Archiv der Kategorie: Gesundheit

In der WfbM

Er ist hier nur auf Durchgangsstation. Noch drei, vielleicht vier oder fünf Monate, dann macht er …
Die Aufgabe, die sie ihnen vor zwei Wochen gegeben haben, ist an Stupidität kaum zu überbieten. Tischdeckchen aus Polyester falten und in Plastiktüten zum Verkauf verpacken. Für eine Drogeriekette. Die mit glitzernden Sternen bedruckten Stoffe wurden in China genäht. Die verdienen dort noch weniger als sie …
Martin schafft viele in einer Stunde. Von der einen Palette die Decken nehmen. Prüfen. Wenn eine fehlerhaft ist, ist es nämlich Ausschuss. Und falten. Dann hinein in die bedruckten Hüllen. Auf die andere Palette. Nächstes.
Martin hat das Down-Syndrom. Unterhalten kann man sich mit ihm fast ganz normal. Außerdem hat er vor zwei Jahren Gold beim Tennis auf der Olympiade für behinderte Menschen geholt. Das war in Los Angeles …
Sie werden noch wochenlang mit dieser Adventsdeko zu tun haben. Es ist Ende August.
Er kann sich nicht immer konzentrieren. Oft schaut er von der Arbeit auf und denkt nach. Das Medikament, das er seit dem letzten Jahr bekommt, hilft ihm sehr. Er rastet nicht mehr bei der kleinsten Kleinigkeit aus und gleichzeitig stürzt er nicht mehr so heftig und lang andauernd mit der Stimmung ab. Aber Gelassenheit bedeutet auch, viel mehr hin zu nehmen, als man müsste.
Er weiß, zu Hause wird er wieder seinen großen Aktenordner rausholen und blättern. Ja, er hat den Realschulabschluss. Ja, er hat Abitur. Ja, er hat ein ordentliches Studienbuch gehabt …
Bald wird er sich darum kümmern, anspruchsvollere Tätigkeiten zu bekommen und sich vielleicht versetzen lassen.
Er rechnet nach, drei Jahre ist er hier schon mit seinen Kollegen …

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Eingeordnet unter 2017, Gesundheit

Lebensquell

Wenn du meinst, du kannst nicht mehr.
Wenn du glaubst, man hat dich allein gelassen
mit all dem Unsinn, den du sowieso nie wolltest.

Wenn du die Orientierung verloren hast.
Nicht mehr weißt, woher und wohin.
Und der rechte Weg eh nie deiner war.

Wenn die Zeit rast, und du
Millionen Dinge nicht gleichzeitig machen
kannst. Dafür auch jede Kraft fehlt.

Denk an dein fühlend‘ Herz!
Dein schlagend‘ Herz!

Lass es nicht traurig sein!
Denn wenigstens hast du die
starke Lebensuhr, die in dir tickt.

Dein klopfend‘ Herz dir Leben schenkt.

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Eingeordnet unter 2017, Gesundheit, Lyrik

