Archiv der Kategorie: Bei Sem;kolon zu Hause

Hallo!

Da stellt man etwas in die Gegend, in den Raum, setzt es in den Blickwinkel – und man bekommt aus überraschender Richtung einen guten Tipp!
Durch einen Kommentar gestern wurde ich motiviert, ein Experiment meiner KlangKunst vorerst zur Hörfähigkeit zu produzieren. Eine KC-Kürzestgeschichte sozusagen.
Das Ergebnis einer Nachtschicht hier:

Experiment#1

KlangCollage „Experiment # 1 – Take 5“ (0:11 min)

Ich betone ausdrücklich, dass ich als Künstler diese KlangCollage produziert habe und keine kommerziellen Interessen verfolge.
Sie enthält, außer eigener Musik, Samples von „Sounds of Kliemannsland“ (https://www.kliemannsland.de).
Diese sind gemeinfrei. Es werden keine Klänge Dritter benutzt.

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Planet der Schmerzen

Der Vater. Gestorben.
Das Finanzamt. Will die Mutter ausrauben.
Keine Hilfe. Allein gelassen.
Trauer und Wut.
Und überall Schlampigkeit. Massenamnäsie. Allem läuft man hinterher. Arbeitet 24 Stunden jeden Tag, weil man sich auf niemanden verlassen kann.
Wenn noch ein Funke Leben. Wehrst du dich.
Mir nützt kein Griff zur Flasche.
Kein Ritzen.
Alles zu viel. Es reicht!
Ich schreie Leute an!
Mein Blut hat den Siedepunkt erreicht, die Suppe wird ausgeteilt mit eherner Kelle. Ein vertrautes Spiel, kannte man schon im Paläolithikum. Wer hat angefangen, wer hört als Erster auf mit dem Gezänk?
Niemand da, wenn’s weh tut.
Immer zu trocken der Mund.
Und alle taub. Empfiehlt man ihnen:
„Verpisst euch!“

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Random Play

Einer dieser Nächte, in der ich gerne 3 € mehr als ich habe ausgeben würde, um nicht allein zu sein.
Frauen an der Gitarre erfüllen das Klischee. Entweder bei Country-Musik oder als Rockröhre. Wie Suzi Quatro.
Was ich gerade höre ist Poesie. Ich müsste auf die Hülle schauen, ich kann mir ihren Namen nicht merken. Stimme und Musik. Klar. Melancholisch.
Etwas schmerzt. Körperlich oder seelisch. Wie Fausthieb in die Magengrube. Fast direkt komplett betäubt. Weiß nicht, wer und wo man ist. Nur wieder atmen. Das Gehirn soll endlich melden, was los ist. Und woher verdammt noch mal der Schlag kam.
Eine herzliche Umarmung. Sich gegenseitig fest halten. Riskantes Manöver bevor es Schnelltests für jedermann gab.
Aus verschiedenen Regionen. Haushalten. Die Zahlen stetig stiegen. Nachdem wir es uns haben gut gehen lassen. Mit Abstand. Fenster auf. Und Masken nur abgenommen. Für. Kaffee und Zigaretten.
Zart die Frage, „Darf ich dich umarmen?“, als sie aufbrechen musste. Ich ließ es zu. Gegenseitiges Vertrauen und Freundschaft waren nie deutlicher als in dieser verbotenen Berührung.
Ja. Tanzen fehlt mir auch.

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Ende eines Status Quo

Vom Küchenstuhl aufstehen. Am besten jetzt
Hinaus
Und jemanden küssen
Die Fenster öffnen. Weit
Hineinlassen Liebe. Für das Kind in mir
Verwandlung
Vertrauen säen
Hoffnung ernten
Für immer und immer und immer

