W.W.W. – Werbe-Wahn-Welt

Werbung ist oft mein Thema. Ich bin strikt dagegen, etwas angeboten zu bekommen, wonach ich nicht gefragt habe.

Es ist klar, an meinem Briefkasten klebt der Hinweis: „Keine Werbung! Keine kostenlosen Zeitungen!“
Ich käme nicht damit nach, den Mist unmittelbar in die Papiertonne zu fetzen …!

Das wird dennoch oft umgangen. Einerseits aus Unkenntnis der deutschen Sprache. Wenn eine Pizzeria ihre Angebote verteilt, achtet der Verteiler dieser Produktinformationen nicht auf solche Feinheiten, weil er vielleicht erst seit kurzem in unserem Land ist. Das ist ok.
Aber höchst dreist war eine Information des Kabelfernsehbetreibers, der einen Brief an den „Werbeverweiger“ adressierte!

Ich erinnere mich an sehr, sehr kuriose Fernsehwerbung. Dinge und Bezeichnungen, die heute nicht mehr gebräuchlich sind, aber zu ihrer Zeit mit Inbrunst verkauft werden wollten. Kennen sie noch die „Frühstücks-Cerealien“? Oder die Zahnbürste, die man umdrehte und mithilfe eines angebrachten Profils die Zunge reinigte?

Für die Nassrasur wurden und werden in regelmäßigen Intervallen neue Klingen entworfen. Übrigens muss man dazu auch immer einen neuen Griff kaufen. „Für das Beste im Mann.“ Das wird niemand vergessen haben. Man rasiert die Gesichtshaut, aber es war das Beste innerlich …???
Aktuell gibt es eine spezielle Beschichtung an der Klinge, die die Haut vom – sagen wir es direkt – Dreck reinigt …

Von neuen Generationen Handys, die sich gegenseitig in immer kürzerer Zeit übertrumpfen, möchte ich gar nicht erst anfangen

Seit kurzem gibt eine viel sagende Werbung für ein Pesto. Die Frauen-WG! Im Schrank alle Kleidung ordentlich sortiert hat eine Blonde, die als „Organisierte“ bezeichnet wird. Und dann eine Brünette, die ihre Klamotten achtlos auf das Bett wirft. Das ist dann die „Kreative“!!! Hallo? Seit wann ist denn Schlampigkeit kreativ? Heißt das im Umkehrschluss, ich muss schlampig sein, um kreativ tätig zu werden? Ausgemachter Oberschwachsinn!

Neu Einzug gehalten hat die Reklame für Sex-Toys. Auch zu Kinderfernsehzeiten. Für mich trägt Kondom-Werbung zur Aufklärung bei, nun ist der Gratis-Vibrator bei einer Bestellung inzwischen auch schon gesellschaftlicher Standard. Und ich gehöre einer Generation an, die bei der Erwähnung von „Beate Uhse“ rot wurde.
Aber nicht jedermann kennt sich mit Sexspielzeug aus. Ein braver Familienvater aus meinem Freundeskreis war nicht bekannt, was ihm die Werbung da vorsetzte. Bis ich ihn aufklärte …

Bei den Waschmitteln, dem klassischen deutschen Primärprodukt, sind wir bei den Pods gelandet und dem Warnhinweis: „Nicht in der Nähe von Kindern aufbewahren.“

Tabak- und Zigarettenwerbung ist zurecht verboten. Wein und Bier leider nicht, wie ich finde. Wer jeden Abend sein Bier braucht, ist schon ein Alkoholiker. Das sagen einige Ärzte. Und ich persönlich finde, dass Kaffee auch süchtig macht.

Die Reklame arbeitet nach der klassischen AIDA-Formel. Das erste A steht für „Attention“. Aufmerksamkeit von der ersten Werbespot-Sekunde an. I für „Interesst“. Es muss Interesse für das Produkt geweckt werden, z. B. weil es neu ist oder wie sich von anderen abhebt. D für „Desire“. Die aufgehende Tiefkühlpizza im Backofen soll das Verlangen wecken, einem den Mund wässrig machen. Und A wie „Action“, das ist dann der Kauf. Jedoch wissen die Werbestrategen auch, dass kein Element von AIDA den gewünschten Erfolg erzielen muss.

Außer. Außer bei Verkaufssendern oder –programmen. Da kommen noch die Mittel der Gehirnwäsche hinzu. Die meist blödsinnigen Produkte mit noch blöderen Namen werden dort so oft mit affektierten und übertrieben betonten Stimmen wiederholt, dass jede Gegenwehr gebrochen wird. Und jeder wählt die Telefonnummer zur Bestellung wegen des „sen-sat-io-nel-len“ Preises, „nicht 100 €“, „nicht 70 €“ „nicht 60 €“, „nu-huuur 49,99!!!“. Und das auch nur für ganz kurze Zeit …
Leider ist die ältere Generation anfällig für diese Art Kundeninformation. Es ist wohl einfacher, Werbung über einen längeren Zeitraum aufzunehmen, als die nur wenige Sekunden dauernden Spots im Normalprogramm. Und so haben sie etliche Pfannensets, Fußmassagegeräte vor den Sesseln und Gartenschlauchsysteme. Ich finde das traurig.

Werbeklassiker, an die ich mich gerne erinnere. Da war der Typ, der die Jeans an einem heißen Tag aus dem Kühlschrank nahm. Oder die heiße Frau im Badeanzug, die in einem Laden von dem Jungen, der dort wohl einen Ferienjob hatte, gefragt wurde: „Wie wollen Sie bezahlen?“ Und sein Grinsen, als sie unter den Badeanzug am Po griff und die Kreditkarte hervorzog. Und C&A machte die Musik von The Mamas and the Papas wieder bekannt.

Ich denke, das war der gleiche Geist, in dem man ikonische Musikvideos drehte. Heute schminkt man 16-jährige Song-Conest-Gewinnerinnen auf 20 und filmt sie mit lasziven Tanzschritten in aufdringlichen Kameraeinstellungen.

Die Werbung heute vermittelt die Botschaften, sportlich aktiv bis zum Erbrechen ist ein Muss, Veganie und das neue Umweltbewusstsein wird über Elektroautos abgewickelt. Jedoch nicht ohne die alten Statussymbole abzuschaffen. Ein E-Auto von Mercedes, BMW oder Audi ist mehrwertiger. Es bleibt krank!

Vermutlich wird es auch die Werbung schwer haben. Wenn zu den explodierten Lebensmittelpreisen eine Energiekrise ansteht wie lange nicht mehr.

Ich kann schon jetzt nur noch davon träumen, mit einer Frau mit wunderschönen grünen Augen Schokolade zu naschen. Für mich ist Schokolade Luxus geworden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..