Reizthema

Unsere Sinne sind permanent neuen Informationen ausgesetzt. Morgens ist das Sonnenlicht zu grell. Die Kehrmaschine auf der Straße ist viel zu laut. Die Suppe versalzen. Die Mülltonne stinkt ekelhaft, wenn man sie öffnet. Es ist morgens saukalt und nachmittags brüllend heiß. Dann stößt man sich noch den Kopf an der schrägen Wand in der Dachwohnung.
Merkt Ihr was? Es ist alles negativ. Genauso könnte ich auch angenehme Sinneserfahrungen vorstellen.
All diese Informationen, Reize von außen, werden vom Gehirn ausgewertet. Ein normaler Mensch sortiert direkt die unwichtigen Inputs aus. Ein am Auto vorbeifliegender Schmetterling ist nicht wichtig, eine rote Ampel vor einem schon.
Wie viel Gigabyte Daten bekommen wir wohl Tag für Tag von unserer Umwelt serviert? Zu viel wohl, um alle dauerhaft zu behalten, zu speichern.
Es gibt aber auch diejenigen, die eine stark eingeschränkte Filterfunktion haben. Die nicht nur Schwierigkeiten haben, Wichtig von Unwichtig zu trennen, sondern auch sehr viel Datenmüll mit sich herum schleppen.
Und zu diesen zähle ich auch.
Wenn meine Festplatte überläuft, bekomme ich Stress. Wegen Dingen, die mich belasten, aber für andere eher bedeutungslos sind. Und der Datenstrom läuft ja im Job und Alltag immer weiter. Es gibt Leute, die deswegen Depressionen haben. Wie ich oft darauf reagiere zeigt folgendes Beispiel:
Komme in den Bus, erhitzt, müde. Der Bus ist voll, aber ein Platz ist noch frei. Ich quetsche mich da hinein und meine Tasche wedelt einer älteren Dame vor der Nase herum. Tippe auf pensionierte Lehrerin.
Sie: „Sie meinen wohl, der Bus gehört Ihnen?!“
„Ja! Und wenn ich dürfte, würde ich ihn auch fahren!“
Ich habe den Kanal voll, bin gereizt und erledigt. Außerdem finde ich, dass ich in kurzer Hose, die ich trage, immer wie ein Grundschüler aussehe, der die 4. Klasse seit 40 Jahren wiederholen muss.
Was ist zu tun? Bleibt nur, sedierende Medikamente zu nehmen?
Es helfen feste Tagesstrukturen und Rückzugsmöglichkeiten jederzeit.
Man kann dieses Problem auch als Begabung begreifen. Den vorhin erwähnten Schmetterling, seine Farben bei der nicht wiederholbaren Sonneneinstrahlung und Intensität. Der flatterhaft fliegende Tanz. Die verspürte Sehnsucht an den geheimen Ort, wo man sich als Kind versteckte, an dem nur die Schmetterlinge waren – all das ist Nährboden für die Künste. Hier wird man sie los, hier bedeuten sie etwas, hier befreit man sich und erfreut sich und andere. Malen, Musizieren und Schreiben leben von Details. Von den aussortierten Informationen einer hektischen, lauten, leeren Welt.

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Eingeordnet unter 2017, Gesundheit

Schmährede gegen Kaffee

Wie soll das bei den der Maus ähnlichen Lemmingen sein? Ist die Population zu hoch für die vorhandenen Ressourcen, dann begehen sie im Kollektiv Selbstmord. Sie springen alle von der Klippe.
Gebt ihnen doch Kaffee! Der würde sie aggressiv machen und sie brächten einander um. Der Effekt bliebe derselbe, aber so hätten Tchibo, Eduscho und Co daran verdient.
Ich will niemanden die geliebte Tasse Kaffee schlecht machen.
Oder doch?
Kaffee ist das ideale Getränk einer hektischen, effizienten und irrsinnigen Zivilisation. Wenn man sich morgens im Bad zurecht macht, läuft nebenan die Kaffeemaschine. Der Kaffee wird so schnell getrunken, wie er gemacht worden ist. Dann setzt man sich ins Auto, um im aggressiven Fahrstil zur Firma zu kommen, wo der Kollege bereits die Kaffeemaschine angemacht hat …
Viele Leistungen können ohne genügend Kaffee gar nicht erbracht werden. Dinge wie das Brainstorming, der normale acht Stunden Arbeitstag und schon gar nicht die Überstunden.
Auch im Freizeitbereich ist das Treffen auf einen Kaffee nicht ohne dieses Aufputschmittel denkbar.
Wohin ich sehe, Menschen, deren Federwerk stets aufgezogen ist. Die laufen und fit sind.
Die gut funktionierende Geldmaschinerie wird vom schwarzen Gebräu gut geölt. Wohin die Reise geht, bestimmen Alphatiere, die nach der ersten Tasse des Bohnentranks bereits über Leichen gehen …
Will ich das?
Wenn ich morgens aufstehen muss, bewahre ich mir Müdigkeit und Träume in meinem Gesicht. Ich spüre, wie es mir geht. Die Zeit gehört mir, ich darf schwach sein. Im Laufe des Tages habe ich Formtiefs. Sie zuzulassen, habe ich durchgesetzt. Ich möchte dann schlafen gehen, wenn ich zu müde bin, in die Tastatur zu schreiben.
In meinem Haushalt gibt es keine Kaffeemaschine. Ich trinke Tee.
„Notorischer Arbeitsverweigerer! Weiß nicht, worauf es im Leben ankommt! An Blumenblütenriecher!“
„Wenn Sie meinen.“

