Alte Liebe Nylon

Meine erste Gitarre war ein Geschenk meiner Eltern. Eine Konzertgitarre. Also eine akustische mit Nylonsaiten. Bis heute weiß ich nicht, wo sie sie gekauft haben. Und eigentlich auch nicht, warum …
Dankbar brachte ich mir im Selbststudium Griffe und Rhythmen nach Lehrbüchern bei, die mir eine Schulfreundin empfahl. Sie hatte während eines langen Krankenhausaufenthalts das Gitarre spielen gelernt.
Wenn ich mir heute die alte Gitarre ansehe, leider unbrauchbar, kann ich kaum glauben, auf diesem „Brett“ Töne entlockt zu haben! Die Saitenlage war viel zu hoch. Das ist der Abstand der Saiten zum Griffbrett. Der Hals viel zu breit. All das machte es mir als Anfänger nicht leicht, saubere Töne zu erzeugen. Meine Greifhand wurde sehr stark, was mir bis heute zu gute kommt.
Trotzdem war ich mit viel Enthusiasmus dabei. Als man mir noch zur Schulzeit eine gute, gebrauchte E-Gitarre anbot, griff ich zu. E-Gitarren haben Stahlsaiten. Das ist ein anderes Feeling unter den Fingern. Hals und Saitenlage sind für das Spiel mit viel dünneren Saiten ganz anders ausgelegt. Also habe ich auch bei akustischen Gitarren Stahlsaiten immer geschätzt.
Dabei blieb es dann bis vor knapp drei Jahren. Bis ich mir dachte, he, ich kann mir doch noch eine Gitarre zulegen. Ab Fabrik. Es müsste ja nichts teures sein. Nur sollte sie wieder Nylonsaiten haben.
Nun habe ich wieder eine Konzertgitarre. Und sie hat eine wunderbare Saitenlage, einen passenden Hals. Wenn ich die Saiten anschlage, steht der Klang lange warm im Raum. Irgendwie ehrlich.

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147 zu 97

Erschöpft wache ich auf. Im Hintergrund das tonlos laufende Fernsehen. Auch ohne Brille erkenne ich das Design der Tagesschau. Ich muss Richtung Badezimmer.
Durch die Küche. Bleibe stehen. Stickig. Nachher öffne ich ein Fenster. Es ist das Licht! Die Rollladen noch oben, schimmert es draußen. Als ob man in ein altes Glashaus sieht. Wie in ein Gewächshaus mit beschlagenen Scheiben. Die letzte Helligkeit des Tages nun in der Sommerzeit. Dämmerung um 20 Uhr. Seltsam. Und schnell vorbei.
Als ich mir einen Tee mache und meinen Blutdruck messen will, höre ich die Reifen der Autos auf nassem Asphalt. Ich wähle Musik. INXS. „Need You Tonight“. Die älteren erinnern sich …

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Sonntagsbild 444

Tageszeit: früher Nachmittag
Sonnenaufgang: 7:17 Uhr [Sommerzeit]
Wetter: bewölkt & 11 °C
Stimmung: realistisch
Chrizzy, der Künstlerporträts im Beatlesstyle mag…

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Sonntagsbild 443

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 6:33 Uhr
Wetter: stärker werdender Eiswind & -4 °C
Stimmung: risikofreudig
Chrizzy behauptet, Maschinen und Bauarbeiter haben keine Seelen. Bei Maschinen zweifelt er noch…

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Aussicht

 

Du kennst diesen Blick, seitdem du verheiratet bist. Ich seitdem ich da bin.
Wie oft haben wir alle interessiert daran vorbei geschaut, wenn es etwas im Fernseher gab.
Einen Sommerabend lang huschten Blitze über den Himmel. Gewitter ohne Donner.
Meine Schwester stellte ihren Schreibtisch davor, lernte für das Abitur. Alle Kinder ausgezogen, ist es heute dein Zimmer.
Gestern sprach ich mit dem Klinikarzt.
„Der Eingriff eilte“, sagte er, „aber alle klinischen Werte sind bei Ihrer Mutter nun normal.“
Ich bin bereits fort. Auf deine Entlassung konnte ich leider nicht warten.
Wir werden uns wieder vor diese Aussicht setzen. Bald …

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Sonntagsbild 442

Tageszeit: früher Morgen
Sonnenaufgang: 7:05 Uhr
Wetter: unklar & -2 °C
Stimmung: wieder optimistischer
Chrizzy, der entdeckte, wo gefällt wurde nun ein junger Baum…

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Sonntagsbild 441

Sonnenaufgang: 7:20 Uhr
Tageszeit: Morgen
Wetter: Sonne knallt & -5 °C
Stimmung: auf Sparflamme
Chrizzy am Träumen von Abend zum Morgen, von Tag zur Nacht…

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Letztens

Es ist bekannt, aber nicht allen, dass mir mein Haar wächst. Aktiv etwas hinzu tun muss ich nichts, lediglich Friseure meiden. Im Spiegel habe ich wieder eine einzelne silberne Linie entdeckt. Das ist ein Euphemismus für graues Haar. Eines alten Mannes.
Meine Autorengruppe traf sich diesen Monat, im neuen Jahr das erste Mal. R. lächelte und sie sagte mir: „Du siehst aus … wie ein Beatle!“
„Das ist das Netteste, was man mir sagen kann!“
„Deshalb habe ich es auch gesagt.“
Ich überlegte mir, warum sie die kleine Pause in ihrem Vergleich gemacht hat. Hat sie eine Beleidigung herunter geschluckt? Oder einfach nach der passenden Musikband gesucht? Bei R. trifft wohl das letztere zu. So war ich an diesem Abend 30 cm größer.
Jemand Neues wollte uns auf sich wirken lassen. Eine Frau, mit der die Runde ziemlich groß wurde. Sie trug aus ihrem unveröffentlichten Roman vor. Reichlich unausgegorenes Zeug. Überhaupt! Nur Unprofessionelle und Fans glauben, ein Autor schreibt nur Romane.
Jedes Mal, wenn unsere Autorin R. da ist, komme ich nicht daran vorbei, ihr Talent zu loben, zu rühmen und preisen. Sie ist die einzige ohne eine Veröffentlichung. Es laufen Wetten, ob ihr Erstling, wenn sie es mal schafft, direkt in die Bestsellerlisten kommt.
R. freut dies, wie Beatle Christoph, und bezieht die Neue mit ein, indem sie ihr erklärt, dass es manchmal unruhig macht, noch kein Buch veröffentlicht zu haben, manchmal einfach auch egal ist.
Mein Beitrag für die Runde war inhaltlich ein alltägliches Erlebnis mit einem Showdown der Geschlechter. Quasi.
Die Neue, mutig geworden, möchte da einen Satz streichen. Er sei kommentierend. Warum nicht? Deshalb treffen wir uns ja, nicht wahr?
„Nein! Den nicht! Ich bin Autor geworden, um Leuten, die ich nicht mag, so richtig schön … in die Fresse hauen zu können!“
Gelächter am anderen Ende des Tisches. Hoffentlich wegen mir.
Warum ich beim letzten Satz eine Pause gemacht habe, darüber dürft ihr selbst nachdenken.

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