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Ein Cent für meine Gedanken …

… die mehr auch nicht wert sind.
Dies schrieb ich in Anlehnung an einen der ganz großen Filme. In Casablanca kommt das vor. Was soll auch groß dabei raus kommen, wenn man beim Schreiben nebenher die Greatest Hits von Robbie Williams hört? Ugh!
Dennoch muss ich mir etwas von der Seele schreiben. Ich habe hier einige Blogs favorisiert, die den künstlerischen Gedanken, wie ich ihn verstehe, geteilt haben. Als Autor fühle ich mich nur einem verpflichtet, der Freiheit. Ich kann nur schreiben, und bin darin auch gut, wenn ich völlig ohne Einfluss in meinen Gedankenwelten spazieren kann. Und so schien es bei anderen Autorinnen und Autoren auch.
Doch es hat sich etwas geändert. Nicht bei mir. Ich fühle mich als Künstler noch immer grenzenlos. Andere haben sich jedoch vor einen politischen, moralischen und weltlichen Karren spannen lassen. Es scheint eine Angst umzugehen, die eine vehemente Reaktion in Form einer korrekten Positionierung hervorbringt. „Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns!“ Dies ist die Forderung derer, mit denen ich mal einen rein künstlerischen Austausch hatte.
Bitte, wenn sie Zeit und Kraft haben, sich zu engagieren, soll es ihre Sache sein. Ich sehe dabei leider nur die Kunst an sich vor die Hunde gehen.
Und wenn ich wüsste, die Welt ginge morgen unter, ich schriebe heute noch ein Liebesgedicht.

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Filmkritik: Der Marsianer

Bevor ich als Autor meine „Hausaufgaben“ mache, erst noch etwas anderes.

Ich beschäftige mich mit dieser Filmkritik mit dem Film „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“, den ich nach Erscheinen der DVD im Februar 2016 gesehen habe. Ich kann dabei keine Aussagen zur Romanvorlage von Andy Weir machen, da ich das Buch nicht kenne. Ich weiß nur, dass der Roman außerordentlich erfolgreich war. (In den USA in der Bestsellerliste der „New York Times“.)

Wer „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ noch nicht gesehen hat und noch sehen möchte, sollte diesen Beitrag nicht weiter lesen. Ich verrate zu viel von der Handlung und bewerte einzelne Elemente des Films, so dass das sogenannte Spoilern nicht zu vermeiden ist.

Um meine Ausführungen am Ende besser zu verstehen, ist es vielleicht hilfreich, folgende zwei Filme zu kennen: „Prometheus – Dunkle Zeichen“ von 2012 und „Interstellar“ von 2014. Zwingend notwendig ist es jedoch nicht.

Ich habe schon zwei andere DVDs, die sich mit Missionen zum Mars beschäftigen. Beide aus dem Jahr 2000. Und Filme, die man nicht unbedingt kennen muss. In „Mission to Mars“ gibt es am Ende den ersten Alienkontakt für die Menschheit und bei „Red Planet“ soll gleich die Kolonisierung der Menschheit auf dem roten Planeten vorbereitet werden, was sich schon dadurch als schwierig erweist, weil der mitgebrachte Allzweckroboter aufgrund eines Defekts als mordende Kampfmaschine unterwegs ist. Na ja. Bei „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ ist vieles anders. Dieser Film ist in seinen Aussagen strahlender, aber ohne Pathos und positiv, jedoch ohne die Gefahren des Weltraums und fremder Planeten zu leugnen. Und wie ein roter Faden zieht sich durch die ganzen 144 Filmminuten: es scheint machbar zu sein!

Die Marsmission, ähnlich wie bei den Apollo-Flügen zum Mond, ist Teil eines ganzen Programms. Die Vorbereitungen für den nächsten Flug sind so gut wie abgeschlossen. Nirgendwo in dem Science-Fiction Film tauchen Zweifel auf, es sei unmöglich. Es ist bloß der nächste logische, wenn auch immens teure, Schritt der guten alten NASA. Es braucht dazu keine Alientechnologie oder Erfindungen in hunderten von Jahren. Es könnte alles jetzt sein. Und das ist gibt einem ein sympathisches Gefühl, auch wenn man sich sonst keine Science Fiction Filme ansehen mag.