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Eingeordnet unter 2017, Gesundheit

Kopfschmerzen

Ich habe heute eine druckerschwärzeschwarze Laune! Da ist das Gemüt eines Scharfrichters nichts gegen. Ga nix! (Der würde mit Plüschtieren spielen, ich würde sie anzünden …)
Alles ist zu viel oder zu wenig. Zu langsam oder schnell. Zu laut zu leise. Ich könnte die Wände anschreien oder wimmernd das Kopfkissen über den Kopf ziehen. Arrrgh!
Wer das mit bekommt, will mir helfen, und fragt nach dem Warum. 1. Mir kann man nicht helfen. 2. Wenn ich es bloß wüsste!
Vielleicht liegt es an der Mondphase oder an dem äußerst wechselhaften Wetter oder meinen Wechseljahren. Mit letzteren plage ich mich schon zehn Jahre rum – es wird nicht besser.
Gehen wir doch nach dem Ausschlussverfahren vor.
Das Baby meiner jüngsten Schwester kommt bald zu Welt und macht mich somit zum Onkel. Aber da liegt die Hauptaufgabe bei der Schwangeren.
Mein Arbeitsplatz wird umgewandelt. Wir Kollegen sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden, das habe ich schon häufiger erlebt. Die neue Arbeit ist zu schaffen.
Mein neues Buch ist noch nicht aus der Druckerei …
… Rrrah!
22 Tage wird an der ersten Auflage gearbeitet. Aber dem feinen Herrn Autor geht das nicht schnell genug! Nein, andere Druckaufträge dürfen nicht zu Ende gemacht werden oder Vorrang haben! Die Belegexemplare soll die Lektorin persönlich vorbei bringen – aus Brandenburg und auf einem Silbertablett! Der feine Herr Schriftsteller sollte sich schämen!
Der wiederum kann aber nicht aus seiner Haut. Ein nervöses Nervenbündel war ich schon immer. Wenn ich gut schlafe, so einmal pro Halbjahr, dann ist das wie Urlaub!
Es gibt nur ein Mittel, das hilft. Boden wischen! Einfach feucht mit dem Aufnehmer über die Flächen. Dass es heute schon das dritte Mal ist, bereitet mir auch keine Kopfschmerzen mehr …

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Eingeordnet unter 2017, Buch 4, Das neue Buch, Gesundheit

Gequält

Die Hände zittern. Mein Magen brüllt mich an. Ich habe diese Nacht gelitten – an Schlaflosigkeit. Früh morgens, dann wird es erst kalt. Als ich doch noch schlafen wollte. Als ich da lag, mit Wirrnis in den Gedanken, mich umdrehte zum Fernseher, ob ich ihn nicht ausgeschaltet hätte, und dabei feststellen musste, dass durch die Ritzen der Rollladen schon der Tag anbrach.
Gestern war draußen Halloween. Ich habe mir ein wenig Musik aufgelegt. Dann rüber zum Netbook. Endlich war es möglich, einige Programme zu installieren. Bei einem davon hatte der Virenscanner sein Veto eingelegt. Als ich bei Facebook nicht mehr in der Lage war, neue Bilder aufzunehmen, wieder aufs Bett gelegt und Musik an. Doch die war zu laut zur vorgerückter Stunde. Statt dessen ins Bad. Mindestens fünf Tage habe ich mich nicht mehr rasiert. Um 3 Uhr morgens war der richtige Zeitpunkt …
Ich schickte eine SMS an einen Nachtvogel. Die Antwort war kryptisch. Vors TV. Bei 3Sat etwas abgefahrenes aus Österreich. Eine charmante Show um einen „österreichischen Kaiser“ mit viel Schmäh. Entweder man ekelt sich dabei oder fühlt sich unterhalten. Als ich damals Wien besuchte, hätte ich da bleiben sollen …
Ich habe gelesen, Heinrich Bölls Rauschmittel wäre viel schwarzer Tee gewesen. Während der Tee zog, leerte ich ein paar Aschenbecher. Eine weitere SMS blieb unbeantwortet. Ich war vollkommen sorglos. Morgen würde Feiertag sein. Ich wusste noch, wie es einmal an einem 1. November war. Draußen waren 20 Grad. 20!
Nun scheint die Sonne hier rein. In der Straße Feiertagsruhe. Ich bin nicht müde.