©hristoph Aschenbrenner

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Hart & klar

Eingesponnen
Kokon des Todes

Unsere
Tränen und Scham

Sauerstoff
In die Stille

Zärtlich
Abschied

Fürwahr
Niemand wie du

©hristoph Aschenbrenner

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Worttatort

Letztes Jahr habe ich verstärkt auch Gedichte geschrieben. Ich fand heraus, dass Lyrik meinen sprachlich knappen Stil aus den kurzen Prosastücken nochmal konzentriert.
Im Gedicht waren weitere Kürzungen der Syntax möglich, die der Leser zum Verständnis bei Short Storys noch braucht.
Gut, dachte ich.
Noch besser war, dass ich feststellte, dass ich mit modernen Versen radikal näher an Gefühle und Emotionen kam als je zuvor.
Interessant, je weniger ich schrieb, umso authentischer wurde ich und träumte den Traum archaischen Bewusstseins.
Das, was die Menschheit von Beginn an gefühlt hat, die Ratio jedoch stufenweise verwischte. Ich glaube daran, dass selbst ein Projektkoordinator von heute – mit hohem Gehalt, jonglierend mit Zahlen, Terminen und Computerprogrammen – immer noch die Lust nach unbändiger Wut hat, wenn ’s ihm alle Dead-Lines verhaut. Oder zu unbändiger, im Hüpfen äußernden Freude, wenn er ’s doch hinkriegt.
Viele Rituale, denke ich, Gesetze und einklagbare Rechte sollen das Zusammenleben vieler regeln, tragen leider gleichzeitig dazu bei, unser ältestes Selbst zu unterdrücken.
Bis auf die Poeten.
Ich sehe mich in der wunderbaren Lage, Kostproben zutiefst menschlicher Gefühle ausgesetzt zu sein. Diese sind in Worte zu fassen. Aber wie?
Beim Schlager wird „Herz“ auf „Schmerz“ gereimt – würg!
Nehmen wir an, eine bestimmte Emotion hinterlässt ein Fußabdruck. Wie ein Abdruck im Sand oder der Erde.
Ein Dichter kann davon einen Gipsabdruck machen – mit Zeilen, Sätzen, Worten. Obwohl weiterhin nur aus Gips bestehend, kann der Leser viele Details erkennen.
Was ich mache, ist den Gipsabdruck noch etwas nachschleifen. Vielleicht ist beim Gießen etwas daneben gelaufen, vielleicht gibt es noch Irritationen von einem Element, welches unter dem Tritt lag – etwa Laub auf der Erde oder sonst etwas.
Mehr kann ich nicht, um das Eigentliche nicht zu verformen, zu verfälschen. Manchmal habe ich nur Teilabdrücke.
Aber wer sagt, dass alle Gipsabdrücke immer diese weißgraue Farbe haben müssen? Ich kann zum Malkasten greifen und psychedelische Muster auftragen.
Ich kann es auch lassen. Nur die volle Wucht, die ganze Schwere eines Gefühls habe ich durchlebt. Das ist mein Risiko.
Das Risiko des Lesers besteht darin, es zu lesen. Immer.

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Für immer und immer

Kam an, als die Party schon begonnen, aber noch nicht auf ihrem Gipfel war.
Begrüßte die Gastgeber. Unterbrach den Smalltalk mit Bekannten, um mich endlich an der Bar zu bedienen.
Mit der Sicherheit eines Geschmackstrinkers mixte ich mir einen Longdrink. Zwei Eiswürfel.
Und sie saß so da. Jemand mit Schnauzbart versuchte sie anzubaggern. Sollte ich dazwischen?
Langsam, immer noch Freunde begrüßend, schlenderte ich zu ihr hin. Ich musste mindestens drei Schluck im Glas lassen. Warum, wusste ich nicht.
Sie auf dem Stuhl. Beide Arme auf die Lehnen, in der Linken eine Bierflasche. Brünett. Schwarzes Top, schwarze Hose. Silberne Ohrringe. Meerblaue Augen.
Wie Treibholz. Werden angespült an fremde Strände. Zum Überleben braucht es mehr als Luft und Trinkwasser.
Gleich als ich sie sah, spürte ich ihre Aura, die den Raum flutete. Strahlender als Cäsium-137. Persönlichkeit und Ästhetik in optimaler Ausgewogenheit.
Und Schnäuzer klebte wie ein lästiger Pickel.
Dann schreiten wir mal zur OP, dachte ich.
Als ich nah genug war, fiel ihr Blick auf mich. Musterte mich unverhohlen. Etwas schien sie zumindest neugierig zu machen.
„Hör mal, dein Auto wird gerade abgeschleppt …“
„Waaas?“
Ich habe selten einen Unsympath von 200 Pfund so schnell aus dem Haus stürmen gesehen.
Nun kuscheln wir aneinander. Gleich beim ersten Mal Sex. Wollten wir nicht.
Zuerst hat sie meine Platzwunde versorgt. Als dem Schnauzer eingefallen war, dass er gar nicht mit dem Auto zur Party gefahren ist, wollte er das mit mir – klären. Eindeutig der Höhepunkt dieser Party. Sie lacht immer noch.
Hörst du das Geräusch der Brandung? Spürst du das Auf, Ab der Wellen? Und wenn wir beieinander bleiben, lernen wir den Wechsel der Gezeiten.
An fremden Gestaden. Zugleich angeschwemmt. Für all die Liebe, die in uns wohnt.

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Vollendung

Klänge.

Vereinzelt.

Laut und tief.

Angenehm.

 

Wie das Abtupfen einer Wunde.

Bei halben Bewusstsein.

Der letzte Eingriff?

Der letzte Schmerz?

 

Die wahnsinnige Hoffnung.

Der große Mut.

Für ein Leben ohne Schatten.

Intensiv und frei.

 

 

 

©hristoph Aschenbrenner

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