Und ähnlich wie bei dem „Apollo 13“ Flug geht hier gleich zu Beginn des Films etwas ziemlich schief: eben noch ist die Mannschaft in ihren Raumanzügen auf der Planetenoberfläche mit den vertraut erscheinenden wissenschaftlichen Messungen und Probenentnahmen beschäftigt, da rollt ein Sturm an – und diese sind real auf dem vierten Planeten von der Sonne von extremer Zerstörungskraft, in meinen Boxen grollt und rummelt es gewaltig! Zur Sicherheit der Crew und der Rakete auf dem Mars, die die Rückkehr zum Raumschiff in der Umlaufbahn gewährleistet, entscheidet die Kommandantin Lewis den Abbruch der Mission. Es bleiben nur wenige Sekunden, um die Rakete zu erreichen und zu starten. Ein Astronaut wird von herumfliegenden Metallteilen getroffen, wird weggeweht, meldet sich nicht mehr, und auch sein Biosignal ist erloschen. So furchtbar dies ist, er ist als tot zu gelten und sein Körper muss auf dem Mars zurückbleiben. Das Raumschiff startet den langen Weg zur Erde und klar, die Kommandantin plagen Schuldgefühle.

In einer Pressekonferenz der NASA wird der Tod des Astronauten Mark Watney bekannt gegeben. Ich werde mir den Film noch mehrmals ansehen müssen, um zu verstehen, wie die Hierarchie bei der NASA aufgebaut ist. Es gibt den Oberboss, der vor allem an Public Relation und den Geldern des Kongresses interessiert ist. Das ist noch nicht mal boshaft, ohne eine positive öffentliche Meinung und ohne Finanzierung lassen sich bemannte Expeditionen zu anderen Planeten einfach nicht durchführen. Dann gibt es noch technische Verantwortliche, die das alles realisierbar machen müssen und für die Sicherheit des Ablaufs sorgen. In dieser Gruppe fand ich erstaunlich mehr Mitgefühl für die Astronauten als beim stets bilanzierenden Oberchef.

Der dicke Hund kommt aber erst! Mark Watney, gespielt von Matt Damon, hat überlebt. Er wurde von einem stangenförmigen Metallteil getroffen, welches seinen Raumanzug durchbohrte, ihn verletzte und dabei seinen Sender für biometrische Daten zerstörte. Sein Blut hat seinen Raumanzug jedoch wieder dicht gemacht. Er konnte sich nicht melden, da er bewusstlos war. Wir kennen Matt Damon inzwischen in harten Rollen wie in der Jason Bourne-Triologie. Der Mann hält was aus! So bleibt es empfindlichen Gemütern nicht erspart, wie er sich selbst das Metall aus seinem Körper zieht, sich medizinisch versorgt. Ja, er muss dies selbst tun, denn es ist sonst niemand mehr da!

An solchen Stellen bleibt der Film angenehm temporeich. Die Verwirrung, Überraschung, es ist keiner mehr da, ist zeitlich stark begrenzt. Es ist auch ein Anliegen des Films zu zeigen, dass es keinen Sinn macht, zu jammern und zu heulen. In einer solchen Situation ist Pragmatismus gefragt. Das kann man mögen oder nicht. Manchen ist es vielleicht zu nüchtern. Direkt nach der Selbst-OP schaltet Mark Watney in der Bodenbasisstation, die den Sturm überstanden hat, seine erste Videoaufzeichnung ein. Funkkontakt zum Mutterschiff oder zur Erde gibt es nicht. Kann man das Raumfahrer antrainieren? Den nüchternen Statusbericht mit der Nennung der Essensrationen, deren Anzahl schlicht und ergreifend die verbleibenden Überlebenstage bedeuten? Ab dieser Szene werden oft die „Sol“-Tage eingeblendet, die Zeit im Weltraum. Werden die Tage für Watney bald ausgezählt sein?

Für die Crew, die ahnungslos Richtung Erde steuert, war er sogar der verzichtbarste Wissenschaftler an Bord: der Botaniker. Doch das rettet ihn für viele Tage das Leben. Aus Marsboden und seiner – sorry – Kacke als Humus baut er mitgebrachte Kartoffeln an. Wasser dafür hydriert er aus Raketentreibstoff. Es funktioniert: als erster Mensch auf dem Mars bringt er Kartoffelernten ein. ;-) Das nenne ich Ironie!

