Meine Wünsche

Ich bin Vogel Strauß.
Seh‘ euch nicht. Ihr mich nicht.
Kein Anschluss unter dieser Nummer.
Auf unbestimmte Zeit auf Reisen zu Haus.
Ausgeschlossen die ganze Welt.

Es keimt Frieden. Hoffnung.

Aus Trümmern Einsamkeit
baue ich ein neues Haus.
Für dich und mich.
Und alle, die kommen werden.

Um die Tafel tanzt ein Lachen.
Wein und sanftes Licht.
Wenn ihr auf aufbrecht, spät,
wollen wir uns wiedersehen.

Nächstes Jahr.
Bevor die Schwalben zieh’n gen Süden.

©hristoph Aschenbrenner

herrChrizzy 26

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Spielverderber

In meiner Familie gibt es jemanden, die bei dieser Sommerhitze davon schwärmt, in die Wälder zu gehen. Dort, wo sie lebt, kann man auch Erfrischung finden und schöne Naturbeobachtungen machen. Sie legt es mir immer wieder ans Herz.

Ich fände es ja auch schön, doch hier in der Stadt gibt es keinen Wald und schon 1 Meter nach den Ortsschildern beginnt die in alle Himmelsrichtungen reichende Landwirtschaft. Felder soweit man gucken kann und noch weiter.

Das, was man hier in der City als Wurzel-Stamm-Blätterkrone identifizieren kann, steht recht spärlich beieinander. Das gilt auch für die Parks. Und mit zwei Pedaltritten durchquert man jedes Wäldchen mit dem Rad.

Größere Ansammlungen des Großgrüns findet sich noch am Stadt-See und der Promenade. Beides zentral gelegen. Im Sparformat könnte man Schatten finden – aber man ist keine Minute allein.

Ruhig, friedlich und unbewegt auf einer Bank sitzend, scheint das Anglotzen der Anderen Pflicht zu sein.

Und die halbe Stadt joggt um den See oder hechelt unter der Allee herum. Und die andere Hälfte führt den Hund aus. Manche schaffen beides gleichzeitig …

Läufer bringen sich aus einer Gefahrenzone in Sicherheit oder nehmen an einer Olympiade teil. Was da sonst kreucht und fleucht, sind für mich Jogger.

Ich bin zu Hause besser aufgehoben. Durch mein geschicktes Lüftungs- und Ventilationssystem und herunter gelassenen Rollladen hinter der Glasisolation der neuen Fenster, habe ich es kühl hier. Kühl!

Hier ist alles was ich brauche. Mein Schreibtisch für das Kreative, ein gefüllter Kühlschrank, mein Bett.

Aber Nein! Man sagt, das sei krank! Die Sonne aussperren sei ungesund für Körper und Seele!

Ach ja? Ich denke, einen Tag mit 34 °C Plus nicht auslassen können – das ist krank! Die tun ja so, als würde die Sonne ab morgen nie mehr scheinen …! Nur weil alle es tun, muss es nicht immer das Richtige sein. Und die, die vernünftiger sind, sind Spielverderber.

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Auf den Spuren eines Kurzromans

