Archiv der Kategorie: 2019

Das Gegenteil von …

Ohne den Blick, jemanden anzuschauen.
Kein anderer Geist.
Keine Seele. Um faszinierende Gedanken, Ideen, von tief innen kommende Gefühle, Fragen und Antworten, Trost zu teilen.
Ohne Umarmung. Ohne Berührung, wenn ich sie bräuchte.
Abwesenheit von Zuneigung und Verständnis.
Niemals Seite an Seite.
Es fehlt, gemeinsam die Zeit zu morden.
Mundtot Tag und Nacht.
Allein essen.

Wenn die Liebe der Himmel auf Erden ist, warum lebe ich in der verdammten Hölle?

©hristoph Aschenbrenner

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Christoph Aschenbrenners Supermarkt-Geschichten

Die Auslieferung meines letzten Buches, das mit den „Supermarkt-Geschichten“, fand vor genau einem Jahr statt.
Leider sind meine Erinnerungen an freudige Reaktionen und Kritiken nur schwammig. Anders als bei den Büchern zuvor, bei denen sich die Zufriedenheit der Leser von Werk zu Werk steigerte. Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass man sich bei dem letzten Buch ausschweigt. Habe ich mit den „Supermarkt-Geschichten“ einen Flopp gelandet?
Ein, zwei sehr positive Besprechungen habe ich bekommen – von Männern. Aber mein werter Hauptkritiker, der sonst geradezu vor Begeisterung in meiner Art von Literatur badet – hat die Geschichten vom Supermarkt verrissen.
Von Anfang an war mir klar, dass das Thema Supermarkt zwischen den Geschlechtern polarisieren würde. Ich schrieb aus der Perspektive eines Mannes, der Einkaufen gehen hasst … Frauen hingegen scheint es genetisch angelegt zu sein, sehr gerne und mit Begeisterung einzukaufen!
Wenn man bedenkt, dass deutlich & hauptsächlich Frauen meine Veröffentlichungen vorbestellen und kaufen, macht es wirklich keinen Sinn, dem Vorschlag meiner Lektorin im sonderpunkt Verlag zu folgen. Sie meinte nämlich, sie hätte die Idee zu „Supermarkt-Geschichten, Teil 2“: In den Zeiten der Corona-Krise …

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Alles, was dich durch die Nacht bringt

