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Erste Fotos von der Lesung

Wann: Letzten Freitag, 17. März 2017
Beginn: 19:30 Uhr
Gastgeber: Frau Kossack und Frau Papadamaki von „Watermark“, Coworking (Bürogemeinschaft), am Kreativkai in Münster
Autoren außer mir: Katja Angenent und Jürgen Flenker (im Foto von oben nach unten), somit die Hälfte der Autorengruppe Sem;kolon
Musik: Matthias Hirt alias „Oh Sinclair“, Gitarre, Gesang, Loop-Station
Eintritt: wurde erhoben
Publikum: ca. 20 Gäste, gut gelaunt und applaudierten reichlich
Dauer der Veranstaltung: etwa zwei Stunden
Notiz: Ich habe zur Probe Auszüge aus meinen noch nicht erschienen Buch „Urbanicity“ vorgetragen und bekam dafür begeisterte Aufmerksamkeit.

Fotos: B. Kossack & S. Papadamaki

Watermark

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Jubiläumslesung

Wir. Wir Autorinnen und Autoren der Autorengruppe Sem;kolon. Wir feierten das 25-jährige Bestehen einer freien Gruppe, die noch nie von öffentlichen Geldern abhängig war, die nie einen Leiter brauchte, die sich trifft, um sich gegenseitig zu helfen bei ausschließlich selbstgeschriebener Literatur. Ich habe den Abend als sehr harmonisch innerhalb der Gruppe erlebt. Das Publikum war sehr aufmerksam, ich konnte es in meinen Parts nicht sehen wegen der Scheinwerfer. Doch wenn man auf der Bühne nichts hört, als nur den Applaus am Ende, dann glaube ich,  es hat gefallen.

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An und für sich

Ich stehe noch unter Schock! Mein Hausarzt hatte heute eine üble Nachricht für mich. Jetzt ist es raus. Ich werde es überleben. So schlimm ist es auch nicht. Schlimmer ist, nicht zu wissen, wem man davon erzählen soll oder kann. Ich muss damit fertig werden, doch im Gespräch mit Vertrauten wird die Angelegenheit auch schon mal eine Nummer kleiner gemacht. Doch wer hört zu und wer darf das überhaupt? Muss ich nicht auch im Interesse von anderen geschwächten oder schwächeren Menschen die Klappe halten? Rücksicht nehmen?
Und deshalb bin ich in diesem Zusammenhang wieder auf das Thema Blog, Blogger und Bloggen gekommen. Für wen schreibe ich und wer liest mich?
Ich kann nicht behaupten, ich schreibe bloß für mich selbst. So wie Tagebuch. Das wäre ja sinnlos, denn nichts ist geheim, alle könnten es lesen. Sicher, es gibt den Aspekt des Festhaltens bedeutender Dinge, die ich dann für mich noch mal nachlesen kann oder könnte. In der Regel mache ich das selten.
Ich lese andere Blogs gerne und mit Sympathie. So wirklich richtig etwas von den Autorinnen und Autoren weiß ich jedoch nichts. Nie persönlich begegnet. Oder sehr, sehr selten. Aber ich nehme an, meine Beiträge werden von einigen anderen ebenso verfolgt. Gut, ich sehe das an den Likes und Kommentaren. Und es heißt deshalb soziale Netzwerke, weil man in irgendeiner Form verbunden ist. Per Internet.
Es gibt die, die ich nicht kenne, die mich lesen, und die keine Voyeure sind und keine Schadenfreude empfinden bei Fehlern, die ich mache. Es lässt sich übrigens nicht vermeiden, dass es solche gibt. Doch für diejenigen, die immer stumm mitlesen, bin ich ebenso Mensch und Bekannter. So bekannt man eben einander sein kann, wenn man im World Wide Web unterwegs ist. Und das kann nichts schlechtes sein.

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Leseprobe # 2

In unserer Autorengruppe Sem;kolon stellen wir uns für den nächsten Abend immer eine „Hausaugabe“. Der Grund ist, falls jemand partout nichts einfallen will, hat er ein Stichwort, welches ihm Ideen liefern kann. All das ist freiwillig.
Um ein Stichwort zu finden, haben wir schon die Bedienung unseres Trefflokals gefragt, den Finger auf eine Seite einer herumliegenden Süddeutschen getippt oder neue Sem;kolon-Interessenten in die Pflicht genommen. Dieses Mal haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen.
Jeder brachte ein Jugendfoto von sich mit, Altersbegrenzung zwischen 13 und 17 Jahren. Im geheimen Losverfahren bekam jeder von uns ein Foto eines anderen. Und was uns dazu einfällt, darüber sollten wir schreiben. Hier meine Lösung der „Hausaufgabe“.

