “Buchstabiere „Mitgefühl“

  1. ;eine Schwester lebt auch weit entfernt von mir! Liebe Abendsegengrüße M.M.

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