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Erste Fotos von der Lesung

Wann: Letzten Freitag, 17. März 2017
Beginn: 19:30 Uhr
Gastgeber: Frau Kossack und Frau Papadamaki von „Watermark“, Coworking (Bürogemeinschaft), am Kreativkai in Münster
Autoren außer mir: Katja Angenent und Jürgen Flenker (im Foto von oben nach unten), somit die Hälfte der Autorengruppe Sem;kolon
Musik: Matthias Hirt alias „Oh Sinclair“, Gitarre, Gesang, Loop-Station
Eintritt: wurde erhoben
Publikum: ca. 20 Gäste, gut gelaunt und applaudierten reichlich
Dauer der Veranstaltung: etwa zwei Stunden
Notiz: Ich habe zur Probe Auszüge aus meinen noch nicht erschienen Buch „Urbanicity“ vorgetragen und bekam dafür begeisterte Aufmerksamkeit.

Fotos: B. Kossack & S. Papadamaki

Watermark

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theresa link, bitte melde Dich!

Sie ist Autorin wie ich. Und sie ist bei WordPress. Bei einem Textbeispiel auf ihrer Seite war ich vollkommen baff, wie die Handlung eine extrem ungewöhnliche Wendung nahm und exakt auf den Punkt wieder aufgelöst wurde. Faszinierend nicht wahr? Ich erinnere mich, dass es mich zunächst irritierte, wie methodisch sie beim Schreiben vorging. Doch dann wurde ich Fan davon! Warum bei Theresa nicht mal lernen, wie andere anders ans Schreiben heran gehen? Ich esse zwar Mini-Pizzen, oder wie der Smamap sagt: „Toast-Hawaii für Arme“, doch die Weisheit hab‘ ich noch nicht zu Ende gelöffelt.
Es muss aber etwas vorgefallen sein. Ich kann nicht alles bei WordPress verfolgen. Es gab eine andere Autorin, die Theresas Art zu schreiben schwer angegriffen und verurteilt hat. Eine Autorin, die gerade einen Erfolg verzeichnen konnte. Was sollte bitte das denn? Zeitnah dazu ist der Blog von theresa link nicht mehr öffentlich gewesen.
Ich steh‘ nun hier, vermisse sie und wünsch‘ mir: „Bitte melde Dich!“

Nachtrag:

theresa link hat sich gemeldet!

Nur vier Stunden später bekam ich von Theresa einen Kommentar (siehe unten). Ich sage ehrlich, mein Herz schlug schneller!
Sie weiß nicht so recht wie es mit ihrem Blog weiter gehen soll. Und sie wird in eine Schreibgruppe gehen, eine echte zum Anfassen und Ansehen.
Ich kann mich dabei nicht in einem Interessenkonflikt befinden. Meine Erfahrungen mit einer realen Schreibgruppe zeigen, wie wertvoll der persönliche Austausch ist. Und wieviel man dabei nicht nur über das Schreiben sondern auch über Menschen lernt. Ich mache das ja auch schon seit 20 Jahren. In dieser Zeit gab es eine enorme Fluktuation von Autorinnen und Autoren. Einige hätte ich am liebsten mit dem Hosenboden am Stuhl festgenagelt, weil sie so wertvoll für die Gruppe waren, andere am liebsten mit Hinterntritten schleunigst verjagt. Und wenn Theresa nun auf diesem Gebiet Erfahrungen sammeln kann, kann ich ihr das nur gönnen und ihr das Beste wünschen! Da ist mein Wunsch, in ihrem virtuellen Blog zu lesen, nachrangig, aber so was von!

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Leseprobe # 2

In unserer Autorengruppe Sem;kolon stellen wir uns für den nächsten Abend immer eine „Hausaugabe“. Der Grund ist, falls jemand partout nichts einfallen will, hat er ein Stichwort, welches ihm Ideen liefern kann. All das ist freiwillig.
Um ein Stichwort zu finden, haben wir schon die Bedienung unseres Trefflokals gefragt, den Finger auf eine Seite einer herumliegenden Süddeutschen getippt oder neue Sem;kolon-Interessenten in die Pflicht genommen. Dieses Mal haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen.
Jeder brachte ein Jugendfoto von sich mit, Altersbegrenzung zwischen 13 und 17 Jahren. Im geheimen Losverfahren bekam jeder von uns ein Foto eines anderen. Und was uns dazu einfällt, darüber sollten wir schreiben. Hier meine Lösung der „Hausaufgabe“.

