Von „Get Back“ zu „Let It Be“ – alternative Fakten bei den Beatles?

„1970, 10. April: Zeitungen auf der ganzen Welt bringen Pauls Meldung, dass die Beatles von nun an keine gemeinsamen Projekte mehr realisieren werden.“
– Tim Hill, Daily Mail, 2010
„Im Verlauf der berüchtigten ‚Get Back‘-Sessions traten die Spannungen zwischen den Musikern immer deutlicher zutage.“
– Friedhelm Rathjen, 2010, Autor, der die Gelegenheit hatte, die Filmrollen der Get Back-Sessions zu sichten.
„Man kann wohl sagen, dass ‚Let It Be‘ das Ende der Beatles markiert. So zumindest lautet der Mythos. Die Wahrheit ist das nicht. Die wahre Geschichte von ‚Let IT Be‘ lag die vergangenen 50 Jahre lang gut verschlossen in den Tresoren der Apple Corps.“
„Es ist an der Zeit, die wahre Geschichte zu erzählen.“
– Peter Jackson, Herausgeber des offiziellen Beatles-Buches „Get Back“, 2021 (Peter Jackson ist auch Regisseur der TV-Dokumentation „Get Back“.)
„Ich fand den Originalfilm ‚Let it Be‘ immer ziemlich traurig, da er sich mit der Auflösung unserer Band beschäftigte, aber der neue Film zeigt die Kameradschaft und die Liebe, die wir vier zwischen uns hatten. […] So möchte ich die Beatles in Erinnerung behalten.“
– Paul McCartney, Vorwort in der Buchbeilage zur „Let It Be 6-Disc Editon“, 2021

Es fängt mit Paul McCartney an und hört mit Paul McCartney auf. Hat er sich 1970 zum Sündenbock gemacht, damit die unerträglichen Spannungen in der Band ein Ende nahmen? Versucht er sich aber heute zu rehabilitieren, indem er der letzten Phase der berühmtesten Band ihrer Zeit eine tief rosarote Brille aufsetzen lässt?
Interessiert das überhaupt jemanden?

Ich finde schon. Denn spätestens seit der Trump-Ära machen wir Geschichte. Unsere und die Vergangene, die anscheinend zu unseren Gunsten zurechtgebogen wird.
Wie viele Gerichtsprozesse gab es schon, bei denen die zwei Parteien eines Verkehrsunfalls behaupten, der Gegner wäre der Verursacher. Obwohl es physikalisch gesehen nur einen möglichen Kollisionsverlauf gibt.
Ich denke, ich lebe in einer Welt, in der man sich lieber die Zunge abbeißen würde, als zuzugeben, sich geirrt oder einen Fehler gemacht zu haben. Die belächelte Unfehlbarkeit des Papstes – ich bin umgeben von Päpsten!
Ich gebe gerne zu, etwas falsch gemacht zu haben. Ich glaube an das Prinzip der Vergebung. Wenn mir an einem Menschen etwas liegt, dann komme ich auf ihn zu, verstehe den Zorn, den er auf mich hat. Durch mein Verhalten. Und biete ihm an, die Sache zu bereinigen. Ohne meine eigenen Motive großartig zu rechtfertigen. Warum auch? Es ist nun mal in der Welt. Und wenn wir uns wieder vertragen können, dann, weil wir beide es wollen. Es braucht noch nicht mal die Festlegung von Bedingungen. Wir sind keine Staaten, die einen Friedensvertrag aushandeln.

Ich spüre dabei, dass dies eine große Erleichterung ist. Recht behalten wollen, böse sein – kostet Energie. Lebensenergie. Und die bekommt man nicht zurück. Die hat man nur einmal. Das macht sie so kostbar.

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Eingeordnet unter 2021

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