Archiv der Kategorie: 2017

Sonntagsbild 429

Sonnenaufgang: 8:16 Uhr
Tageszeit: Morgen
Wetter: nach Schneeregen & 1 °C
Stimmung: gestresst
Chrizzy, der sich bedankt: Alle Phasen sind abgeschlossen … und fertig ist … die neue Mieterhöhung…!

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Blue Note

Letztens in der Apotheke. Zum Mitnehmen lag auf der Theke ein kleines Faltblättchen. Ich fand es ansprechend gestaltet. Einige weiße Schneekristalle auf rotem Grund. Dann der Titel: „Goodbye Winter-Blues“. Hm. Vermutlich war damit das gemeint, was man früher „Winterdepression“ nannte. So wie Joggen heute „Laufen“ heißt. Im Untertitel wurde versprochen: „Gut gelaunt auch in der dunklen Jahreszeit“. Ich fragte die Apothekerin meines Vertrauens und durfte mir eins nehmen.
Zu Hause schlug ich die erste Seite auf. Werbung für Salbei-Ingwer-Tee. Dann sollte es in fünf Tipps darum gehen, etwas aktiv gegen Antriebslosigkeit, Schwäche, gedrückte Stimmung und Kraftlosigkeit tun zu können.
Hm. All diese Dinge werden also gleich negativ besetzt. Und es wird impliziert, wenn wir nur wollen, können wir das alles gleich wieder aus der Welt schaffen. Es ist ja volkswirtschaftlich auch in keiner Weise förderlich oder in unseren Jobs ineffizient. Wo kämen wir hin, würden wir uns wegen einer leichten Depression, Pardon, dem Winterblues krank schreiben lassen?
Punkt 1: Ernährung. Zur Steigerung des Serotoninspiegels, des sogenannten „Glückshormons“, kann man Schokolade essen.
Punkt 2: Düfte. Den Winterblues vertreiben würzige Aromen wie Muskat, Nelken, Ingwer usw.
Punkt 3: Kuscheleinheiten. Steht da wirklich so. Und als ich mir den Text durchlas, fand ich es eine wunderschöne Vorstellung. Man brauche keinen professionellen Masseur und 10 Minuten helfen schon. Tja, eine Frau müsste man haben.
Übrigens. Wenn ich zur Gitarre greife und Blues spiele, dann improvisiere ich die Solo-Parts mit der Blues-Skala, d. h. einer Bluestonleiter. Das Auffällige an ihr ist ein bestimmter Ton, Blue Note genannt, der – ich sag mal – eigentlich nicht dazu gehört. Der aber haargenau die melancholische Stimmung eines Blues trifft. Der Blues entstand auf den Baumwollfeldern in Amerika, gesungen von den schwarzen Sklaven. Diese Menschen hatten wirkliche Probleme!
Zurück zum Ratgeber gegen „Winter-Blues“.
Punkt 4: Licht. Viel Licht, besonders Sonnenlicht, und draußen sein, dazu Sport treiben (bestimmt „Laufen“), baut überschüssiges Melatonin, das Schlafhormon, ab, und man ist nicht mehr so müde.
Punkt 5: Wellness. Hier wurde ich das erste Mal stutzig. Es wurde empfohlen, in die Sauna zu gehen oder in die Badewanne. OK, aber nun: Laden Sie sich ihre Freundinnen ein und machen Sie einen Wellness-Tag zu Hause mit selbstgemachten Masken und Peelings. Quark und Gurken! „Das macht Spaß und schön!“
Voll rein gefallen! All das galt – Frauen! Schön für sie! Männer kriegen keinen Winter-Blues, oder was? Gut, das eine oder andere könnte ich ja probieren, für Punkt 3 fehlt mir aber die „Hardware“. Am Ende kann ich dann eigentlich nur zur Gitarre greifen … Ein guter Blues hilft m. E. auch, sich darüber klar zu werden, wo meine Grenzen sind, zu hinterfragen, was ich von den Erwartungen, die pausenlos an mich gestellt werden, noch mittragen will, und vielleicht auch mal kürzer zu treten.

