Archiv der Kategorie: 2018

Sonntagsbild 460

Tageszeit: früher Morgen
Sonnenaufgang: 5:25 Uhr
Sonnenuntergang: 21:45 Uhr
Wetter: ohne Bewölkung & 13 °C
Stimmung: so lala
Chrizzy, der vermutet, dass der Brief seiner Mutter vom Postboten aufgegessen worden ist…

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Eingeordnet unter 2018, Sonntag, Sonntagsbild

Von allen die Beste

Es ist spät. Sie hält mir ihr fast leeres Weinglas hin.
Ich gieße ihr nach.
„Was für ein gewaltiger alter Bordeaux. Wo hast du ihn her?“
„1883. Er war … im Depot.“
„Du hast ihn dir selbst vererbt!“ lacht sie.
Sie räkelt sich im Bademantel auf dem Hotelbett. Stützt mit einer Hand ihren Kopf auf. Unter ihrem Bademantel trägt sie nichts.
„Wenn es nicht so wäre, wie es nun ist, würdest du mich trotzdem zu deinem Mann nehmen? Gäbe es einen Grund?“
„Autsch! Ein Gedankenspiel“, sie nippt an ihrem Glas, „Ich hoffe, es ist bei dir umgekehrt genauso: du bist einfach der Beste!“
Eine Weile sind wir still. Ich trinke mein Glas aus. Erheb mich vom Sessel. Leg mich zu ihr.
Sie schmiegt ihre Arme um meinen Hals.
„So oft habe ich Leere gespürt. Eine Leere in mir, wenn du nicht da warst“, meint sie.
Ich werde ihre Leere füllen. Mit meinem männlichsten Körperteil. Heute Nacht bis zum Sonnenaufgang. Bis wir einschlafen. Träumen von heiligen Bäumen. Immer noch ein Ohr wach für ihre Atemzüge.

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Sonntagsbild 459

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 5:18 Uhr
Wetter: sonnig & 15 °C
Stimmung: es geht
Chrizzy fühlt sich erinnert, während der Schulzeit hießen manche Briefe aus einem bestimmten Grund „blaue“ Briefe…

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Atem aus

Du liegst da wie aus bleichem Pergament. Das Alter. Die Krankheit. Und nun auch der Tod.
Meine Tränen. Meine Tränen können daran nichts ändern. Keine heißen Tropfen, keine Küsse, keine Rufe erwecken dich wieder zum Leben.
Wir kannten uns lange. Fast das ganze Leben. Mehr noch als nur ein Leben. Und wenn ich auch überzeugt bin, dass wir uns wiedersehen, muss ich dich jetzt gehen lassen, meine Frau, meine Liebe. Den einzigen Menschen, der ist wie ich.
Ich selbst, ebenfalls nur alter Knochen Gebieter, kann mich schwer nur aufrichten. Möge die Arroganz jugendlicher Blicke nichts weiter als einen Greis sehen, dessen alte Frau verstarb, so werden sie noch lernen, was es bedeutet, einander Herzen zu schenken und zu umsorgen – bis sich für einen das Grab auftut und das so behütete Herz mit vergraben wird.
Was mir die Kraft gab, die Kammer zu verlassen, weiß ich nicht. Diener und Mägde besorgen das Übrige. Wir wussten unser Geheimnis zu bewahren. Über die Jahrtausende. Es ist schwer, es allein zu tun.

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Eingeordnet unter 2018, Buch 5, Das neue Buch

Sonntagsbild 458

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 5:12 Uhr
Wetter: sonnig & 18 °C
Stimmung: allergisch
Chrizzy hat es bedauert, irgendwann haben die Singles notorisch über 5 DM gekostet, meist fünf Mark und fünfzig Pfennig…

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Ich kann meinen Mund nicht halten

Mir geht’s schlecht.
Jedes Jahr. Wenn der Sommer so heiß wie jetzt. Und ich empfindlich, verletzbar, reizbar.
Dreck und Gift spritze und die Harmonie störe. Mir jede Frage, jede Antwort, jeder Satz verdächtig vorkommt. Man mir bestimmt nur wieder eins auswischen … mich ausgrenzen.
Dabei mir sehnlichst wünsche. Anerkennung und Beachtung. Alles tu, um es nicht zu bekommen.
Dann!
Dann ist bald mein Geburtstag.

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Viva!

Es muss kurz vor meinem großen Abflug von zu Hause gewesen sein. Ich habe als Fahrer für Medikamente gearbeitet, es aufgegeben und in den letzten Monaten noch als Verkäufer in einem CD-Laden gejobbt.
Meine Schwester stellte heute noch fest, dass sie und ich Musik mögen. Es ist schön, dass ich noch einige Vinyl-Platten habe, aber von Anfang an war ich der Digitalitis verfallen. Klang in Reinform auf einem kompakten Datenträger, der mit dem Case noch in eine Manteltasche passt.
Auch wenn man heute lieber Songs herunter lädt und mit dem Streamen überhaupt nichts physikalisches mehr in den Händen hat, haben bei mir CDs noch Bedeutung und ich gebe ihnen den Vorzug.
Gerade läuft eine Disk der Doppel-CD „Viva Santana!“ Ich suchte eigentlich eine andere CD von Santana, aber im Laden war nur die. Ich habe mir angeguckt, was für Titel drauf waren, und dachte: „Ok, ich nehme sie mit.“ Ich erinnere mich, dass die CD oben auf einem Regal in dem Laden stand, weil sie weg sollte. Sie war schon zwei Jahre alt. Nun war wieder die helle Wandfarbe zu sehen.
Es war ein bewegter Start in ein neues Leben, als ich hier her kam. Meine CD-Sammlung ließ ich erst mal zu Hause. Ich bin dankbar dafür, dass es meine Eltern geschehen ließen. Vielleicht haben sie auch gedacht, dass wird nichts mit den Plänen in der Fremde.
Jedenfalls habe ich dort eine weitere CD von Santana gekauft. Eine aktuelle.

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Esssitten und -moral

Manchmal esse ich zum Mittag nur eine Tafel Schokolade. „Ungesund!“ ist noch der mildeste Kommentar meines meist weiblichen Umfelds. Dann wird für den Nachmittag der Kuchen gemacht. Für die Teigmasse kann schon mal eine halbe Packung Zucker eingerührt werden. Das Backwerk wird noch mit einem Handyfoto für die Nachwelt dokumentiert und mit Kaffee und reichlich frischer Schlagsahne verzehrt. Was eigentlich habe ich am Wort „ungesund“ nicht verstanden?

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