Archiv der Kategorie: Lesung

Meine schönste Lesung (bis jetzt)

Aus den Lautsprechern kam mit Bums „Django“. Joe Bonamassa. Bluesrock. Eine Liveaufnahme.
Er und ich warteten hinter angelehnter Tür auf unseren Auftritt.
März 2015. Mein zweites Buch war erschienen. Grund genug, mich mit einem DJ und wunderbarem Menschen zusammen zu tun, um die BOOKJOCKEY PARTY auf die Beine zu stellen.
Er hatte sein Laptop mit DJ Software und einer Festplatte voll Musik angeschlossen. Unser Musikgeschmack hatte eine große Schnittmenge. Ich hatte jede Menge Texte zum Vortragen geprobt.
Die Location war ein angesagtes Bistro, das auch für Events dieser Art ausgerichtet war.
Nun erklang ein Jingle, welches ich extra von einer Radiomoderatorin anfertigen ließ. Ich ließ meinem älteren Kompagnon den Vortritt und wir schritten namentlich angekündigt in den Raum, was uns einen Begrüßungsapplaus einbrachte.
Das hatte ich so noch nicht erlebt …
Auf der Bühne setzten wir uns an auf vintage gemachte Tische. Jeder ein Mikrofon. Ich begrüßte die Anwesenden.
Es waren viele da. Auch wichtige Leute. Vom Verlag meine Lektorin, die sich während der Lesung um den Verkauf meiner Bücher gekümmert hat. Eine freie Mitarbeiterin vom WDR. Sogar von meiner Autorengruppe hat es sich eine Autorin nicht nehmen lassen, wenigstens bis zur Pause zuzuhören.
Das Konzept war so einfach wie wirkungsvoll. Nach jeder meiner Kurzgeschichten spielte der DJ spontan einen Musiktitel an. Er erklärte dem Publikum, weil die Stimmung oder Intension in meinem Text ihn an den bestimmten Song erinnern würde. Er machte es wundervoll!
Wir hatten das im Einzeln nicht geprobt …
Es gibt Fotos davon. In meinem roten und leicht schimmernden Jackett. Und ich habe gelächelt! Meine Stimme war wie immer fest, tief und druckvoll. Keine Nervosität.
Ich fand, für eine ca. zweistündige Lesung mit Musik mit Pause und ohne Eintritt haben die Gäste eine Menge geboten bekommen. Das war professionell, Showbiz. Sie gaben es uns mit Applaus zurück. Meine Verlagsfrau hat gestaunt, wie viele Bücher sie verkauft hat. Es war schön, direkt im Anschluss von vielen zu hören, dass wir es noch mal machen sollten.
Irgendwann wollte ich gehen. Ich hatte noch meine Mappe mit den Texten auf dem Lesungstisch liegen. Ich nahm sie mir und drehte mich im Richtung Ausgang. An einem Tische vor der Bühne saß ein junger Mann.
Er nutzte die Gelegenheit und fragte mich: „Kann man davon leben?“
Ich dehnte die Zeit bis zu einer Antwort lange aus. Ich wusste sofort, was ich sagen würde. Aber es war frappierend, dass es auf jeder Lesung solche Träumer, Deppen und Realitätsflüchter gab.
Ich sagte: „Davon nicht.“
Und ging.

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Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Autorenwelt …

Episode xyz …

Mit viel Arbeit war eine Lesung unserer Gruppe vorbereitet worden. Die Besitzerin der Location sagte aber kurzfristig ab. Es fand sich auf die schnelle was Neues, aber die Werbung war längst raus …
Einige Zuhörer hätte es schon gegeben, doch wir beschlossen, es komplett abzublasen. Es waren mehr Autorinnen und Autoren anwesend als Publikum.
Das passiert. Jeder war auf seine Weise enttäuscht oder wütend, oder einfach nur erleichtert, weil die Anspannung vorbei war.
Wir hatten Zeit und wollten uns noch bei einem Bier zusammen setzen. Diejenigen, die anfingen sich zu beschweren, waren die Frauen. Und es blieb bei weiten nicht bei der geplatzten Lesung. Es steigerte sich zu hysterischen Ausbrüchen darüber, was für sie in unserer Gruppe alles schief lief und unerträglich war.
Hm … Es musste erst ein gewisser Stress kommen, damit diejenigen, die sonst immer nur vor sich hin lächelten, anfingen, über Grundsätzliches zu kommunizieren.
Ich erinnere mich nicht, dass wir eine Lösung gefunden hätten. Eher, dass ich überlegte, bei uns eine Art Bewerbungsverfahren einzuführen. Das geschah aber nie.
Unser Gründungsmitglied musste los. Alle anderen Herren verabschiedeten sich auch, gaben einander den Bruderkuss.
Draußen war noch Tag.