Nachttier
Ich denke an dich
Liefe gerne zu dir

Nachttier
Wir liebten einander
In animalischer Manier

Nackttiere
Wir lägen in unserem Glück
Und Schweiß

Nackttier
Ich müsste los
Bevor die Werksirene schrie

Arbeitstier
Im Joch der Stempeluhr
Mein Lächeln kriegt ihr nicht

Mensch, kein Tier

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Weihnachten 2019

Heute, Freitag, stehe ich vor den Supermarktregalen. Ich habe nicht viel Geld. Ich suche mir Reibekuchen aus der Gefriertruhe als warme Mahlzeit des Tages aus. Ich esse sie „herzhaft“, mit Pfeffer, Salz und anderen Gewürzen bestreut. Apfelmus, das andere dazu nehmen, ist mir viel zu teuer. Aber eine Dose Ananas darf es noch sein und wandert in den Einkaufskorb. Das einzige „Obst“, das ich mir gönne. Reicht es noch für eine Tüte Chips? Abends, gemütlich vor dem Fernseher? Vor dem Regal mit den Knabbereien zähle ich Cent für Cent mein Geld nach. Nein. Die günstigsten Chips überschreiten mein heutiges Budget.
Wenn man vom Staat lebt, kennt man das. Man kennt auch die Reden von rechtschaffenden Bürgern, die „Sozialschmarotzer zur Zwangsarbeit“ zwingen wollen.
Es sind wohl auch die gleichen Bürger, denen Fremde zuwider und Ausländer Aussatz sind und zum Schutz des christlichen Abendlandes alle Flüchtlinge dahin zurück schicken wollen, wo sie her kamen.
Wie war das mit dem christlichen Abendland? In vier Tagen ist Heiligabend. Weshalb feiert das Abendland eigentlich Weihnachten? Weil ein Gott, früher für so viele der Gott, es geschehen ließ, seinen Sohn Mensch werden zu lassen. Mit den gleichen Höhen und Tiefen des Menschseins, die wir auch kennen. Das ist der Grund! Und der einzige dazu! Und ihr könnt ja noch so viele Fress- und Geschenkorgien feiern wie ihr wollt, das ist der Ursprung des Christenfestes.
Später hat dieser Mann aus Nazareth dann noch einige wertvolle Dinge gesagt. Er sprach von Vergebung und Nächstenliebe. Zwischen den Menschen. Weil er uns das auch allein zutraute und wir dafür einen Gott nicht brauchen.
Ich stehe vor dem Haus, in dem ich wohne, und ziehe noch an einer Zigarette. Es regnet nicht mehr, aber der Wind ist stärker geworden.
Hier gibt es zehn Mietparteien. Sieben deutsche, eine türkische, eine aus Afrika, eine indische. Einige deutsche Weißbrote sind latent rassistisch und es gehört jetzt anscheinend zum guten Ton, „Bimobs“ zu der schwarzen Familie zu sagen. Die machen nichts weiter als leben. Der Familienvater hat einen Job. Seine Frau ist eine ausgesprochen schwarze Schönheit, die Kinder sind vormittags im Kindergarten. Als er mal sperrige Teile ins Haus tragen musste, bin ich zur Hilfe geeilt, weil es unrealistisch war, dass er es alleine schafft. Außerdem ist er mein Nachbar. Ein Nachbar, kein „Bimbo“.
Irgendwann habe ich mich mit dem zurückhaltenden Inder unterhalten. Sein Deutsch war sehr gut! Er hat einige gesundheitliche Einschränkungen. Das Arbeitsamt wollte ihm leichte Arbeit geben. Für 3 € die Stunde! Er sagte denen, das würde er nicht machen. Darauf setzte ihn das Arbeitsamt unter Druck: „Entweder du machst das, oder du fährst wieder zurück nach Indien!“ Das ist illegal. Illegal vom Amt. Einmal zu Silvester haben er und ich um 0 Uhr unsere Wohnungstüren aufgerissen und uns umarmt. Er bot mir was zu rauchen an. Mann, ich war eine Woche stoned … Ich weiß, dass er allein ist – wie ich.
Die türkische Familie sind junge Eltern und zwei Kinder. Einmal kam ein Paket an. Ich habe es für sie angenommen. Es war von Nike. Kein großer Karton. Vermutlich für den Sohn der Türken. Seine ersten Paar Nike! Er musste aufgeregt sein. Ich wusste nicht, wann da oben jemand ist, der es abholen könnte. Trotz eines Benachrichtigungsscheines in deren Briefkasten probierte ich immer wieder mal. Irgendwann konnte ich es abgeben. Der Vater hat sich noch wochenlang für meine Beharrlichkeit bedankt.
So ist es hier im Haus. Da sind die „Affen“, die „noch an den Bäumen schaukeln“, oben die „Kopftücher“ und einer, der mit niemanden spricht. Einige Rentner, junge Leute, die von ihren Vätern viel in den Arsch geblasen kriegen, eine Alleinerziehende und ich. Der Schriftsteller.
Mir hat heute im Supermarkt keiner die fehlenden 30 Cent für Chips geschenkt. Vielleicht fiel Jesu Wort der Nächstenliebe schon damals auf keinen fruchtbaren Boden.

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Single mit Schuss

Heute Nacht. Vor dem Einschlafen. Nichts wird es verhindern. Handtuch bereit legen, Licht aus.
Mit meiner Lieblingshand den Prengel packen. Die Bohrmaschine langsam auf Touren kommen lassen. Zweiten Gang einlegen.
Ich frage in der Regie nach, ob die Videoclips eingespielt werden können? Brünette, blond, schwarz. Noch unschlüssig. Aber jetzt, dritter Gang!
Höchstleistung auf allen Ebenen. Zuckt! Es zuckt, es sprotzt … es entspannt. Ich hätte schwören können, dass ich im Finale nicht in dieser Welt gewesen bin. Daher mache ich es so gerne.
Schnell schlafe ich ein. Um morgen weiter ein Loser zu sein. Einer wie viele Loser, die keine Frau abbekommen haben.

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Mann aus dem All

Als Autor liegt mir eine Beurteilung, Bewertung oder Einordnung des folgendes Textes fern.
Spät abends. Beim Schreiben lief Musik im Hintergrund. „Phillip Boa And The Voodooclub“, glaube ich. Fernseher ohne Ton. Es faszinierte mich, Wort für Wort, Satz für Satz zu finden.
Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wozu ich das aufschrieb, welchen Sinn es machen sollte oder für wen es war. Damit bezahle ich meine Miete nicht. Ich lasse nur ein ureigenes Bedürfnis frei.

