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Gulliver

Ich habe eine gerade veröffentlichte CD bekommen. Während ich auf dem Bett liege und zuhöre, fällt mir auf, dass ich das nur noch schlecht kann. Neue Musik abhören. Und es ist auch noch eine Doppel-CD mit zweimal knapp 60 Minuten. Meine Unruhe treibt mich ständig an den Rechner. Ich schreibe auf, was mir eingefallen ist.
Als ich 31 war, unterschrieb ich noch mal einen Ausbildungsvertrag. Aus welchen öffentlichen Töpfen mir die Lehrzeit bezahlt wurde, weiß ich nicht mehr. Ich bestand nach drei Jahren die Prüfung zum Bürokaufmann. Und dies öffnete mir bei einigen Arbeitgebern in der Folgezeit weit die Türen. Besonders hier, wo es heißt, es sei eine Beamten- und Angestelltenstadt.
Doch die drei Jahre Ausbildung waren nicht leicht – besonders in der Berufsschule. Zunächst hatte ich Glück. Ich fand kurz zuvor eine neue Wohnung, zum Ausbildungsbetrieb und zur Berufsschule gar nicht weit. Ja, hatten wir in der Schule ein, zwei Freistunden, konnte ich lässig mit dem Rad nach Hause und beispielsweise ein Nickerchen machen.
Meine Mitschüler waren im Schnitt 17 oder 18 Jahre alt. Erst! Aber das war ja ganz normal. Es war klar, dass ihre Interessen bei Führerschein machen, erste Liebe und den damals aufkommenden Handys lagen.
Ich hingegen war ein Grufti. Hätte genauso gut vor der Klasse stehen können, statt zwischen den vielen Mädchen zu sitzen. (Bürokauffrau war beliebt.) Ich weiß noch, wie unsere Klassenlehrerin und Buchhaltungs- und Rechnungswesenspezialistin in der ersten Stunde Daten über uns gesammelt hat.
„Wer hat einen Hauptschulabschluss?“ Einige zeigten auf.
„Wer hat die mittlere Reife?“ Ich zeigte mit auf.
„Wer hat das Abitur gemacht?“ Ich zeigte auf.
„Wer hat bereits eine Ausbildung gemacht?“
Ich sagte: „Ich.“
Sie schaute mich an und trug es zögernd in ihre Liste ein.
„Wer hat studiert?“
„Ich.“ Das hat sie mir wohl nicht mehr geglaubt.
Mit ein paar Jungs hängt man so in den Pausen rum. Die meisten jungen Damen wollten mit so einem alten Sack wie mir absolut nichts zu tun haben. Warum auch, sie waren doch noch Kinder. Sie betraten die Schwelle zum Erwachsen sein erst jetzt und ja, einfach war es für sie auch nicht: während des Führerscheins auf Probe in eine Radarfalle gekommen zu sein, sich gegen den Gruppenzwang wehren und kein Handy zu haben bis hin zu einer ungewollten Schwangerschaft.
Die einzigen, die mich stets mochten, waren die Lehrer, dann auch die Klassenlehrerin. Aufgrund hohem Allgemeinwissen sammelte ich meine Einsen auf dem Zeugnis. Aber Streber sind einsam.
Die Abschlussprüfungen waren dann irgendwann gemacht. Unsere Klasse ging italienisch Essen in einem Restaurant am See. Es war ein sonniger Tag. Allen konnte man die Erleichterung an dem ganz großen Tisch ansehen. Vergessen waren Hilferufe aus der Vergangenheit, wie den, wie ich fand, mutigen Ausspruch einer Mitschülerin im Unterricht: „Vielleicht ist das nicht der richtige Beruf für mich?“ Da drohte eine Welt zu zerbrechen.
Am Ende des Essens überließen mir zwei Frauen ihre Reste von Tortellini, die sie partout nicht mehr aufbekamen. Nein, Mädchen waren sie nun nicht mehr.