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Entdeckung der Etiketten

Der IQ meiner Nichte (7 Monate alt) erhöht sich stündlich. Man kann zusehen, wie sie klüger wird.
Ein Baby hat einen großen Bedarf an Wäsche. Ich glaube, kein Erwachsener wechselt so oft Tag und Nacht seine Klamotten. Außer vielleicht bei Fachberufen im Hygienewesen. Meine Nichte wird im Moment deshalb oft umgezogen, weil sie sabbert. Die Welt entdecken mit Mund, Zunge und Speichel. Nie waren wir Nacktschnecken näher als in der oralen Phase.
Was das kleine Mädchen ganz von selbst entdeckt hat, dass jedes Wäscheteil ein eigenes Wäscheschildchen bzw. Etikett hat. Ob Hemdchen, Höschen, Jäckchen oder Lätzchen. Alle haben ein dünnes Stofffähnchen, welches oft neckisch hervorlugt. Woher kommen die? Sind alle gleich? Gibt es nur ein einziges? Macht die Mama die dran und wenn ich auszogen werde wieder ab?
Muss ich was damit tun? Zumindest in den Mund nehmen und probieren. Schmecken alle gleich. Langweilig! Dann eben Socken ausziehen. Da sind nie diese Dings dran. Und irgendjemand hier zieht mir die Socken wieder an …
Vielleicht hat meine Nichte ein Muster entdeckt, einen Zusammenhang, und befindet sich in der Vorstufe einer Sinnfindung.
Mir jedenfalls ist dieses Jahr der Sinn einiger Dinge gründlich abhanden gekommen.
Wann ist Weihnachten?
Wenn alle Termine abgehakt sind.
Wenn der letzte Stress und die letzten Anstrengungen hinter einem liegen.
Wenn Ruhe ist.
Wenn niemand mehr etwas von mir will.
Wenn ich mir selbst aussuchen kann, was ich machen will und was ich denken will.
Wenn in dunkelster Nacht ein Licht für mich leuchtet.
Wenn es meinen Freunden gut geht, sie ihre Sorgen vergessen können, sie es warm und gut haben.
Wenn ich schlafen kann, wie es für mich am gesündesten wäre.
Also nie!
Wenn ich mir all dieses wünsche, wäre Weihnachten nie …

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Sonntagsbild 428

Sonnenaufgang: 8:06 Uhr
Tageszeit: Morgen
Wetter: überwiegend bewölkt, noch trocken & 3 °C
Stimmung: noch stabil
Chrizzy summt: „Dreiklangsdimensionen…“

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Ich spürte es

Und das Kreuz ging voraus.

Sie in der Urne, getragen von einem Mann mit weißen Handschuhen.

Dahinter die Ehrenamtliche.

Dann wir.

Wir schwiegen so deutlich, dass ich meine Schritte auf dem Splitt nicht hören konnte.

Grau gemalte Wolken. Wind.

Eine Pinie beugte sich leicht über das Grab.

Die Erde war offen.

Der Himmel war offen.

Sie wurde hinabgelassen.

Losgelassen.

Für diesen Moment waren Himmel und Erde eins.

Der letzte Gruß Blütenblätter in rot und rosé.

Voran gegangen. Uns nur voran gegangen.

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Gast auf Erden

Novemberbeerdigungen.

Junihochzeiten.

Maigeburtstage.

Aprilfreundschaften.

Januartrennungen.

Abflugticket bereits gebucht.

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This homeland isn’t for eternity

Die Krakauer brutzeln im Brattopf. Um den Tisch gibt es genügend Stühle für jeden, und die Kleine kann man noch auf dem Schoss halten.
Ein Couscous-Salat wurde gemacht, das Geschirr aufgedeckt.
Dann der Moment des Essens. Süß, wie das Baby schon brabbelt! Das Kind meiner jüngsten Schwester. Meine andere Schwester und ich sind jetzt Tante und Onkel.
Vater geht es nicht so gut. Mutter schweigt, sie hört fast nichts mehr.
Mein Schwager sitzt neben mir, wachsames Auge auf sein Kind. Unsere Nichte möchte am liebsten alles in den Mund nehmen.
Vor dem Nachtisch gehen Onkel und Tante draußen im Hof eine rauchen. Tante hatte den weitesten Weg, um endlich die Jüngste zu sehen.
Unsere Beine reichen bis zum Boden. Doch wir wissen, wo wir stehen, ist es nicht mehr unsere Heimat. Das war einmal.
Im Quark, angerührt mit Sahne, ein wenig Trauer. Aber die Kleine hat das schönste Lächeln der Welt!

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Sonntagsbild 424

Sonnenaufgang: 8:05 Uhr
Tageszeit: Morgen
Wetter: verregnet & 11 °C
Stimmung: ferienreif
Chrizzy, der konstatiert: „Das ist also der berühmt-berüchtigte Heuboden…“

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