 

Ein Schuss entfernt

 

Klick! Ob das Foto etwas geworden ist? Sie legt die Leica neben sich auf das Handtuch, das sie im Schatten nicht weit vom Schwimmbecken ausgebreitet hat.
Ihr Opa hat sie beiseite genommen, als sie in die 11. Klasse gekommen ist.
„Jetzt, wo du in die Obersekunda gekommen bist, sollst du etwas haben, was dir viel Freude machen wird!“ hat er zu ihr gesagt. Dann hat er ihr die Leica gezeigt und erklärt.
Sie wusste, ihr Großvater ist viel gereist und hat interessante Fotos für Zeitungen und Illustrierte geschossen. Als er in Korea war, hat er damit aufgehört. Warum, das wusste sie nicht.
„Wenn du sorgfältig damit umgehst und gut auf sie aufpasst, hast du dein ganzes Leben was davon“, sagte er ihr noch mit leuchtendem Blick.
Als 15-jährige fand sie sein Geschenk überhaupt nicht spannend. Viel lieber hätte sie einen Walkman gehabt, wie einige Mädchen in ihrer Stufe. Und die ersten Aufnahmen waren nach der Entwicklung mehr als bescheiden. Opa ließ nicht locker. Er zeigte ihr seine Fotos, erzählte, wie sie entstanden sind, und was die Kamera dabei leisten konnte. Dabei ist wohl was übergesprungen, denn die Leica war nun immer dabei und geladen.
So auch an diesem ungeheuer trägen Sommertag. Sehr warm. Das Abitur bestanden ist es höchste Zeit, an die Zukunft zu denken. Nur nicht heute! Der einzige Ort des Überlebens ist das Schwimmbad bei ihnen, nur ein paar Minuten mit dem Rad entfernt.
Allein ist sie gekommen, ihre beiden Freundinnen haben abgesagt. Sie haben ihre Tage. Gleichzeitig? Es ist so heiß, dass sie nicht nachrechnen kann. Aber es gibt keinen Grund anzunehmen, dass ihre beiden besten Freundinnen sie belügen.
Das Foto, das sie gerade gemacht hat, ist ein Auftragsfoto. Seitdem sie hier ist, wird sie Horst nicht los. Ausgerechnet der! Der schmale Bursche mit der großen Klappe. Sein gewinnendes Grinsen hat auf sie keine Wirkung. Sie kennen sich von der Schule. Zuerst will er ihr ein Eis spendieren. Dankend lehnt sie ab. Er sieht ihren Fotoapparat und prahlt damit, dass er schon mit einer Ritschratsch Agfa-Pocket fantastische Aufnahmen gemacht hat. Wer’s glaubt. Dann soll sie seinen tollen Hechtsprung ins Becken aufnehmen. Meinetwegen. Da hat sie ihn wenigstens von der Backe.
Sie würde zur Abkühlung auch gerne ins Wasser gehen, doch Horst ist schon wieder da und quasselt ohne Punkt und Komma. Ihr wird es schließlich zu bunt wie ein Foto mit Farbstich, legt die kleine Leica in ihre Tasche, steht auf und geht zum Schwimmbecken. Horst natürlich hinterher. Als er schnallt, dass sie ins Wasser will, springt er noch mal cool ins H₂O. Sie lächelt. So lange er unter Wasser ist, beeilt sie sich, an eine andere Stelle des Beckens zu kommen, um dann langsam ins kühle Nass zu steigen. Voll geil! Sie schaut in die Richtung, wo Horst auftauchen muss und nach ihr Ausschau halten wird. Dabei merkt sie nicht, wie in ihrer Nähe ein paar Jungs damit anfangen, einfach alle, die sich nicht wehren können, zu döppen. So wird auch sie von hinten unter Wasser gedrückt. Schreck und Atemnot bringt sie in Panik. Sie weiß nicht mehr, wie lange es gedauert hat, es ist nur mit einem Mal vorbei, sie schießt über den Wasserspiegel, prustet und ringt nach Luft.
Horst brüllt die feigen Jugendlichen an.
„Ihr Penner! Macht das ja nicht noch mal! Der Bademeister ist mein Onkel, ein Wort von mir, und ihr habt hier Platzverweis!“
„War ja nur Spaß“, meint einer von ihnen, schon ziemlich kleinlaut.
„Spaß?“ Horst läuft zur Höchstform auf. „Auf diese Weise ist letztes Jahr ein Kind umgekommen! Und jetzt will ich euch nicht mehr sehen, ihr ätzenden Idioten!“
Eine Weile starren sich die Assis und Horst noch an, dann geben die Typen nach und steigen aus dem Becken.
„Danke Horst“, sagt sie. Sie lässt sich von ihm aus dem Becken helfen.
Noch etwas benommen setzt sie sich auf ihr Handtuch.
„Ich wusste nicht, dass dein Onkel hier Bademeister ist.“
„Ich auch nicht“, sagt er. Sie lacht laut und bekommt sich fast nicht mehr ein. Sie findet, er hat ein gewinnendes Grinsen.