Mann aus dem All

Zuerst war mir kalt.
Minus zweihundertdreiundsiebzig Grad Celsius.
Es gab eine große Explosion, die Ursache- und Wirkungsfolge brach an. Neugierig näherte ich mich Elementen, Materie, dem Licht. Schwebte um junge Sterne, spürte Gravitation, die Felsen formten.
Auf manchen Planeten mit Luft, Wasser und Flora entstand Leben. Leben in Fühlen, Denken und einem Bewusstsein für Zeit.
Ich wagte es, mich auf dem dritten Planeten einer Sonne nieder zu lassen, so sehr gefielen mir dort die Menschen. Ich fing an, leben zu lernen. Zuhören, hart arbeiten und feiern.
Nach Jahren hatte ich genug gesehen, genug erlebt, doch das Kostbarste der Welt blieb mir noch verborgen.
Es wurde Liebe genannt. Liebe, ich hatte sie nirgendwo gefunden. Weder im Vorbeiflug an heißen Sternen noch in Gesetzen der Gravitation. Hier blühte jedoch Liebe. Überall. Zwischen Mann und Frau. Eltern und Kindern. Menschen, die sich nahe standen als Freunde, Kollegen, Nachbarn. Ich wollte die Liebe kennen lernen, aber es war nicht fair, nicht vor ihr gewarnt worden zu sein.
Sie war schöner als die Morgenröte über dem südlichen Meer. Wir waren wundervolle Herzen, die füreinander da waren und dafür sorgten, dass es uns zusammen gut ging. Unsere Liebe schien den Schmelzpunkt von Silber zu übertreffen.
Das Ende kam furchtbar schnell. Zu schnell, um es zu begreifen. Von einem Tag auf dem nächsten war es vorbei. Der Schmerz brannte wie weit über 3.000 Grad. Gold verdampft bei 2.700.
Ich verließ diese Welt. Folgte der Ausdehnung des Alls. Es musste ein Ende geben! Bei minus zweihundertdreiundsiebzig Grad.

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Ist das die nackte Wahrheit?

Sie. Sie hatte ihre eigene Weise, mir einen zu blasen. Wenn ich auf dem Rücken lag, konnte ich nie sehen, was sie machte. Sie drehte ihren Kopf immer so, dass ich nur ihre rückwärtige Lockenfrisur sah. Ich versuchte, mich davon nicht erregen zu lassen, aber das klappte nie.
Eine Beziehung, die im Internet bei einer Partnerbörse anfing. Sie schrieb mich zuerst an. Ihr Profil sagte mir zu, und so chatteten wir über einige Wochen bis zum ersten Date.
Da habe ich mich erst trottelig und nervös angestellt, sie doch mutig geküsst. Wir waren durstig nach Küssen. Danach waren wir ein Paar.
Schön, wenn man die Anmeldung bei der Partnerbörse annullieren kann. Gemeinsam. Wir besuchten uns gegenseitig. Aßen, unternahmen etwas und schliefen zusammen.
Wir hatten Hunger. Hunger nach Sex. Ich schlief mit einer Frau, die zwei Kinder geboren hatte, aber nicht wusste, wie sich ihr eigener Orgasmus anfühlte. Ich liebte sie so sehr, dass mir ihr Höhepunkt wichtiger als mein eigener war.
Komisch. Komisch, dass diese Angelegenheit nach mehr als einem Jahr ausgereizt zu sein schien. Irgendwas stimmte mit uns nicht mehr. Streit kam und ging nicht. Am Ende rief sie an und machte Schluss.
Das fand ich nur begrenzt feige, ich war erleichtert.

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Weihnachtsmarkt

Ich stehe an der Uni, vor dem Gebäude, in dem das Historische Seminar, das Ur- und frühgeschichtliche Institut und die Hörsäle untergebracht sind. Vor mir der Blick auf gefühlt tausend Fahrräder. Auf der anderen Seite das Landesmuseum für Kunst.

Die Sonne scheint. Hier kommen hunderte Studenten vorbei. Parken ihre Räder ein und aus. Alles in Ruhe. In Grüppchen ziehen sie zu den Lehrveranstaltungen oder in die Mensa, die im Keller ist. Friedlich.

Plötzlich ist etwas anders. Ich höre es erst, bevor ich es sehe. Ein Krakele und Gelächter schwillt an. Da sind fünf aufgetakelte Damen, die vom Weihnachtsmarkt kommen. Sie sind allesamt breit, sowohl aufgrund ihrer Körpermaße als auch vom Glühwein.

Sie machen sich lustig über die Fahrräder. Bei so vielen würde keine ihres wieder finden. Sie ziehen die Straße herunter, gehen auch mitten drauf. Schade, im Moment kommt kein Auto oder ein Bus, der sie verscheuchen würde.

So ist das. Sie kommen aus dem Umland zum Weihnachtsmarkt. Und mit Alkohol sind sie laut, lustig und mutig. Über das Jahr misten sie den Stall aus.

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