Archiv der Kategorie: 2018

Jede Deutung vergebens

Das folgende Gedicht ist von der Art, die die Mitglieder meiner Autorengruppe nach minutenlangem Schweigen ironisch ausrufen lassen: „Was will uns der Autor damit sagen?“ Das interessante an „kryptischen“ Gedichten, so nennen wir sie, ist auch, inwiefern ein Dichter ausschließlich für sich selbst schreibt oder auch den Leser mit einbezieht.
Ich hoffe jedenfalls, es gibt hier genügend Besucher, die damit etwas anfangen können. Ein bisschen? Klitzekleines …

Der Freigeist und das Leben

Ich fliege hier meine Runden.
Steige hoch. Und ab zum Sturzflug.

Fern die Liebsten kriegen Kinder.
Sie wachsen auf. Kenne sie kaum.

Ich fliege hier meine Runden.
Steil hoch und wieder herunter.

Fern die Liebsten werden älter.
Noch älter, bis sie versterben.

Ich fliege hoch meine Runden.
Ich lass es nicht sein. Einmal am
Boden werde ich zerschellen.
Endlichkeit hat mich eingeholt.

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Eingeordnet unter Lyrik, 2018

Sonntagsbild 480

Tageszeit: früher Morgen
Sonnenaufgang: 8:22 Uhr
Sonnenuntergang: 16:40 Uhr
Wetter: nasskalt & 8 °C
Stimmung: im Rausch des Tatendrangs
Chrizzy summt mit Satchmo: Nobody knows the trouble I’ve seen…

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Vorfreude?

Darf ich euch die Adventszeit und die Weihnachtsfeiertage ein wenig kaputt machen?

Ich kann nicht mehr hinsehen bei all den „Adventstürchen“, bei den empfohlenen „Weihnachtsbüchern“, dem Deko-Kram, der aus den Kellern oder von Dachböden geschleppt wird!

Bei so viel Kitsch kann ich nur kotzen!

Wer traditionell drei Sorten Plätzchen backt und eine weitere ausprobiert, und gar nicht mehr weiß, was er zuerst probieren soll, der möge den folgenden Satz lesen!

821 Millionen Menschen hungerten letztes Jahr weltweit.

Wer Weihnachtsgedichte und Weihnachtsgeschichten schreibt, um sie Kindern oder Enkeln vorzutragen, der sollte den folgenden Satz lesen!

821 Millionen Menschen hungerten letztes Jahr weltweit. Kinder und Greise sterben am schnellsten den Hungertod.

Wer schon jetzt, Anfang Dezember, weiß, wo, mit wem, mit welchen Aktivitäten und welchem Essen er den Heiligen Abend verbringt, der muss den folgenden Satz lesen!

821 Millionen Menschen hungerten letztes Jahr weltweit. Es ist sicher einfach einzusehen, wo immer auf der Welt Menschen vor Kriegen und Konflikten flüchten, der Hunger immer Begleiter ist.

Ich habe keine Lösung. Ich bin kein Guru. Ich bin nur Autor. Lasst euch die Festtagsgans schmecken … aber erstickt nicht daran.

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Sonntagsbild 479

Tageszeit: früher Morgen
Sonnenaufgang: 8:14 Uhr
Wetter: Regen & 9 °C
Stimmung: nicht der Rede wert
Chrizzy, der fragt, wer hat an der Uhr gedreht? Und, was war das überhaupt für ein Jahr? 2018. Weder Fleisch noch Fisch. Hm, auch kein zeitgemäßer Spruch mehr bei all den Veganern…

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Salz der Meere, Salz der Erde

Einer von Tausenden.
Einzeln in der Menge.
Keine kritische Masse.

Geschlossenes System.
Innerlich zerrissen oder zufrieden.

Leben wie alle.
In Frieden existieren.
Lieben ohne Grenzen.

Einer von Millionen.

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Keinen Schmerz in den Augen

Nicht der weiseste aller.
Ohne wirkliche Erfahrung.

Mein Herz mir Mut zusprach.

Die üblichen vier Wände.
TV, Dusche, Mikrowelle.
Nicht groß, nicht schön, ohne Vermögen.

„Fang an zu fliegen!“

Nicht der Verstand,
Keine Vernunft,
den Himmel genießt nur

– ich!

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Für wen

Ich schreibe hier nicht für die Oberflächlichen.
Nicht für die, für die es außen immer funkeln muss.
Ich berichte von eigenen Gedanken / Gefühlen, die authentisch sind.
Ich kenne sie am besten, ich hinterfrage sie.
Ich schreibe nicht für die, die jedes falsch gesetzte Komma stört.
Nicht für die, die ihre Kleinheit auf andere projizieren.
Auch Grammatik ist entwicklungsfähig.
Ich schreibe nicht für Plätzchenbäcker, Kochmamsells und Tierbesitzer,
nicht für Strickende, Kuchen- und Tortenfotografierer.
All das ist schön, bloß nicht mein Thema.
Ich schreibe nicht für die Anonymen.
Nicht für die, die sich vor dem Impressum drücken.
Die kein wahrer Name, kein Foto verrät.
Ich stehe zu meinem Wort.
Ich schreibe nicht für die, die ihr Buch schreiben.
Nicht für die, die ihr Projekt klammheimlich nicht zu Ende kriegen.
Wenn ich ein Buch schreibe, steht es dann im Buchladen.
Ich hole tief Luft.
Manche werden Künstler nie verstehen.
Die Zwiespältigkeit zwischen Einsamkeit suchen und Aufmerksamkeit brauchen.
Spannung lässt das Licht leuchten.
In Glühbirnen wie in Geisteswerken.

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Elektrische Kojoten

Ich muss aus diesem Käfig raus!

Zu lange schon sind wir
gestresste Laborratten in Händen
von Kojoten.

Schmeiß die Krawatte
in den Abfalleimer.
Bestimmt arbeite ich
morgen hier nicht mehr.
Brauch‘ kein Abflugticket.
Es erwischt einen so oder so.

Ich komm‘ zurück auf dein Angebot.
Vor Wochen gemacht.
Ich ersetze dein Parfüm
durch ehrlichen Schweiß.
Unser Lauf zum Gipfel.
Absprung.
Die Zigarette teilen, die letzte.

Es gibt weder falsch noch richtig.
Lass immer die anderen bei dir in
der Kreide stehen. Weil einer deine
Zeche zahlen muss. Man hat zum
Leben nur einen Versuch.

Die Luft etwas kühl, feucht, bitter.
Deine Brust hebt, senkt sich sanft.

Wie schmeckt der Stromschlag, wenn
zwischen uns wieder ein Grenzzaun ist?

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