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Eingeordnet unter 2018, Bei Sem;kolon zu Hause, Lesung

Des Vortrags müde

Jemand sagte mir mal, wie er sich das Rauchen abgewöhnt hat. Er brauchte ein bestimmtes Datum. Es war der Geburtstag seiner Mutter.
Oh Mann! Wie viele Lesungen habe ich eigentlich schon durchgezogen? Mehr als 20 Jahre kontinuierlich gelesen. Ich bin dabei, es mir abzugewöhnen …
Bei meiner ersten Lesung waren es gleich 100 Zuhörer. Weil wir als Autorengruppe auftraten, war für jeden Geschmack etwas dabei. Bei meiner ersten Solo-Lesung habe ich selbst die Bestuhlung in den Raum heran schaffen müssen …
Vor knapp zwei Jahren wurde mir klar, dass es sich für mich nicht mehr lohnt. Die Anspannung vorher und der Kick, im Scheinwerferlicht zu sitzen und zu fühlen, man hängt an meinen Lippen. Und dann ein erlösender Applaus.
Wir feierten 25-jähriges Jubiläum unserer Autorengruppe. Das Lokal wurde von jemanden von uns gebucht. Ich brauchte an dem Abend nur zusätzlich eine kleine Begrüßungsrede halten, aus welchem Anlass wir lesen, und dann hatten wir ein gutes Programm geplant. Von dieser Lesung wurde eine Tonaufnahme gemacht.
Eine Hälfte der Besucher war wegen uns gekommen. Die anderen waren Stammgäste des Lokals. Die Stammgäste haben ungerührt Gesellschaftsspiele an ihren Tischen gespielt. Leise waren sie zwar dabei, aber man kann im Mitschnitt hören, wie Würfel fallen! Dies ist eine Art von höflicher Ignoranz, bei der ich mehr kotzen könnte, als ich zu essen vermag!
Ich hatte immer die Maxime, dem Publikum etwas bieten zu wollen. Anspruchsvoll aber auch provokant. Letzteres ging eigentlich regelmäßig in die Hose, denn in diesem provinziellen Mistloch hier reagiert man einfach nicht! Man lässt den da vorne schön in Ruhe und glotzt ein wenig mit Kuhblick umher. Es macht keinen Spaß mehr …
Lesen war eine geile Sache für mich. Im Gemüseladen, im Wald, im Zoo, an der Uni, Kneipen, Musikhallen. Lampenfieber kannte ich nicht. Es gab den Moment der vollen Aufmerksamkeit der Gäste. Und mit wachsender Erfahrung wusste ich, ihn so lange zu halten, bis ich fertig war und der Beifall kam. Wie guter Sex eben.
Ich muss jedoch etwas grundlegendes falsch gemacht haben. Nach Jahrzehnten Lesungsveranstaltungen aller Art glaube ich nicht, dass ein Schwanz zu einer Lesung käme, wenn er meinen Namen auf einem Plakat sehen würde. All die Arbeit war umsonst. Der Orga-Kram. Die Werbungsbemühungen. Hier bin ich nicht auf dem Literatursektor bekannt. Warum? Weiß der Geier.
Ich muss auch zugeben, dass ich es satt habe, in einer neu eröffneten Location mit ein, zwei Kollegen zu lesen, wo dann wieder jene Interessenten zuhören, die ich als Autor geradezu verschmähe: Er mit einer großen Digitalkamera vor dem großen Bauch und in khakifarbener Weste mit gefühlt hundert Taschen. Sie in dem Alter, wo die Kinder aus dem Haus und selbst im Klimakterium. Sandalenträger. Gutmenschen. Und ich bin schon so alt wie sie …

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Eingeordnet unter 2018, Bei Sem;kolon zu Hause, Lesung

