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Abschied von 2016

Permanent lebe ich einen Kompromiss. Beruflichen Tätigkeiten nachgehen und drum herum Autor sein. Das Talent des Schreibens ist erheblich ausgeprägter als die Motivation fremdbestimmte Arbeit zu leisten.
So auch in 2016. Aufgrund einer chronischen Erkrankung ist meine tägliche Arbeitszeit schon lange reduziert. Und ich hatte dieses Jahr einen Ausfall von vier Monaten. Manche Menschen sind davon überzeugt, dass mein Talent durch meine Krankheit bedingt ist. Meine Lektorin zum Beispiel.
Was ich dieses Jahr nicht wollte, war mein runder Geburtstag. Ich verstehe selbst nicht so ganz wieso.
Tja, und so sammelt man am Ende des Jahres alle Für und Wider ein, bilanziert und stellt fest, dass es sowieso unvermeidlich ist, zu 2017 zu wechseln, in die Hände zu spucken und sich selbst nicht zu verlieren. Und eben das wünsche ich Euch auch!

Ich in 2016

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Foto: C. H.

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Zeit heilt Wunden

Es ist hundert Jahre her. Obwohl ich den Hörer vor zehn Minuten auflegte, ist es bereits hundert Jahre her. Ich weiß, wie ich mein Herz versteinern kann. Sie ist nur ein Flirt gewesen, und das ist hundert Jahre her.
Wir saßen im Innenhof des Museums. An einem Sonntag mit 30 Grad. Es gab einen angenehmen Schatten und leichten Wind. Wir vertrauten uns private Dinge an. Wir waren perplex wie sehr sie einander ähnelten. Ich bezahlte ihr Bitter Lemon mit. Umarmte sie zum Abschied. Wieder zu Hause dachte ich über alles nach, worüber wir gesprochen haben. An dem Abend wollte ich mit niemanden mehr reden.
Man kann die Vorstellungen des anderen respektieren, doch sind es nicht die eigenen, muss man den eigenen den Vorrang lassen. Irgendwann sagte sie vorhin am Telefon nichts mehr und legte auf. Das war vor hundert Jahren.

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Perspektivwechsel

Da stand sie nun an der Bushaltestelle. Im graumatschigen Schnee. Hielt die Arme verschränkt vor ihrer Brust. Im Bus fand ich einen Sitzplatz und wollte ihr zum Abschied winken. Doch sie schenkte mir keinen Blick mehr, sie schaute die Straße hoch.
Drei Stunden Zugfahrt. Umsteigen in Hamburg. Die Bushaltestelle bei ihr war nur wenige Meter von ihrem Haus entfernt. Und dass sie mich begleitete, war schon ein großes Entgegenkommen. Es war so was von aus! Weihnachten, Silvester. Da waren wir bereits Fremde.
Was zu Hölle hatte sie sich von mir versprochen? Den Ersatzmann für sich und ihre Kinder zu finden? Ich? Absurd! Irgendwas war über anderthalb Jahre tragfähig. Und irgendwas beendete ihre Hoffnung. Vermutlich gab es zwei Konstanten in ihrem Leben. Einmal eine gute Mutter für ihre beiden Töchter zu sein. Und dann nicht versauern zu wollen. Meine Rolle sollte idealerweise beide Bereiche abdecken. Ihr weiteren Nachwuchs bescheren und Farbe in ihr Leben bringen. Als ich ihr einen Strich durch diese Rechnung machte, war ich gestorben.
Zwei Wochen nach der Rückkehr von meinem letzten Besuch erhielt ich einen Anruf. Sie machte Schluss.

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