Ihr ist bei den Umzugsvorbereitungen wieder das Foto in die Hände gefallen. Von ihrem Mann, der in das Schwimmbecken springt. Als er noch nicht ihr Mann war. Aber da hat alles angefangen. Übrigens hat Horst damals ihre beiden Freundinnen mit viel Eis mit Sahne bestochen. Alles geplant, nur nicht das mit den fiesen Jungs … Es war ihr erstes Auftragsfoto, erinnert sie sich. Bis zur Geburt der ersten Tochter hat sie mit der Fotografie Geld verdient. Danke Opa, wenn Du gerade vom Himmel runterschaust! Jetzt zieht die Familie in ein Haus, wo dann endlich mehr Platz für alle ist – die gute, handliche Leica kommt selbstredend mit – und wo Horst dann hoffentlich wieder öfter sein gewinnendes Grinsen zeigt. Sie seufzt, sucht einen Bleistift, dreht das Foto um und schreibt: Auftrags-Nr.: 1, Kunde: Horst Köhlers, Bezahlung: erfülltes Eheleben und die drei liebsten Kinder, die sich eine Mutter wünschen kann.

 

©hristoph Aschenbrenner; © Christoph Aschenbrenner

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Foto: Privatbesitz mit freundlicher Genehmigung

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Kleine „Karriere“ bei Sem;kolon

Ich habe dies nun schon oft beobachtet, doch auch nach zwei  Jahrzehnten ist es immer noch einfach nur schön!

Jemand sucht Anschluss an eine Autorengruppe. Findet unsere Website. Traut sich zu einem Treffen.

Wenn es gefällt, kommt man wieder. Man macht mit.

Und dann flattert ein Termin für eine Lesung ins Haus. Die oder der Neue hat so etwas noch nie gemacht.

Ich? Mein Geschreibsel? Vor fremden Leuten? Oben auf der Bühne? Niemals! Aber reizen würde es mich schon. Nur, um es auszuprobieren. Aber nur dieses eine Mal!

Der Auftritt kommt. Und an dem Abend hat das Sem;kolon-Mitglied mit dem Lese-Debüt die klarste Stimme, die beste Ausstrahlung und gleich Fans gewonnen.

Darauf erhält Sem;kolon eine Einladung zum Mitmachen in einer Anthologie. Natürlich mit einem Abgabetermin. Wen muss man mit Engelszungen darauf hinweisen, dass auch sein Beitrag eine gute Chance hat? Richtig, das jüngste Mitglied der Autorengruppe.

Text erscheint dann auch in einem gedruckten Buch mit ISBN und allem, was dazu gehört.

Und heute? Stellt man die Frage „Würdest du wieder bei einer Lesung mitmachen?“, ist die Antwort: „Ja, klar!“

So sieht es bei uns aus. Aus Neulingen werden nette kleine „Rampensäue“! :-)

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Der Preis von Freiheit

Die Autorengruppe Sem;kolon versteht sich als freie Gruppe. Das heißt einerseits Sem;kolon ist kein Verein, hat keine Satzung, treibt keine Mitgliedsbeiträge ein und die Teilnehmer müssen sich zu nichts verpflichtet fühlen. Auch finanzielle Unterstützungen von außen gibt es keine. Und innerhalb der Gruppe gibt es keine gewählten Oberen.

Wie kann ein so loses Unternehmen jetzt schon 23 Jahre bestehen? Man trifft auf Gleichgesinnte. Motivation zum Mitmachen besteht darin, dass wir alle Autoren sind, die sich gegenseitig fördern wollen, dass Sem;kolon ein Ort ist, an dem das Vertrauen besteht, seine Texte ohne Repressalien und Sanktionen vorstellen zu können bei gleichzeitiger fachlichen Kompetenz.

Dennoch währt eine personelle Konstellation, so gut auch die Chemie zwischen uns stimmt, nicht für immer. Da können sich im Leben der Teilnehmer aus Zeit- oder Interessengründen Prioritäten verschieben. Es gibt Umzüge in andere Städte und so weiter. Manchmal wirkt sich auch das Schicksal aus.

Für mich gab es zwei sehr große personelle Einschnitte in der Geschichte von Sem;kolon. Um die Jahrtausendwende, als alle Gründungsmütter und –väter und viele langjährige Mitstreiter aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr zu den Treffen kamen. Und vor kurzem. Zwei, eine Autorin und ein Autor, teilten uns ihre Entscheidung mit, dass sie sich nun anderes orientieren werden und müssen. Leicht sei es ihnen nicht gefallen. Etwas wovon ich überzeugt bin.

Somit setzen sie etwas Neues in Gang, über das man jetzt noch nichts sagen kann. Manchmal sind Veränderungen schmerzhaft. Doch das auszuhalten ist der einzige Weg für den Fortbestand von Sem;kolon. Und der Preis für die Freiheit.

01 semi-logo

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