Es ist ein warmer, sonniger Tag. Mitten in den Schulferien. Ich radle bei uns die Hammer Straße entlang. Die zweispurige Straße ist laut.
Dennoch kann ich sicher raushören, wenn über einigen Blocks Schwalben fliegen. Ihr Schreien und Rufen ist mir seit der Kindheit vertraut.
Die Stadt ist auch Schauplatz meines Buchs „Urbanicity“. Erschienen 2017 in einem kleinen, aber ordentlichen Verlag.
Weder in dem Buch noch jetzt nenne ich den Namen dieser Stadt. Einer der Gründe ist, dass ich nicht den Stolz derjenigen teile, die sich mehr als ich mit diesen Mauern identifizieren können. Ich fühle mich wie Strandgut und habe mich lediglich wohnlich eingerichtet.
Gegenüber dem Verlag konnte ich nicht durchsetzen, mein Werk als „Kurzroman“ zu untertiteln. Das ist (noch) keine anerkannte Literatursparte. Und den Vorschlag „Novelle“ wies ich als zu literaturwissenschaftlich zurück.
Aber ansonsten haben wir redlich und mit viel Einsatz und Fleiß ein neues Baby von mir zur Welt gebracht.
In der Kulisse mancher Szenen des Buchs fahre ich gerade in die Altstadt. Ich brauche ein neues Antennenkabel und eine Spindel CD-Rohlinge. Letztes für meine Musikproduktionen.
Im ersten Kapitel und noch einmal später radelt der Protagonist Jim in Gegenrichtung von der Arbeit nach Hause. Bei ihm fängt es Juli an und es ist warm.
Ich hatte also solch eine Fahrt vor meinem inneren Auge, oder diesen Film, der abgespult wurde, als ich davon schrieb, wie gefährlich es sich immer anfühlt, wenn die Autos aus den Seitengassen schießen.
In der Realität ist die Vorfahrt eindeutig geregelt. Alles auf der Hauptstraße hat Vorfahrt. Auch die Radfahrer.
Es gibt eine Besonderheit. Radfahrer dürfen hier die Ampeln für die Fußgänger ignorieren, Autos haben sie zu beachten.
Die Szene, in der der Jüngling mit dem neongrünen, aufgemotzten Wagen zusammen mit Jim an der Ampel wartet, ist also Fiktion.
Am Schreibtisch war das in meiner Vorstellung da gegenüber vor der Drogerie. Und hier, zu meiner Rechten, das reale Café Wolters. Es wurde zum „Chapeau“ literaturisiert. Hier trifft sich Jim mit der Kollegin Isabell, die einzige, die, wenn auch verspätet, an seinen Geburtstag denkt.
Wenn ich wieder an die Personen denke, die ich erschaffen habe, fällt mir auf, dass er ihr nie eindeutig zeigte, ob er mehr wollte als Freundschaft. Es existiert einfach nicht.
Ich hatte mal einen Schulfreund. Der war der personifizierte Phlegmatismus. Viele Figuren, die ich als Autor schuf, haben solche Züge. Einfach nur rumsitzen und schauen, wie die Welt erblüht oder untergeht. Selbst nicht den kleinen Finger rühren. Eine Möglichkeit, die Lebenszeit zu verbringen. Aber nicht die Einzige.
In dem Elektronik- und Elektrogroßladen habe schnell das bekommen, was ich wollte. Desinfiziere meine Hände am Ausgang. Kann die Maske abnehmen. Nicht mehr viele tun das noch.
2017. Wir wussten noch nichts von einer Pandemie, die Millionen das Leben kostete. Es gab keine Lockdowns und nicht so viele Homeoffice-Arbeitsplätze. Uns saß noch nicht die Angst im Nacken. Scheinbar gewöhnt sich die Menschheit auch daran. Dreimal geimpft und wieder werden Flugreisen gebucht, nach Lockerungen auf Hygiene keinen besonderen Wert mehr gelegt. Die trotzt Impfung Infizierten kommen halt in Quarantäne und genesen. Diesen Bodensatz nimmt man in Kauf.
In „Urbanicity“ geht es um etwas Anderes. Die Unausweichlichkeit des Älterwerdens. Ob Jim auf den letzten Seiten gestorben ist oder – ich sag mal – verrückt wurde, lasse ich weiterhin offen.
Ich kann etwas verraten. Im ersten Kapitel kommt Jim nach Hause, fängt an zu schwitzen und entledigt sich seiner Kleidung.
Mir geht es auch so. Wenn ich in die zunächst stehende Luft meiner Wohnung komme, vertrage ich auch keine Textilien auf der Haut …

Urbanicity 2017

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In meiner Jugend

war ich beseelt von großen Wünschen – wusste nicht, wie sie aussahen.
Sammelte Erlebnisse – von Dingen und Menschen.
Illusionen versickerten – wusste, was ich nicht wollte.

Mag sein, dass ich nun weiß, was mein größter Wunsch ist.
Kann sein, dass es dafür zu spät ist.
Und stets nicht wunschlos bleibe.

Es ist niemandes Schuld.

