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Am Telefon

Etwas später als sonst ruft er an. Fragt freundlich:
„Stör‘ ich dich?“
„Nein“, meint sie und schaltet am Herd das Ceranfeld auf halbe Leistung, „Das Risotto ist erst in einer viertel Stunde schlotzig.“
„So, wie es sein muss“, entgegnet er geistfrei.
Schweigen.
Einmal fragte sie ihn, warum er überhaupt noch anruft. Und warum er nichts sage? Jetzt muss sie ihren Ex-Freund wieder ermahnen:
„Sag was!“
Würde er wieder beleidigt sein, von seiner offenen Wunde sprechen, davon, dass er anerkennt, dass es vorbei ist, aber … blah blah blah?
Er sagt: „Warte mal kurz.“
Wartet nicht ihre Antwort ab, legt das Telefon neben sich, steht kurz auf und holt seine Gitarre.
Er hat länger nicht mehr gespielt. Und weil das Holz und die Saiten leicht auf Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsunterschiede reagieren, ist sie natürlich total verstimmt. So fängt er an, die tiefe E-Saite nach Gehör und dann auf dem fünften Bund mit der leeren A-Saite gleich zu stimmen. Alle sechs Saiten runter.
Irgendwann kann er mit dem Spielen beginnen. Er erinnert sich an das Telefon neben ihm.
Bestimmt hat sie mitbekommen, dass er Gitarre spielen will. Für sie.
Er fragt:
„Hallo?“
Doch am anderen Ende der Leitung ist nichts mehr zu hören.
„Hallo? Hallo?“
Schließlich legt er auf. Stellt die Gitarre zurück in ihre Ecke.
Da war wohl der Risotto schlotzig.

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Gequält

Die Hände zittern. Mein Magen brüllt mich an. Ich habe diese Nacht gelitten – an Schlaflosigkeit. Früh morgens, dann wird es erst kalt. Als ich doch noch schlafen wollte. Als ich da lag, mit Wirrnis in den Gedanken, mich umdrehte zum Fernseher, ob ich ihn nicht ausgeschaltet hätte, und dabei feststellen musste, dass durch die Ritzen der Rollladen schon der Tag anbrach.
Gestern war draußen Halloween. Ich habe mir ein wenig Musik aufgelegt. Dann rüber zum Netbook. Endlich war es möglich, einige Programme zu installieren. Bei einem davon hatte der Virenscanner sein Veto eingelegt. Als ich bei Facebook nicht mehr in der Lage war, neue Bilder aufzunehmen, wieder aufs Bett gelegt und Musik an. Doch die war zu laut zur vorgerückter Stunde. Statt dessen ins Bad. Mindestens fünf Tage habe ich mich nicht mehr rasiert. Um 3 Uhr morgens war der richtige Zeitpunkt …
Ich schickte eine SMS an einen Nachtvogel. Die Antwort war kryptisch. Vors TV. Bei 3Sat etwas abgefahrenes aus Österreich. Eine charmante Show um einen „österreichischen Kaiser“ mit viel Schmäh. Entweder man ekelt sich dabei oder fühlt sich unterhalten. Als ich damals Wien besuchte, hätte ich da bleiben sollen …
Ich habe gelesen, Heinrich Bölls Rauschmittel wäre viel schwarzer Tee gewesen. Während der Tee zog, leerte ich ein paar Aschenbecher. Eine weitere SMS blieb unbeantwortet. Ich war vollkommen sorglos. Morgen würde Feiertag sein. Ich wusste noch, wie es einmal an einem 1. November war. Draußen waren 20 Grad. 20!
Nun scheint die Sonne hier rein. In der Straße Feiertagsruhe. Ich bin nicht müde.

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theresa link, bitte melde Dich!

Sie ist Autorin wie ich. Und sie ist bei WordPress. Bei einem Textbeispiel auf ihrer Seite war ich vollkommen baff, wie die Handlung eine extrem ungewöhnliche Wendung nahm und exakt auf den Punkt wieder aufgelöst wurde. Faszinierend nicht wahr? Ich erinnere mich, dass es mich zunächst irritierte, wie methodisch sie beim Schreiben vorging. Doch dann wurde ich Fan davon! Warum bei Theresa nicht mal lernen, wie andere anders ans Schreiben heran gehen? Ich esse zwar Mini-Pizzen, oder wie der Smamap sagt: „Toast-Hawaii für Arme“, doch die Weisheit hab‘ ich noch nicht zu Ende gelöffelt.
Es muss aber etwas vorgefallen sein. Ich kann nicht alles bei WordPress verfolgen. Es gab eine andere Autorin, die Theresas Art zu schreiben schwer angegriffen und verurteilt hat. Eine Autorin, die gerade einen Erfolg verzeichnen konnte. Was sollte bitte das denn? Zeitnah dazu ist der Blog von theresa link nicht mehr öffentlich gewesen.
Ich steh‘ nun hier, vermisse sie und wünsch‘ mir: „Bitte melde Dich!“

Nachtrag:

theresa link hat sich gemeldet!

Nur vier Stunden später bekam ich von Theresa einen Kommentar (siehe unten). Ich sage ehrlich, mein Herz schlug schneller!
Sie weiß nicht so recht wie es mit ihrem Blog weiter gehen soll. Und sie wird in eine Schreibgruppe gehen, eine echte zum Anfassen und Ansehen.
Ich kann mich dabei nicht in einem Interessenkonflikt befinden. Meine Erfahrungen mit einer realen Schreibgruppe zeigen, wie wertvoll der persönliche Austausch ist. Und wieviel man dabei nicht nur über das Schreiben sondern auch über Menschen lernt. Ich mache das ja auch schon seit 20 Jahren. In dieser Zeit gab es eine enorme Fluktuation von Autorinnen und Autoren. Einige hätte ich am liebsten mit dem Hosenboden am Stuhl festgenagelt, weil sie so wertvoll für die Gruppe waren, andere am liebsten mit Hinterntritten schleunigst verjagt. Und wenn Theresa nun auf diesem Gebiet Erfahrungen sammeln kann, kann ich ihr das nur gönnen und ihr das Beste wünschen! Da ist mein Wunsch, in ihrem virtuellen Blog zu lesen, nachrangig, aber so was von!

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