Inzwischen ist bei NASA auf der Erde durch Satellitenbeobachtung aufgefallen, dass jemand auf dem Mars arbeitet und auch Fahrzeuge bewegt. Das bedeutet, dass Mark Watney lebt. Und an dieser Stelle ist der Film unsauber gearbeitet. Diese Wendung wird sowohl der Öffentlichkeit als auch der Crew vorenthalten. Es ist der Wille des NASA-Bosses. Es gibt alle möglichen Widerstände in seinen eigenen Reihen. Aber auch der Zuschauer versteht nicht, warum Mark ein zweites Mal sterben soll. Zeit und Mittel reichen nicht aus, ihn zu retten? Was die NASA vorhat, ist Vertuschung ersten Grades. Mark werden die Lebensmittel ausgehen, er stirbt und die nächste Mission birgt dann seinen Körper als Opfer der vorigen Mission.

Und Desweitern die fadenscheinigen Argumente, Marks Kommandantin und Crew nicht zu informieren. Da ist der Standardsatz, sie müssen sich auf ihre Rückkehr konzentrieren. Hallo! Geht’s noch? Wie ist es denn da mit der Entlastung von Schuldgefühlen? Und vor allem hat man als Zuschauer einen simplen Ausweg: das sich noch im Flug befindliche Raumschiff soll gefälligst auf die Bremse treten, umdrehen und den Marsianer aufsammeln. Kraftstoffreserven hin oder her!

Letztlich passiert es auch so, nur viel komplizierter. Es kann unter anderem nur geschafft werden, indem China der USA ihre geheim gehaltenen Trägerraketen zur Verfügung stellt und sich die Kommandantin und Crew über ausdrückliche Befehle hinwegsetzt – nachdem ihr dann doch noch zugestanden wurde, zu wissen, dass Mark noch lebt, also Meuterei gegenüber der Erde.

Matt Damon als Mark Watney muss aber noch einiges bewerkstelligen, um zum Rendezvous mit seiner Mannschaft zu kommen. Zwischen allen Beteiligten gibt es nun Kommunikation. Bei aller Härte, Rückschlägen und einfach auch Furcht, die er erleidet, hat er den Sinn für Humor im Allgemeinen und speziell für Galgenhumor nicht verloren.

Seine Sprüche zu der Musik, er hat nur die, die er in Lewis Privatkiste findet, sind herrlich! Es handelt sich ausschließlich um 70er Jahre Discomusik.

Hier hat mich der Film übrigens enttäuscht. Jede andere Musik hätte es auch getan. Ich will nicht auf einem Planeten, der über 400 Millionen Kilometer von der Erde entfernt sein kann, Musik von ABBA hören! Es ist ziemlich genau die Art Musik, die ich persönlich am Meisten nicht mag. Ok, eine CD von ABBA habe ich auch im Regal, die Best of. Schwamm drüber. In der Szene, wo Mark das Plutonium birgt und in seinem Rover kutschiert, „Hot Stuff“ (war das von Donna Summer?) aus allen Boxen zu hören, war mir zu billig. Da kommen mir nur Männer mit Schnäuzern, weit offenen Hemden mit zu viel Brusthaar und Frauen mit Afro-Look-Frisuren in den Sinn. Geh mir weg damit! Vielleicht waren die Rechte an den Songs billig einzukaufen?

Nun aber der Bezug zu den Science-Fiction Filmen, die ich eingangs erwähnte. In „Interstellar“ war Matt Damon nur in einer Nebenrolle zu sehen. Bevor er in Erscheinung trat, wurde er als einer der brillantesten Köpfe interstellarer Weltraumreisen vorgestellt, heimlich verehrt und geliebt von einer Astronautin der aktuell in Szene gesetzten Besatzung. Dann aber entpuppt sich das Genie bei der persönlichen Begegnung durch die entsetzlich lange Einsamkeit als wahnsinnig und scheut Mord und Zerstörung nicht.

Wie anders ist die Rolle von Damon in „Der Marsianer“ angelegt! Neben all dem Lebenswillen Watneys, der völlig unaufdringlich gezeigt wird, hat er gegen Ende des Films auch eine einfache Botschaft. Sie ist an seine Eltern. Falls es doch nicht mit der Rettung klappt. Man soll ihnen sagen, er ist nicht umsonst gestorben. Nicht bloß, weil er so vieles für die Menschheit hier oben getan hat, sondern, weil das was er tat, geliebt hat. Es ist alles möglich, solange man es in Liebe tut. Und deshalb funktioniert auch das Plakat zur Filmwerbung. Zu sehen ist sein Gesicht hinter dem Glas seines Helms des Raumanzugs. Es spiegelt sich zwar ein wenig Marslandschaft, entscheidend ist aber der Gesichtsausdruck. Man kann viel darin deuten, aber für mich ist da jemand, der staunt und dabei bescheiden bleibt. Ein so-ist-es-eben-Gesicht. Daher hat mir der Film so gut gefallen. Es ist kurzweilig, realistisch und trotzdem Science Fiction.