©hristoph Aschenbrenner

WP Juli 2022

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Geburtstagsvorabend

Ich stehe kurz vor meinem Geburtstag. Beinahe ist dieser tote Sonntag um. Ob ich jedoch schlafen werde können …?
Heute habe ich wieder ganztägig in meiner Wohnung hinter Rollladen ausgeharrt. Die Sonne geht heute astronomisch um 21:53 Uhr hier unter.
Ich denke, dass der Mensch eigentlich nur in sozialen Bindungen >1 überleben kann. Das ist ein Instinkt, den wir schon vor mehr als 12.000 Jahren hatten. Nur in einer Gruppe lässt sich gut nach Mammuts jagen, Kinder aufziehen und alte Menschen versorgen.
Das haben wir nicht verloren. Oder warum ist der Mensch sonst ein geselliges „Tier“?
Manche binden sich fest aneinander, manche haben eine große Palette an unmittelbaren sozialen Kontakten. Familie, Freunde, Kollegen, Vereinsschwestern und -brüder und Kreise, Zirkel, Stammtische. Niemand – so scheint es – muss allein sein.
Warum bin ich es???
Wenn es eine „Winterdespression“ gibt, habe ich die „Sommerdepression“!
Es ist wohl nicht normal, die Sonne und Hitze zu meiden wie ein Vampir. Ich kann meine Argumente dennoch rational vorbringen. Ich habe überhaupt viele interessante Fähigkeiten, Talente und Ideen. Sie werden nur nicht abgefragt.
Ich komme mir vor wie Data, der Android bei Raumschiff Enterprise – The Next Generation, der alles versucht, um menschlich zu sein. In meinem Fall: sozial verträglich.
Doch ich müsste in die sengende Sonne, um sommerliche Kontakte zu haben. Erst mal: Ich fühle ich mich, egal in welcher Verfassung ich meinen Kopf raus stecke, entweder nur komisch angestarrt oder völlig ignoriert. Zum Zweiten, ich habe sie nicht. Die Kontakte. Nicht schön!
Ich bleibe zu Hause. Und bleibe einsam. Das wird zu einem seelischen Schaden!
Soziale Geflechte funktionieren auf der Basis gegenseitigen Wahrnehmens, dann Beachtung und schließlich Reaktion und Gegenreaktion. Es entfällt alles bei mir, besonders im Sommer … Ich hasse das! Ich habe schon alles versucht …
Meine treuen Freundinnen und Freude in meiner Heimatregion sind nicht per Telefon zu erreichen, sie machen ihre Urlaube. Eine Postkarte bekam ich aus der Schweiz.
Überhaupt, sich das Wenige an Aufmerksamkeit per Telefon holen zu müssen, ist bitter …
Es besteht ein so großes Vakuum an Beachtung und Wertschätzung, dass ich ganz gefräßig danach bin. Ich stelle mir vor, in einer Beziehung wäre ich viel ruhiger, künstlerisch aber auch sehr viel fauler, und dass auch mal Zeiten allein genießen könnte. Das gesunde Mittelmaß, das gesunde Mittelmaß …
Nichts wird morgen stattfinden. Begegnungen werde ich nur haben, wenn ich möglicherweise einkaufen müsste. Anonym, oberflächlich. Ansonsten habe ich an persönlichen Kontakten wieder gar nichts planen können.
Ich werde aus der Distanz auf Telefonate, Handynachrichten, Mails, Post und Geschenke warten. Morgen eben.

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Vergehen und Vergessen

Am Küchentisch. Endlich Frühstück.
Schläft nicht mehr so lang wie früher. Hatte noch eine Tablette zu nehmen, bevor er aß. Aber diese halbe Stunde längst überschritten.
Schon mit leerem Magen einkaufen. Danach erst aufraffen, sich im Bad zu pflegen. Dann das Chaos in der Wohnung beseitigen, welches er abends immer hinterlässt.
Nun zwei Wurstbrote. Eine Tasse Tee. Mehr Hunger hat er nicht.
Was ist schlimmer als Einsamkeit? In Einsamkeit alt werden.
Jetzt schon schaut die nächste Generation durch ihn hindurch wie Luft. Dann werden Krankheiten kommen. Schmerzen. Vielleicht chronische. Die ganze Palette von Gebrechen abhaken.
Selbstständigkeit und Selbstversorgung werden früher kippen als erwartet.
Der eigentliche Tod ist schnell vollzogen, das Sterben durchschreitet Jahre.
Hätte zur Welt gern etwas beigetragen. Ein geflügeltes Wort. Ein Lächeln zauberndes Musikstück.
Doch nur einer von zu vielen. An seinen Namen erinnert man sich nicht.

herrChrizzy - Cover 09

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Ein musikalisch-politisches Statement

Massiv ist die Natur vom Menschen verdrängt worden. Und das Klima der Erde geht einer von Menschen gemachten Katastrophe entgegen.
Als ob es nicht schon genug wäre, von Corona geschüttelt worden zu sein, Mensch tötet Mensch. In einem Krieg, denn dann ist es legal. Obwohl die Gründe für Kriege immer kurioser gleichzeitig aber auch offensichtlicher werden.
Als Künstler möchte ich dazu Stellung nehmen. Ich kann nicht mehr wegschauen.
Ich habe ein Klangbild gemalt Eine kurze KlangCollage. Von der Schönheit des Planeten, über die Beherrschung des Feuers bis zur Erfindung der Dampfmaschine. Dann der Einsatz der Elektrizität. Aus der Metallurgie wurde immer schon Bewaffnung.

Auch wer meine Musik ansonsten nicht mag, kann vielleicht die Botschaft vernehmen. Hier geht es zur KlangKunst
„This World Will Die“
bei SoundCloud.com:

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Der Feind

Rasierst das Gesicht
Wie ein alter Koffer
Immer nur eingesteckt
Eingesteckt

Gefahr ist unsichtbar
Ist unter der Haut
Jede Berührung
Gibt sie weiter

Sie kommen wie der Spuk
Riegeln die Straßen ab
Soldaten in ABC-Schutzanzügen
Waffen entsichert

Informieren über
Gaswolke von Chemiefabrik
Ruhe bewahren
In den Häusern bleiben

Nervöse Stille
Eine Fabrik gibt es doch nicht
Wen wehren Gewehre
Vor wem ab

Über Nacht
Werden sie abgezogen
Neue Stille
Dann beginnt das Sterben

©hristoph Aschenbrenner

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