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Gequält

Die Hände zittern. Mein Magen brüllt mich an. Ich habe diese Nacht gelitten – an Schlaflosigkeit. Früh morgens, dann wird es erst kalt. Als ich doch noch schlafen wollte. Als ich da lag, mit Wirrnis in den Gedanken, mich umdrehte zum Fernseher, ob ich ihn nicht ausgeschaltet hätte, und dabei feststellen musste, dass durch die Ritzen der Rollladen schon der Tag anbrach.
Gestern war draußen Halloween. Ich habe mir ein wenig Musik aufgelegt. Dann rüber zum Netbook. Endlich war es möglich, einige Programme zu installieren. Bei einem davon hatte der Virenscanner sein Veto eingelegt. Als ich bei Facebook nicht mehr in der Lage war, neue Bilder aufzunehmen, wieder aufs Bett gelegt und Musik an. Doch die war zu laut zur vorgerückter Stunde. Statt dessen ins Bad. Mindestens fünf Tage habe ich mich nicht mehr rasiert. Um 3 Uhr morgens war der richtige Zeitpunkt …
Ich schickte eine SMS an einen Nachtvogel. Die Antwort war kryptisch. Vors TV. Bei 3Sat etwas abgefahrenes aus Österreich. Eine charmante Show um einen „österreichischen Kaiser“ mit viel Schmäh. Entweder man ekelt sich dabei oder fühlt sich unterhalten. Als ich damals Wien besuchte, hätte ich da bleiben sollen …
Ich habe gelesen, Heinrich Bölls Rauschmittel wäre viel schwarzer Tee gewesen. Während der Tee zog, leerte ich ein paar Aschenbecher. Eine weitere SMS blieb unbeantwortet. Ich war vollkommen sorglos. Morgen würde Feiertag sein. Ich wusste noch, wie es einmal an einem 1. November war. Draußen waren 20 Grad. 20!
Nun scheint die Sonne hier rein. In der Straße Feiertagsruhe. Ich bin nicht müde.

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Per Anhalter

Wie bin ich eigentlich an einem Sonntag zu ihr gekommen? Richtig, Tom fuhr mich, setzte mich ab, wendete und machte sich auf den Rückweg.
Ingrid. Ich habe sie immer als eine Affäre zwischen zwei ernsthaften Beziehungen gesehen. Vor mir hatte sie schon viele Männer. Danach sicher auch. Ingrid kreiste immer um einen festeren Kern von Leuten, mit denen ich Spaß hatte und Partys feierte.
Ich war also wieder zu Besuch zu Hause und vor meiner Abfahrt zurück in die neue Stadt lag der Abend mit ihr.
Nach dem Sex machte sie Bratkartoffeln. Etwas, wobei ich nicht helfen konnte oder wollte. Es ist übrigens nahezu unmöglich, dass Frauen Sex und Liebe trennen können. Mir ist noch keine mit dieser Fähigkeit begegnet. Und in gewisser Weise geht mir das auch so.
Bratkartoffeln können eine Ewigkeit dauern. Und so übten wir, in einer Beziehung zu sein. Das ging voll daneben. Ich fragte ungeduldig, wann das Essen fertig wäre. Sie musste wiederholt betonen, dass es dauern würde. Damit ich meinen knurrenden Magen nicht mehr hören musste, legte ich eine neue CD auf, die ich mitgebracht hatte. Ich war ja damals schon Autor und wusste, diese Musik würde mich zu etwas inspirieren. Das fertige Essen kam dazwischen. Ich fand, dass einige Kartoffelscheiben noch roh waren. Sie am Tellerrand zurück zu lassen, war ein Vorwurf Richtung Köchin.
Danach widmete ich mich wieder der CD. Es war spät, sie rief zu Bett.
„Ja, gleich.“ Ich hatte schon Papier und Stift in der Hand …
Ingrid hat mich nur ins Bett bekommen, weil ihre Stimme im Bereich hysterischer Dissonanzen lag.
Ich konnte nicht einschlafen. Mir war schlecht.
Auch sie fand keinen Schlaf, doch sie änderte das. Um 3 Uhr nachts sprang sie auf, rannte zur Wohnungstür und sagte zu mir: „Raus!“ Niemand hatte es je gewagt, so mit mir umzuspringen. Ich respektierte ihren Mut – und ging sofort.
Unten auf der Straße fiel mir ein, dass um diese Nachtzeit weder Busse noch Züge fuhren. Autos waren auch selten unterwegs. Wie sollte ich verdammt noch mal zurückkommen? Auf keinen Fall ging ich zurück bei Ingrid klingeln. Für mich war diese Affäre beendet!
Ich fing an zu laufen. Wirklich niemand unterwegs. Ich kam bis zur Landstraße und auf ihr soweit, bis es anfing zu regnen. Da war eine Bushaltestelle, der nächste Bus jedoch erst in vier Stunden. Ich wollte auf das Ende des Regens warten. Ich war übermüdet, mein Stolz verletzt. Ich legte mich mit meinen Klamotten in eine trockene Ecke auf den kalten Boden des Bushäuschens und versuchte zu schlafen.
Geweckt wurde ich vom ersten Berufsverkehr. Diejenigen, die super früh los müssen. Ich hielt den Daumen raus. Es hatte noch nicht aufgehört zu regnen. Bald hielt schon jemand an. Ich war so dankbar, brachte aber kaum einen Ton heraus. In dem Auto war es schön warm. Der Typ war jung, langes, lockiges Haar und lächelte.
Am nächsten Bahnhof ließ er mich raus. Geld für ein Ticket hatte ich. Wieder Pendler zwischen denen ich saß und fast niemand redete. Für sie wiederholte sich die Woche bis Freitag, dann war Wochenende. Und ich? Wem sollte ich erzählen, dass mich Ingrid aus der Wohnung geworfen hat, weil ich nicht schlafen wollte?