Und der andere Film, „Prometheus – Dunkle Zeichen“, ist vom gleichen Regisseur wie nun beim „Marsianer“. Ridley Scott hat hier an seine „Alien“-Filme anknüpfen wollen, er tut dies mit Special Effekts von heute, jedoch ist man dabei auf einem unbeschreiblichen Horrortrip, bei dem ich das Würgen bekam. Nein, so etwas brauche ich nicht! Wie schön, dass Ridley Scott mit dem „Marsianer“ ein wirklich sehenswerter Film gelungen ist. Es ist vielleicht gut, dass gerade ein Regisseur mit Ekel-Alien-Erfahrung diesen Film gedreht hat, so bleibt nämlich der übliche Hollywood-Kitsch aus.

Am Ende ist Mark Watney gerettet und man sieht ihn auf der Erde den Dienst als Astronautentrainer antreten. Ich wette, diese Sache wird er gut machen. :-)

Zum Schluss der Hinweis, dies ist eine subjektive Meinung! Wenn die Filmemacher der Ansicht sind, ich hätte alles nur verdreht und missverstanden, sollen sie mir eine Filmrolle nachwerfen, wenn andere, die den Film gesehen haben, in dem Film etwas völlig anderes sehen als ich, mögen sie versuchen, den Kinosessel rauszureißen, auf dem sie saßen, und zu werfen … Es kann ja nur meine persönliche und auch unvollständige Darstellung meines Filmerlebnisses sein.

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Mini Pizza by myself & 2001

Manchmal belege ich ein getoastetes Toast mit was ich noch so im Kühlschrank finde. Aber trocken, also keine Butter oder Margarine. Das kann Schinken sein, Salami etc. Dann kommt oben einfach eine Scheibe Käse drauf. Und alles ab in die Mikrowelle. Nur so lang bis der Käse geschmolzen ist. Ist dann wie eine Selfmade-Pizza auf die Schnelle. Habe da eigentlich keinen Namen für. Und ist vielleicht auch anderen bekannt. Aber darauf wollte ich eigentlich nicht hinaus.

Ich habe bei dieser Art Speise regelmäßig ein Déjà-vu. Ich muss immer wieder und wieder an den Film „2001: Odyssee im Weltraum“ denken. Stanley Kubricks Meisterwerk von 1968. Wahr ist, ich habe die DVD von diesem Film. Auch wahr ist, dass ich ihn mir von Zeit zu Zeit anschaue. Und weiter wahr ist, mir für den schnellen Hunger diese Toast-Pizzen zu machen. Aber welchen Zusammenhang das hat, das ist mir schleierhaft!

Ist es das hypnotisierende Computerauge von HAL 9000, oder die Szene, wo der alternde Astronaut Bowman in diesem barocken Zimmer eine Mahlzeit einnimmt oder einfach, dass ich den DVD-Player mal auf Pause stellte, um mir schnell etwas zu essen zu machen? Ich weiß es nicht! Ich weiß nur, summt meine Mikrowelle (wie das Triebwerk eines Raumschiffs vielleicht?), denke ich prompt an Vormenschen, Monolithen, Raumstationen und Also sprach Zarathustra.

Jetzt stelle ich mir gerade vor, ich bin in einer Zeitschleife gefangen. Ich schaue „2001“, mache irgendwann Pause, gehe in die Küche und stell mir was für die Mikrowelle zusammen. Und dann geht das Ganze von vorne los. Immer und immer. Okay. Und was ich gemacht habe, all die Zeit und die Erlebnisse, die ich seit dem hatte, tauchen lediglich als Traum- oder Trugbilder in meinem Bewusstsein auf. Die Wirklichkeit ist Film gucken und Minipizza – endlos …

Ich rette mich mit der Erklärung eines Freundes, (er hat den Doktorgrad in Physik): „Déjà-vus sind lediglich ein Anzeichen von Übermüdung.“ Jo, Schlaf hat mir gefehlt … Heute gehe ich bestimmt zeitig zu Bett!