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Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause, Gesundheit

Die Frau im Keller

Ich radle an einem Samstagmorgen in die Innenstadt. In meiner Tasche eine Urinprobe. Von mir. Direkt von nach dem Aufstehen. Als Berufstätiger bleibt samstags von 9 bis 10 nur diese Zeit sie im Labor abzugeben. Die Brühe muss frisch sein.
Auch gut. Wenig Verkehr, die Luft klar und das Thermometer noch unter 20 Grad. Das wird später mehr. Viel mehr.
„Fahrräder abstellen verboten!“ lese ich an den Scheiben der Praxis. Als ich mein Rad an den Pfahl eines Verkehrsschildes verkettet und die Tasche genommen habe, sehe ich eine nette Frau mit blonden Haarsträhnen die Arztpraxis aufschließen. Bevor sie in das Refugium der Gesundheit verschwindet, frage ich, ob ich eben nur meinen Pinkelpott abgeben dürfe.
Sie schickt mich ins Kellergeschoss auf die linke Seite, sie käme gleich. Während ich mich frage, welchen Teil meiner kurzen Frage sie nicht verstanden hat, sehe ich, dass auf der linken Seite im Keller gar nichts ist. Also hinsetzen und aussitzen.
Andere Patienten kommen. Und dann sie mit den Stränchen. Wendet sich nach rechts. Zieht ihren weißen Kittel an und ruft mich auf. Im rechten Kellerbereich nimmt sie mir mein Becherchen ab, zieht eine Schiebetür hinter uns zu. Fährt den Rechner hoch. Wir haben etwas Small Talk. Ich bemerke ihren mörderischen polnischen Akzent. Und Mördertitten. Vermutlich ist sie die Einzige im Umkreis von vielen Kilometern, die so früh am Wochenende arbeitet und dabei noch gute Laune hat.
Meine Bemühungen, das Gefäß zu füllen, werden mit einem Teststreifen gemessen. Und sie meint strahlend nach einer Minute: „Ihr Urin ist super in Ordnung!“ Na wenigstens etwas.
Ich glaube nicht, dass die Stadt heute noch wirklich wach wird. Schließe mein Rad auf.

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Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause, Gesundheit

Jammer-Gen

Meidet Westdeutschland. Meidet den Großraum Westfalen. Meidet mich!
Erwischt haben muss es mich, als ich im Starkregen, im Wolkenbruch eines Gewitters meine Gitarre mit dem Fahrrad nach Hause fuhr. Die Gitarrenhülle ließ keinen Tropfen an das edle Holz – aber ich war nass bis auf die Haut bis auf die Haut! Selbst in meinen Schuhen schwamm das Wasser …
Der Virus ließ sich einige Tage Zeit, wie und als was er in Erscheinung treten sollte. Er vermehrte sich unerkannt und schrie seinem Gefolge zu: „Wollt Ihr den totalen Kampf?“
Letztens, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, überfiel er meinen Hals und die Nase und traf meine Abwehr unvorbereitet. Ich wusste nicht, ob ich beim Bäcker Brötchen bestellen konnte, so wenig traute ich meiner Stimme.
Und so bin ich bettlägerig. Alle fünf Minuten von der einen zur anderen Seite wechselnd. Schwitze und friere. Das Innenohr ist besetzt. Ich hoffe, einer meiner Agenten kommt zu den Alliierten durch. Die sollen die Flugzeugstaffeln starten und Vitaminbomben abwerfen. Aber es ist riskant. Was, wenn es Doppelagenten sind?

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Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause, Gesundheit