 

Ein Schuss entfernt

 

Klick! Ob das Foto etwas geworden ist? Sie legt die Leica neben sich auf das Handtuch, das sie im Schatten nicht weit vom Schwimmbecken ausgebreitet hat.
Ihr Opa hat sie beiseite genommen, als sie in die 11. Klasse gekommen ist.
„Jetzt, wo du in die Obersekunda gekommen bist, sollst du etwas haben, was dir viel Freude machen wird!“ hat er zu ihr gesagt. Dann hat er ihr die Leica gezeigt und erklärt.
Sie wusste, ihr Großvater ist viel gereist und hat interessante Fotos für Zeitungen und Illustrierte geschossen. Als er in Korea war, hat er damit aufgehört. Warum, das wusste sie nicht.
„Wenn du sorgfältig damit umgehst und gut auf sie aufpasst, hast du dein ganzes Leben was davon“, sagte er ihr noch mit leuchtendem Blick.
Als 15-jährige fand sie sein Geschenk überhaupt nicht spannend. Viel lieber hätte sie einen Walkman gehabt, wie einige Mädchen in ihrer Stufe. Und die ersten Aufnahmen waren nach der Entwicklung mehr als bescheiden. Opa ließ nicht locker. Er zeigte ihr seine Fotos, erzählte, wie sie entstanden sind, und was die Kamera dabei leisten konnte. Dabei ist wohl was übergesprungen, denn die Leica war nun immer dabei und geladen.
So auch an diesem ungeheuer trägen Sommertag. Sehr warm. Das Abitur bestanden ist es höchste Zeit, an die Zukunft zu denken. Nur nicht heute! Der einzige Ort des Überlebens ist das Schwimmbad bei ihnen, nur ein paar Minuten mit dem Rad entfernt.
Allein ist sie gekommen, ihre beiden Freundinnen haben abgesagt. Sie haben ihre Tage. Gleichzeitig? Es ist so heiß, dass sie nicht nachrechnen kann. Aber es gibt keinen Grund anzunehmen, dass ihre beiden besten Freundinnen sie belügen.
Das Foto, das sie gerade gemacht hat, ist ein Auftragsfoto. Seitdem sie hier ist, wird sie Horst nicht los. Ausgerechnet der! Der schmale Bursche mit der großen Klappe. Sein gewinnendes Grinsen hat auf sie keine Wirkung. Sie kennen sich von der Schule. Zuerst will er ihr ein Eis spendieren. Dankend lehnt sie ab. Er sieht ihren Fotoapparat und prahlt damit, dass er schon mit einer Ritschratsch Agfa-Pocket fantastische Aufnahmen gemacht hat. Wer’s glaubt. Dann soll sie seinen tollen Hechtsprung ins Becken aufnehmen. Meinetwegen. Da hat sie ihn wenigstens von der Backe.
Sie würde zur Abkühlung auch gerne ins Wasser gehen, doch Horst ist schon wieder da und quasselt ohne Punkt und Komma. Ihr wird es schließlich zu bunt wie ein Foto mit Farbstich, legt die kleine Leica in ihre Tasche, steht auf und geht zum Schwimmbecken. Horst natürlich hinterher. Als er schnallt, dass sie ins Wasser will, springt er noch mal cool ins H₂O. Sie lächelt. So lange er unter Wasser ist, beeilt sie sich, an eine andere Stelle des Beckens zu kommen, um dann langsam ins kühle Nass zu steigen. Voll geil! Sie schaut in die Richtung, wo Horst auftauchen muss und nach ihr Ausschau halten wird. Dabei merkt sie nicht, wie in ihrer Nähe ein paar Jungs damit anfangen, einfach alle, die sich nicht wehren können, zu döppen. So wird auch sie von hinten unter Wasser gedrückt. Schreck und Atemnot bringt sie in Panik. Sie weiß nicht mehr, wie lange es gedauert hat, es ist nur mit einem Mal vorbei, sie schießt über den Wasserspiegel, prustet und ringt nach Luft.
Horst brüllt die feigen Jugendlichen an.
„Ihr Penner! Macht das ja nicht noch mal! Der Bademeister ist mein Onkel, ein Wort von mir, und ihr habt hier Platzverweis!“
„War ja nur Spaß“, meint einer von ihnen, schon ziemlich kleinlaut.
„Spaß?“ Horst läuft zur Höchstform auf. „Auf diese Weise ist letztes Jahr ein Kind umgekommen! Und jetzt will ich euch nicht mehr sehen, ihr ätzenden Idioten!“
Eine Weile starren sich die Assis und Horst noch an, dann geben die Typen nach und steigen aus dem Becken.
„Danke Horst“, sagt sie. Sie lässt sich von ihm aus dem Becken helfen.
Noch etwas benommen setzt sie sich auf ihr Handtuch.
„Ich wusste nicht, dass dein Onkel hier Bademeister ist.“
„Ich auch nicht“, sagt er. Sie lacht laut und bekommt sich fast nicht mehr ein. Sie findet, er hat ein gewinnendes Grinsen.

