Archiv der Kategorie: Bei Sem;kolon zu Hause

Wann wird aus Worten Kunst?

Ich starre die Frau neben mir an. Was will sie von mir? Leise, freundlich sagt sie:
„Du könntest im letzten Satz „Scherz“ weglassen und aus der Überschrift „Leben“ nehmen.“
Autorentreffen. Gut, gut besucht.
Ich denke mir, wenn ich das Wort „Scherz“ weg lasse, dann ist doch der Witz weg. Vor allem deshalb, weil mein Werk verstanden und gelobt wird, doch niemand in der Runde den letzten Satz versteht.
Aber das muss ja auch niemand.
Dass meine Kurzprosa mitunter auch als „kryptisch“ und „enigmatisch“ bezeichnet wurde, kenne ich schon. Aber einen Aufstand machen wegen einem Satz?
Die Welt ist nicht fair. Autoren sind es auch nicht. Ich spiele das Spiel der Big Boys schon was länger als die Rothaarige neben mir.
Als Friedensangebot streiche ich ein „und“ aus den vorderen Absätzen wie mir vorgeschlagen wurde. Nee, das muss da nicht hin.
„Wollen wir den nächsten dran nehmen?“
Nö. Die Gruppe hatte bei meiner Miniatur mit Tiefe, handgesuchten Worten, bildhaften Formulierungen und schlanker Grammatik noch viele Fragen an mich.
Und da fiel es mir auf. Der letzte Satz meiner Geschichte, „Was exakt ist ein Scherz?“, fand hier, genau jetzt, seine Antwort.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 2020, Bei Sem;kolon zu Hause

Was exakt ist ein Traum, was ein Leben?

Bilder. Bilder waren im Familienalbum. Bilder.
Die gestellten immer am Schönsten. Bilder. Bilderflut.
Er schließt die Augen. Müde.
Eine Reise in die Bilder. Bilder, die nicht fotografiert wurden. Die hinter der Stirn in seiner Dunkelkammer entwickelt und zum Trocknen auf die Leine gehängt werden. Abertausend Bilder.
Er öffnet die Augen, nimmt kurz die Brille ab, bedeckt das Gesicht mit den Händen.
Es ist einfach. Nur mit der Straßenbahn zur Endstation fahren.
Kaffee und Kuchen. Noch ein Kuchen. Der Kaffee schmeckte grässlich.
Fotos zeigen! Seine Schwester und ihr Foto-Tick. Die Weigerung, einen Blitz zu benutzen, einem bekannten Fotografen nachgemacht.
Verwackelte Welten. Ob er noch einen Kuchen?
Schwer der Schatz in der Hand. Fast alle hatte seine Mutter aufgenommen. Im analogen Zeitalter. Unwiederbringliche Momente in unersetzliche Bilder überführt.
Endstation. Er bewegt sich langsam. Vor der Unterführung zum Bahnsteig gähnt er. Was exakt ist ein Scherz?

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 2020, Bei Sem;kolon zu Hause

Ohne Deckung

Ich liege entspannt vor dem Fernseher. Gewärmt von der Decke. Es läuft die Serie „Lucifer“. In den Werbepausen kann ich den TV-Ton ausschalten und mit der anderen Fernbedienung Rory Gallaghers „Bues“-CD immer ein Stück weiter hören.
Ich hab es geschafft! Seit dem letzten Wochenende war es nahezu unerträglich. Es hat geregnet und die Stimmung grub sich Stollen zum Mittelpunkt der Erde …
Es tat gut, dass es Menschen gab, die ebenso litten – und es zugaben. Müde, schlapp, kraftlos. Aber es gab die Wetteränderung, die am Himmel wie auch die, die uns aus unseren Kellern holte.
So kam es, dass ich heute, am Donnerstag, mit Vollgas in die Kurve ging und sie auch noch bekam.
Ich reparierte das Rücklicht an meinem Fahrrad. Das ist nur so etwas wie ein Nebenpudding. Kein Hauptgang, den man aber probiert, um den Koch, in diesem Fall die Verkehrspolizei, nicht zu beleidigen. Jeder Meter mit dem Fahrrad hat weitaus mehr Unabhängigkeit als eine Minute Bus fahren. Egal bei welchen Temperaturen.
Zum wöchentlichen Treffen der Redaktion. Die letzten Texte und Bilder für das neue Heft müssen vorgestellt, diskutiert und abgestimmt werden. 90 Minuten, die mich oft aus dem Tresor befreien, in den ich mich einschließe. Nicht, weil ich denke, ich wäre selbst so wertvoll, sondern weil ich glaube und auch erfahren habe, dass ich in der materiellen Welt, wo alle Oberflächen spiegeln, nicht bestehen kann.
Es wird hier für eine gute Sache gearbeitet. Und dabei arbeitet man auch an sich.
Tresore, Mauern und Paläste aus Eis sind an der Tür abzugeben. Morgen Freitag, und das Wochenende mag kommen.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause

In der heißen Phase

(Die Seitenzahlen kommen noch.)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2019, Buch 5, Das neue Buch, Leseprobe

Sonntagsbild 504

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 5:06 Uhr
Wetter: trocken & 16 °C
Stimmung: sich durchbeißend
Chrizzys Brille, ohne Tuch kein Blick…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2019, Sonntag, Sonntagsbild

Sonntagsbild 503

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 5:08 Uhr
Wetter: trocken aber bewölkt & 11 °C
Stimmung: doppel plus
Chrizzy, dem das immer sein Lieblingsauto war, Merces-Benz/8, gerne in dieser Farbe…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2019, Sonntag, Sonntagsbild

Sonntagsbild 502

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 5:12 Uhr
Wetter: noch leicht bewölkt & 15 °C
Stimmung: gefährlich
Chrizzy, der sich freut, weil sich die neue Hecke im Vergleich zum letzten Jahr ganz gut gemacht hat…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2019, Sonntag, Sonntagsbild

Sonntagsbild 501

Tageszeit: Vormittag
Sonnenaufgang: 5:19 Uhr
Wetter: dichtere Wolkendecke & 19 °C
Stimmung: k. A. = keine Ahnung
Heute nennt man das analog, Chrizzy und seine Kumpels nannten es Spaß am Klang…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 2019, Sonntag, Sonntagsbild