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Herzensangelegenheit

Der Anruf kam, als ich mir gestern von der Arbeitswoche geplättet eine DVD anschaute. Rechts die Erdnussflips, links Fernbedienung und Telefon.
Es war ihr Mann. Und viel sagte er nicht. Sie hätte es überstanden, das waren seine Worte.
Ich ließ den Film Film sein und krabbelte unter der Decke hervor, und während ich mir einen Tee aufgoss, dachte ich nach.
Wer da gerade etwas überstanden hatte, war eine Freundin, die sich einer Herzoperation unterziehen musste. Mein Gott, sie ist jünger als ich, und musste an sich das Gleiche machen lassen wie mein Vater damals.
Ich habe daher erlebt, dass so eine OP auch ein Eingriff in das emotionale Zentrum ist. Wer Körper und Seele trennt, ist immer auf dem Holzweg. Wenn sie es „überstanden“ hätte, hoffte ich für sie, sie wird es auch psychisch verkraften.
Bei all den Enttäuschungen, den Kränkungen und menschlichen Zurückweisungen, die man erlebt hatte, könnte man von Narben auf dem Herzen sprechen, fiel mir ein. Narben sind wetterfest und nahezu unvergänglich. Es hat einen etwas geprägt und im günstigsten Fall machte man das Beste draus.
Ich konnte nicht mehr sagen, wie mein Vater seine Herz OP überstanden hat, es waren bestimmt nicht bloß die Medikamente. Er hatte unser aller Unterstützung. Sein Eingriff liegt mehr als 25 Jahre zurück und dieses Jahr feierte er seinen 83. Geburtstag. Geistig rege und ohne Hilfe mobil.
Daher wünschte ich meiner Freundin beste Betreuung, eine erholsame Reha, und dass wir unser nächstes gemeinsames Treffen nicht verschieben müssen, um sie – Herz an Herz – umarmen zu können.
Als ich wieder an meinen Tee dachte, war der Teebeutel noch drin und die Tasse kalt geworden.

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Musik Challenge

Bei Facebook (ja, da bin ich auch …) wurde ich nominiert. Von niemand geringerem als meinem Partner auf unserer BOOKJOCKEY PARTY-Lesung im März d. J., dem kongenialen DJ Mr. Fantasy.
7 Songs – 7 Tage sollte die Herausforderung sein, der ich mich zu stellen hatte. Doch das könnte ich das ganze Jahr durchziehen … ;-) Um Euch nicht vorzuenthalten, welche Lieblingssongs ich also von Freitag letzter Woche bis heute, Donnerstag, vorgestellt habe, hier die Zusammenfassung. Die Links führen zu Videoclips auf externen Seiten.

Tag 1 – Freitag: Song 1 – Extrabreit mit Polizisten (1981)
Mir gefällt das sparsam eingesetzte Schlagzeug und, klar, der ultracoole Bass. Ein Song der Neuen Deutschen Welle. Üblicherweise waren die Lyrics der Bands damals einfach bloß Nonsens. Aber hier? Hat Extrabreit die „ausführende Staatsgewalt“ nicht komplett verarscht? Wer Ohren hat, höre!
Extrabreit

Tag 2 – Samstag: Song 2 – Prince And The Revolution mit The Beautiful Ones (1984)
Einer der etwas weniger bekannten Titel auf “Purple Rain”, dem Soundtrack zum Film, den Prince zum Weltstar machte. Ich sah ihn das erste Mal in unserem westlichen Nachbarland im Urlaub im Original mit holländischen Untertiteln … ;-) Radikal-hochpotent-emotionaler habe ich nie mehr eine Liebeserklärung gehört wie dort!
Prince

Tag 3 – Sonntag: Song 3 – The Police mit Message In A Bottle (1979)
Damals kam dieser Typ in unsere Klasse, weil er sitzen geblieben war. Der hatte niemand, keinen Freund. Ich quatschte ihn an, und wir fanden bald heraus, dass wir auf die gleiche Musik standen. Diese Single von The Police hatte er zu Hause. Ich kam nach der Schule mal mit zu ihm zum Musik hören – der Beginn einer Freundschaft. Geht es in dem Song nicht auch um einsame Menschen?
Police

Tag 4 – Montag: Song 4 – The Beatles mit I Call Your Name (1964)
Dieser Song ist sogar für mich ein Oldie! ;-) Was hätte ich alles von The Beatles nehmen können! Ich habe mich aber hierfür entschieden, weil dieses Lied einfach perfekt gemacht ist. Ein sich selbst vorantreibender Rhythmus, straight, mit sparsamen melodischen Verzierungen und dem typischen John Lennon Gesang für diese Zeit. Die prägnante „Kuhglocke“ als Percussion-Instrument hat Ringo Starr meines Wissens nur in diesem Titel zur Beatles-Zeit benutzt. :-)
Beatles