Ihr ist bei den Umzugsvorbereitungen wieder das Foto in die Hände gefallen. Von ihrem Mann, der in das Schwimmbecken springt. Als er noch nicht ihr Mann war. Aber da hat alles angefangen. Übrigens hat Horst damals ihre beiden Freundinnen mit viel Eis mit Sahne bestochen. Alles geplant, nur nicht das mit den fiesen Jungs … Es war ihr erstes Auftragsfoto, erinnert sie sich. Bis zur Geburt der ersten Tochter hat sie mit der Fotografie Geld verdient. Danke Opa, wenn Du gerade vom Himmel runterschaust! Jetzt zieht die Familie in ein Haus, wo dann endlich mehr Platz für alle ist – die gute, handliche Leica kommt selbstredend mit – und wo Horst dann hoffentlich wieder öfter sein gewinnendes Grinsen zeigt. Sie seufzt, sucht einen Bleistift, dreht das Foto um und schreibt: Auftrags-Nr.: 1, Kunde: Horst Köhlers, Bezahlung: erfülltes Eheleben und die drei liebsten Kinder, die sich eine Mutter wünschen kann.

 

©hristoph Aschenbrenner; © Christoph Aschenbrenner

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Foto: Privatbesitz mit freundlicher Genehmigung

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Kleine „Karriere“ bei Sem;kolon

Ich habe dies nun schon oft beobachtet, doch auch nach zwei  Jahrzehnten ist es immer noch einfach nur schön!

Jemand sucht Anschluss an eine Autorengruppe. Findet unsere Website. Traut sich zu einem Treffen.

Wenn es gefällt, kommt man wieder. Man macht mit.

Und dann flattert ein Termin für eine Lesung ins Haus. Die oder der Neue hat so etwas noch nie gemacht.

Ich? Mein Geschreibsel? Vor fremden Leuten? Oben auf der Bühne? Niemals! Aber reizen würde es mich schon. Nur, um es auszuprobieren. Aber nur dieses eine Mal!

Der Auftritt kommt. Und an dem Abend hat das Sem;kolon-Mitglied mit dem Lese-Debüt die klarste Stimme, die beste Ausstrahlung und gleich Fans gewonnen.

Darauf erhält Sem;kolon eine Einladung zum Mitmachen in einer Anthologie. Natürlich mit einem Abgabetermin. Wen muss man mit Engelszungen darauf hinweisen, dass auch sein Beitrag eine gute Chance hat? Richtig, das jüngste Mitglied der Autorengruppe.

Text erscheint dann auch in einem gedruckten Buch mit ISBN und allem, was dazu gehört.

Und heute? Stellt man die Frage „Würdest du wieder bei einer Lesung mitmachen?“, ist die Antwort: „Ja, klar!“

So sieht es bei uns aus. Aus Neulingen werden nette kleine „Rampensäue“! :-)

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Vier von fünf in einem

Bei unserem letzten Treffen waren alle da: alle Mitglieder unserer Autorengruppe Sem;kolon, die regelmäßig und aktiv die Gruppe repräsentieren. Zurzeit sind das zwei Autorinnen und drei Autoren.
Wir besprachen und kritisierten unsere selbst geschriebenen Texte, gaben Verbesserungsvorschläge und einigten uns auf ein neues interessantes „Hausaufgabenthema“, welches freiwillig ist. Dies geschah in heiterer, freundlicher und angenehmer Atmosphäre.
Der sonderpunkt Verlag, bei dem meine beiden Bücher erschienen sind, feiert sein 10-jähriges Jubiläum. Dazu wird er eine „Geburtstags“-Anthologie herausbringen und rief Autoren auf, Texte mit persönlichen „Sonderpunkten“ einzureichen. Es war meiner Lektorin ein Anliegen, dass sich auch die einzelnen Sem;kolon-Autorinnen und Autoren dafür bewerben.
Wie es jetzt aussieht, werden alle von Sem;kolon, die dies wollten, in dieser Anthologie erscheinen: das sind Katja, Ruth, Martin und ich.
Das wäre zu ersten Mal seit der letzten eigenen Sem;kolon-Anthologie von 2001 wieder Sem;kolon in einem Buch vereint.
Das Erscheinungsdatum der Jubiläums-Anthologie des sonderpunkt Verlages in Münster wird hier bekannt gegeben.

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Sem;kolon liest!

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Herzliche Einladung zur Lesung

der

Autorengruppe Sem;kolon

mit

Katja Angenent

Christoph Aschenbrenner

Ruth Elsinger

Martin Heinrich

Max Moenikes

Urte Schubert

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Termin :: Freitag, 7. Februar 2014

Beginn :: 20 Uhr

Ort :: Theaterpädagogisches Zentrum (TPZ), Achtermannstr. 24, Münster (in Bahnhofsnähe)

Eintritt :: frei bzw. nach eigenem Ermessen

Es gibt einen Getränkeausschank und eine Pause.

Auf Einladung des TPZ wird die Autorengruppe Sem;kolon ihre vielfältigen Texte aus aktueller Produktion, brandneu oder ausgereift, humorvoll, spielerisch, ernst oder surreal zum Erlebnis machen!

Die Autorengruppe Sem;kolon besteht seit 1991 in Münster. Dies ist ihre 11. Lesung, doch die erste in dieser produktiven personellen Zusammensetzung!

Links ::

Sem;kolon http://www.muenster.org/semikolon

TPZ http://tpz-muenster.de

Hinweis in eigener Sache :: Ich werde auch Texte aus meinem bald erscheinenden Buch vorstellen!

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