Lesung im Watermark – Teil 2

Dass es in Sydney, Australien, einen Platz namens Watermark mit Blick auf das Meer gibt, glaube ich ja gerne. Auch, dass das eine wunderschöne Aussicht ist. Doch was hat das mit Münster zu tun?
Am Freitag, 17.03.2017, war ich mit meinen Sem;kolon-Kollegen Jürgen und Katja eingeladen, eine Lesung im Watermark am Kreativkai Münster zu geben. Dazu war noch der Singer / Songwriter „Oh Sinclair“ engagiert.
Auf der ersten Büroetage, wo übertags Schreibtische für kleine Unternehmen untervermietet werden (Coworking), gab es nun den Blick auf das gesamte Hafenbecken. Da hatte man nun nicht zu viel versprochen!
Schiffe nutzen denn Hafen nicht mehr, dafür entsteht drum herum Eventgastronomie, moderne Unternehmen und jährlich gibt es ein großes Hafenfest.
Mit unserer Lesung sollten wir eine Reihe von Kulturangeboten im Watermark starten. So gaben wir unser Bestes.

Fotos: Copyright by H. Angenent

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Eingeordnet unter 2017, Bei Sem;kolon zu Hause, Buch 4, Lesung

Erste Fotos von der Lesung

Wann: Letzten Freitag, 17. März 2017
Beginn: 19:30 Uhr
Gastgeber: Frau Kossack und Frau Papadamaki von „Watermark“, Coworking (Bürogemeinschaft), am Kreativkai in Münster
Autoren außer mir: Katja Angenent und Jürgen Flenker (im Foto von oben nach unten), somit die Hälfte der Autorengruppe Sem;kolon
Musik: Matthias Hirt alias „Oh Sinclair“, Gitarre, Gesang, Loop-Station
Eintritt: wurde erhoben
Publikum: ca. 20 Gäste, gut gelaunt und applaudierten reichlich
Dauer der Veranstaltung: etwa zwei Stunden
Notiz: Ich habe zur Probe Auszüge aus meinen noch nicht erschienen Buch „Urbanicity“ vorgetragen und bekam dafür begeisterte Aufmerksamkeit.

Fotos: B. Kossack & S. Papadamaki

Watermark

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Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause, Buch 4, Das neue Buch, Lesung

Neue Lesung!

Zur Lesung im Coworking „Watermark“ direkt am Kreativkai laden Jürgen Flenker, Katja Angenent und Christoph Aschenbrenner von Sem;kolon ein.
Am Freitag, 17. März 2017, Hafenweg 22, 48155 Münster.
Um 19:30 Uhr kann man miterleben, wie Wortfischer ihre Netze einholen, die Poesie zwischen den Zeilen schwimmt und Alltag einer Lagune weicht.
Eintritt: 3 bis 5 €

Wir werden diese schöne Lesung haben. Auch wenn es 2017 ist, es ändert nichts daran, dass wir das gleiche tun wie seit der Dämmerung der Menschheit.
Jäger zogen aus. Die Sippe hatte Hunger. Die Jäger fanden Spuren, mussten sie interpretieren, ob es lohnenswerte Beute gäbe. Der Moment des Kampfes. Und am Lagerfeuer wurden Geschichten erzählt. Alle wurden satt.
Unsere Gäste werden kommen, um einen Hunger zu stillen. Um Geschichten zu hören und sich zu wärmen, deshalb sind sie hier.
Als Autor bin ich jedoch immer Jäger. Ich muss Fährten lesen. Muss wissen, was den Weg kreuzt. Wer durch die Zeit getrampelt ist.

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Sonntagsbild 378

sonntagsbild-378

Sonnenaufgang: 7:57 Uhr
Tageszeit: Morgen
Wetter: regnerisch & 8 °C
Stimmung: etwas entschleunigt
Chrizzy inmitten seines Autorenzirkels…

Foto: H. Angenent

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Jubiläumslesung

Wir. Wir Autorinnen und Autoren der Autorengruppe Sem;kolon. Wir feierten das 25-jährige Bestehen einer freien Gruppe, die noch nie von öffentlichen Geldern abhängig war, die nie einen Leiter brauchte, die sich trifft, um sich gegenseitig zu helfen bei ausschließlich selbstgeschriebener Literatur. Ich habe den Abend als sehr harmonisch innerhalb der Gruppe erlebt. Das Publikum war sehr aufmerksam, ich konnte es in meinen Parts nicht sehen wegen der Scheinwerfer. Doch wenn man auf der Bühne nichts hört, als nur den Applaus am Ende, dann glaube ich,  es hat gefallen.

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