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Vom Frauen hassen

Ich stehe etwas unter Zeitdruck. Ich möchte diesen Beitrag fertig schreiben, bevor meine Zigaretten ausgehen. Sie rauchen nicht am Rechner, nicht in der Wohnung, überhaupt nicht? Sind Sie eine Frau?
Männer tun das, also ich tue es.
Ich mag Frauen, so ist es nicht. Ich liebe sie. Am liebsten in meinem Bett. Ja, Beziehungen hatte ich auch. Letztendlich sind sie alle an einer Sache gescheitert. Ein Lehrer hat das früher mal treffend formuliert: „Frauen suchen den Vater ihrer Kinder.“ Es spielt keine Rolle, ob ich mich nicht fortpflanzen will oder kann, absolut jede, die ich traf, wollte meine Gene, und verweigerte ich sie, war ich nicht mehr begehrens- und liebenswert.
Hatte ich meine Natur also im Griff, schrie ihre Gebärmutter nach Arbeit. Im Grunde ein Urinstinkt, der sich Studentinnen, Vegetarierinnen und Töchter wohlhabender Häuser ebenso wenig entziehen konnten, wie unsere Eltern, denen wir unsere Existenz verdanken.
Man kann sich diesen latenten Konflikt sicher gut vorstellen. Wer ist gerne allein? Wer wird gerne alleine alt? Aber du bekommst partnerschaftliche Gemeinschaft und Sex nicht ohne windelscheißende Kinder. Gut, meine Meinung, muss keiner mit mir teilen. Womit ich wieder beim allein sein bin …
Ich treffe jeden Tag Frauen. Die meisten haben ihren männlichen Genpool schon lange im Schlepptau. Es ist schwer, das Selbstwertgefühl aufrecht zu halten. Nicht zu verbittern. Nicht zu hassen. Objektiv gesehen kann ja das weibliche Geschlecht und speziell diese und jene da nichts an meiner Einsamkeit. Im Grunde ist es ja die Einstellung, die etwas blockiert.
Allerdings kann ich auch nicht den Papa vorheucheln und fuck to go betreiben. Ist es nicht erschreckend, wie viele alleinerziehende Mütter es gibt?
Die Bilanz meines bisherigen Lebens – das erschreckend lang war – ist, dass die Vaterrolle nie meine gewesen ist. Trotzdem! Ich habe es satt, dass gefühlt 99 % der Frauen, die ich kenne, bereits vergeben sind und der Rest Kinder will.

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Unberührt

Ich stehe am Fenster. Die Radfahrer, die Fußgänger, die Autofahrer. Sie könnten meine Freunde sein. Sie sind es nicht.
Die Namen vor den Zahlen im Telefonbuch. Jemand könnte meine Liebste sein. Aber es ist nicht so.
Den Tag verbracht als Fremder. Und wenn die Sonne hintern den Dächern sinkt, allein ins Bett.
Manchmal ist es schwer, sich selbst auszuhalten. Und das Spiegelbild unerreichbar fern.

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Heute arbeite ich nicht mehr

Das 94er Album der H-Blockx. Und alles soll gefälligst bis morgen warten. Handy ist aus. Mein Kopf leer. Ich spiele, spiele ein wenig mit der eingebauten Kamera. Ich klebe noch ein wenig auf dem Schreibtischstuhl. Denn der Weg zum Bett ist beträchtlich. Schätze drei bis vier Meter. Und nicht ohne eine Flasche Wasser! Der Tag war … War heute überhaupt ein Tag? Ich weiß es nicht mehr. Das muss das Nirwana sein. Hm. „Smells Like Teen Spirit“ müsste doch auch irgendwo zu finden sein. So viele Worte um – nichts.

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