Schlagwort-Archive: Feiern

Schwalbenflüge

Als ich in den wilden 90ern einige meiner Geburtstage, und darunter auch meinen 30., wieder zu Hause bei meinen Eltern feierte, hat meinen Vater einen weisen Spruch geäußert, den ich niemals vergessen werde.
Man muss sich die Situation so vorstellen. Es ist Sommer, die Schwalben fliegen tief über den Hinterhof meiner Eltern. Zur Vorbereitung werden Tische und Stühle hinausgestellt, auch ein Grill wird vorgeheizt. Dann kommen die Lieblingsfreunde von nah und fern, manchmal kommt auch einfach noch jemanden mit. Und jeder bringt etwas mit. Bier, Grillfleisch, Salate, Chips, etc. Auch gab es schon mal wunderbare Kirschen vom eigenen Baum. Der Abend lebt von Spontanität. Ich sorge für die Beschallung mit Musik. Nicht aufdringlich laut, die Mini-Anlage ist vom Küchenfenster aus, das zum Hof zeigt, bedienbar.  Pop, Rock, Worldmusic (z. B. Jam Nation: Sleeping / Awakening; das Album „One World One Voice“). Dass es allen gefällt, zeigt sich daran, dass niemand gehen will. (Und dass alle im nächsten Jahr wiederkommen.)
Inzwischen ist es dunkel geworden, doch immer noch warm genug. Und meine Mutter hat wunderbare Lichter gebastelt, aus Marmeladengläsern o. ä. mit Transparentpapier drum herum. Meine Familie ist immer mit eingeladen, meine Schwestern und die Eltern. Und mein Vater hat am meisten Spaß dabei, denn leckere Bierchen bekommt er selten.
Spät abends. Neben mir sitzen Mirjam und Marcel, beide frisch verheiratet. Mir gegenüber mein Vater. Er ist kein großer Philosoph, auch kein Stratege. Als er erfährt, dass meine Freunde verheiratet sind, sagt er: „Ich wollte heiraten, damit ich im Alter nicht allein bin.“ Mirjam nickt gerührt. Ich schaue meinen Vater an. Er ist jetzt alt. Und er ist nicht allein. Meine Eltern haben einander. Auch heute noch.
Mein Vater hat nie verstanden, dass ich mich nicht ums Heiraten kümmere. Und ich habe immer geglaubt, es geht auch ohne. Nur, allein zu sein, wenn man älter wird, ist schlicht bitter …

2468

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause, Gesundheit

Grund zu feiern

Manche Mails können meine Laune von Null auf 100 verbessern. So gestern die von meinem Verlag. Nach exakt einem Monat „Funkstille“, schließlich bin ich ja nicht der einzige Autor, den er betreut, konnte ich die Satzfahnen als PDF-Dateien in Augenschein nehmen. Buchcover und Textteil (Innenteil). Wow! Meine Vorschläge zum Buchumschlag sind genial umgesetzt!
Wenn jetzt im Textteil noch allerletzte Korrekturen umgesetzt werden, Peanuts eigentlich, leider aber notwendig, erkläre ich alles für druckreif. Denn es heißt ja auch „Druckreifeerklärung“.
Die Dateien gehen an die Druckerei und ich habe alles für mein drittes Buch getan, was ich konnte. Mein Part als Autor ist beendet. Und dann heißt es warten. Vielleicht schaffe ich es ja beim dritten Mal, den Verlag nicht mit überflüssigen Mails zu nerven, wie „Ist die Druckerei abgebrannt?“ … ;-)

2301

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Das neue Buch

Weihnachtsfeiern und Vorträge – oder: Alle Jahre wieder

Es ist eine schöne Sitte, wenn die Kapitalisten wenigstens ein einziges Mal im Jahr dem Produktionsfaktor Arbeit, sprich uns, so etwas wie eine Anerkennung geben. Doch meist geht auch das nach hinten los.
In Zeiten gestrichenen 13. Monatsgehalts, Weihnachtsgeld etc. kann man froh sein, wenn die alljährliche Weihnachtsfeier noch während der Arbeitszeit stattfindet. Ich denke, vielen geht es so, dass dieser Akt von german gemuetlichkeit eine Farce ist, die nur mit hohem Konsum der Bowle und anderer Alkoholika zu bewältigen ist. Was das Ganze nun mit dem Christenfest an sich zu tun hat, ist eine Frage, die man besser gar nicht stellt.
Aber jetzt mal vom Allgemeinem zu mir. Ich bekam unverhofft eine freundliche Einladung eines ehemaligen Arbeitgebers dieses Jahr doch wieder an der betrieblichen Weihnachtsfeier teil zu nehmen. Und das war nicht irgendeine Wald- und Wiesenstelle, es handelte sich um das Institut für Internet-, Telekommunikation- und Medienrecht an der Universität hier. Fünf Jahre habe ich ihnen zuerst die Bibliothek aufgebaut und dann verwaltet. Auf solchen Feiern habe ich immer etwas Selbstverfasstes vorgetragen. Wir schieden dann als Freunde. Ich denke mal, der Professor dort ist mein Fan geblieben. In der Einladung hieß es, ob ich denn nicht etwas aus meinen Veröffentlichungen vortragen möchte? Ja, möchte ich! Und für einen Abend wieder etwas eintauchen in eine etwas exklusive Welt von Juristen, die selbst die besten Anwaltswitze kennen.
Der zweite Vortrag ist zugleich ein coming out. Bei meiner jetzigen Arbeitsstelle trage ich zur Weihnachtsfeier ebenfalls etwas annähernd Weihnachtliches und Selbstverfasstes vor. Zum ersten Mal. Und so bekommen die Kollegen mit, dass ich Autor bin. Praktischerweise steht der Text im Buch „Live! Poet auf der Bühne“, so dass es dann an meiner Professionalität keinen Zweifel geben wird.
Warum all das? Weil ich überzeugt davon bin, dass meine Geschichten in einen solchen Rahmen passen. Und weil ich kapitalistisch denke. Vielleicht werden meine Bücher dadurch gekauft.

2151

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause, Lesung