Schlagwort-Archive: Anthologie

Leseprobe # 5

Dies hier gehört zu meinen ersten Veröffentlichungen. Es war in einer Anthologie. Es wurden Texte von Autoren gesucht, die noch nicht bekannt waren. Ich finde es frappierend, wie ich mich immer noch darin wiederfinde. Nach all den Jahren …

(ohne Titel)

Ich liebe es, wenn die Uhren zeitlos ticken,
sich die Wirklichkeit an Wänden plattdrückt,
wie an Schaufensterscheiben,
Wänden aus meterdicker Sinnlichkeit.
So bette ich mein Haupt auf Träume,
bedecke mich mit Sanftmut,
lausche dem Plätschern der Heiterkeit.

Fliehe vor der Melancholie,
die abends von der Decke tropft.
Süß-sauer schmeckt die Einsamkeit. Nach
Trostlosigkeit bei Qualm
und schalem Bier in billigen Kneipen,
steigst du die Stufen in engen Treppenhäusern,
wo der Putz von den Wänden fällt, auf der
Suche nach irgendwo.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Leseprobe

Leseprobe # 4

Auf unserem letzten Sem;kolon-Treffen haben wir uns als Stichwort für eine freiwillige Hausaufgabe das Wort „herausgerissen“ gestellt. Der folgende Text hat somit das Thema knapp verfehlt. Das ist nicht schlimm, besonders, wenn einen etwas anderes auf den Nägeln brennt.

Wenn morgen Klassentreffen wäre …

… würde ich heute anreisen und mich bei meinen Eltern einquartieren. Bei dieser Gelegenheit einen dankbaren Blick für meine Mutter, die die komplette Schulzeit durch meine Pausenbrote geschmiert hat. Jeden Morgen und mit Salami belegt. Abends eine mitgebrachte DVD mit Vater gucken. Bei Schrott auf allen Kanälen zeigen sie uns nicht mehr die guten Filme aus meiner Kindheit im Fernsehen. Von Don Camillo und Weltraumabenteuern.
Für das Treffen nach 30 Jahren leihe ich mir einen Schirm. Die Bewölkung verdichtet sich. Betrete das Lokal hinter der Kirche. Am Tresen die gleichen Männer an der gleichen Stelle mit dem üblichen Bier wie damals. Nur älter und weniger Haare.
Hinten im Saal die Mädchen und Jungen meiner Klasse. Petra, Veronika, Cornelia und Guido, Thomas, Markus. Jetzt Erwachsene. Bettina hat das alles organisiert. Hält verlegen eine kleine Rede. Wir applaudieren. Ich finde einen Platz bei meinen Kameraden von einst. Nicht weit von mir sitzt Steffi, die erste, mit der ich richtig ging. Verheiratet, zwei Kinder, Teilzeit berufstätig.
Während auf das Essen gewartet wird, machen in meiner Ecke alte Witze die Runde. Heute wohl Herrenwitze genannt. Guido schimpft auf seine Lehrlinge, doch ich erinnere mich nicht, dass er in Mathe selbst eine besondere Leuchte war.
„Was machst du?“, die Frage kommt von links. Von Frank. Stiller wird es. Oder ist es, weil alle ihr Essen bekommen haben?
„Ich habe in Münster studiert. Ich veröffentliche Bücher. In Anthologien bin ich vertreten, gebe aber auch Monographien heraus. Aber davon lebt man nicht, ich habe auch einen Bürojob.“
„Wann kommst du wieder zurück?“
Mir wird es peinlich. Bettina ruft jetzt zu einem Gemeinschaftsfoto auf, es sollen sich doch alle in Position stellen.
Ich weiß nicht, ob ich auf dem Foto gelächelt habe. Ich habe es nicht bekommen. Mein Wunsch ging unter. Als Frank freundschaftlich den Arm auf meine Schulter legt, bin ich weit weg. Prägung. Diejenigen, die mich in der Schulzeit so oft verprügelt haben, als ich mich noch nicht wehren konnte, haben dazu beigetragen. Hellwach zu sein und aufmerksam. Die Gefahr von Schlägen und Tritten war überall. Deshalb bemerke ich Dinge, an denen andere achtlos vorbei laufen. Beobachtungsgabe ist wichtig für einen Autor.
Ich verabschiede mich zu der Zeit, in der man anfängt, Korn zu bestellen. Auf dem Weg zu meinen Eltern bin ich froh, an den Schirm gedacht zu haben.

 

©hristoph Aschenbrenner; © Christoph Aschenbrenner

2312

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause, Leseprobe

Sonntagsbild 286, 7:18 Uhr, 18.01.2015

286

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 8:25 Uhr
Wetter: über Nacht hat’s geschneit & 1 °C
Stimmung: top
Chrizzy, der auch in diesem Buch erschienen ist – mit Text und einem künstlerischen Foto…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonntag, Sonntagsbild

Sonntagsbild 282, 10:47 Uhr, 21.12.2014

282

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 8:33 Uhr
Wetter: grau & 5 °C
Stimmung: fiebrig
Chrizzy in irgendeinem Buch, noch einem Buch mit drin, es wird langsam zur Gewohnheit – und das ist fein!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonntag, Sonntagsbild

Kleine „Karriere“ bei Sem;kolon

Ich habe dies nun schon oft beobachtet, doch auch nach zwei  Jahrzehnten ist es immer noch einfach nur schön!

Jemand sucht Anschluss an eine Autorengruppe. Findet unsere Website. Traut sich zu einem Treffen.

Wenn es gefällt, kommt man wieder. Man macht mit.

Und dann flattert ein Termin für eine Lesung ins Haus. Die oder der Neue hat so etwas noch nie gemacht.

Ich? Mein Geschreibsel? Vor fremden Leuten? Oben auf der Bühne? Niemals! Aber reizen würde es mich schon. Nur, um es auszuprobieren. Aber nur dieses eine Mal!

Der Auftritt kommt. Und an dem Abend hat das Sem;kolon-Mitglied mit dem Lese-Debüt die klarste Stimme, die beste Ausstrahlung und gleich Fans gewonnen.

Darauf erhält Sem;kolon eine Einladung zum Mitmachen in einer Anthologie. Natürlich mit einem Abgabetermin. Wen muss man mit Engelszungen darauf hinweisen, dass auch sein Beitrag eine gute Chance hat? Richtig, das jüngste Mitglied der Autorengruppe.

Text erscheint dann auch in einem gedruckten Buch mit ISBN und allem, was dazu gehört.

Und heute? Stellt man die Frage „Würdest du wieder bei einer Lesung mitmachen?“, ist die Antwort: „Ja, klar!“

So sieht es bei uns aus. Aus Neulingen werden nette kleine „Rampensäue“! :-)

1895

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause, Lesung