Tag 5 – Dienstag: Song 5 – Queen mit Radio Ga Ga (1984)
In meinem neuen Buch gibt es einen eigenen Text darüber, wie die Musik von Queen zu unserer Kultur, zu unserem täglichen Leben gehörte. Auf den frühen Platten von Queen stand immer drauf, dass sie keine Synthesizer benutzen. Das war bei „Radio Ga Ga“ längst passé. Ich habe den „Radioführerschein“ und konnte den Traum eines jeden Radiomachers verwirklichen, in einer Radiosendung diesen Song zu spielen. :-)
Queen

Tag 6 – Mittwoch: Song 6 – Jean-Michel Jarre mit Souvenir of China (1982)
Da schrieb sich der Franzose noch mit Bindestrich im Vornamen. Auch das waren die Achtziger. Also nicht nur Bindestriche im Vornamen sondern elektronische Musik. Klar, REO Speedwagon, Europe und Foreigner setzten noch auf Rock, aber der war schon viel softer und verschmuster. Jean-Michel Jarre war aber Vollblut-Elektroniker schon seit den 70ern. Hm, der Vergleich hinkt, bei all den Maschinen, Modulatoren und Sequenzern, die er in der Musik einsetzte … Es gab sogar eine eigene WDR Radiosendung mit dem Titel „Schwingungen“ mit den News aus diesem Genre!
J.-M. Jarre

Tag 7, letzter Tag – Donnerstag: Song 7, letzter Titel – New Order mit Blue Monday (1983)
Das war New Wave. Und eine verdammt geile Maxi-Single. Die Älteren unter Euch wissen noch, was eine 12-inch-Maxi-Single aus Vinyl ist. ;-) Und es war der Soundtrack einer Party nach Schulabschluss, nein, einer Orgie, über die ich den Mantel des Schweigens halte, denn wir waren jung und brauchten den Spaß! :-D :-D :-D
New Order

Heute habe ich dann drei neue „Opfer“ nominiert. :-) Also, hier setze ich auf Freiwilligkeit, wer mag, darf gerne sieben Tage lang seine Lieblingssongs vorstellen. Man braucht auch nicht so viel dazu schreiben wie ich – Labern ist halt mein Job!

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Leseprobe # 3

Ich liebe Science Fiction! Schon als Kind durfte ich all das in mich einsaugen, was mein Vater abends nach Feierabend im Fernsehen sah. Bei drei Programmen ohne Werbeunterbrechungen … Nie werde ich die Enttäuschung vergessen, als mir meine Eltern nicht erlaubten, mir 1978 den ersten „Krieg der Sterne“-Film im Kino anzuschauen! (Heute heißt es dazu: „Wir wussten ja nicht, was das war.“) Ich war noch 11 und es wäre noch nicht ohne Elternbegleitung gegangen. Dieser Text entstand wieder zu einer Hausaufgabe unserer Autorengruppe Sem;kolon. Wir haben den ganzen Abend neben der Kritik an unseren Texten über alles Mögliche diskutiert. Als es darum ging, ein Stichwort festzulegen, nahmen wir einfach einen Begriff aus unserem letzten Meinungsaustausch: Fremdbestimmung. Es handelt sich dabei um ein Preview.

Durst

„Guten Morgen, F-X307. Bitte nehmen Sie von den blauen Tabletten heute zwei mehr!“
Als sie geweckt wurde, indem das Licht in ihrem fensterlosen Raum anging, hat sie sich ordnungsgemäß auf den Feuchtigkeitssammler gesetzt und uriniert, um die Analyse machen zu lassen, die ihre heutige Dosis optimiert.
Zahlenwerte huschen über den Spiegel, der zugleich Display ist und Überwachungseinheit. Sie sieht ihr bleiches Gesicht, fünf Millimeter kurze, blonde Haare und große blaue Augen.
„Bitte denken Sie daran, Wasser ist unsere kostbarste Ressource. Bitte verschwenden Sie unter keinen Umständen Wasser! Sie können sich nun pudern, F-X307.“
Leicht zögert sie.
„Ist etwas, F-X307? Brauchen Sie einen psychologischen Berater?“
Sie erledigt hastig das Pudern. Zieht ihren weißen Overall und ein Paar weiße Sneakers an, die wie jeden Morgen neu in ihrer Größe in der Schublade unter dem Spiegel liegen.
Ein Blick auf ihr Spiegelbild und sie will gehen, doch sie wird noch aufgehalten: „F-X307, Ihr Termin beim psychologischen Berater ist heute um fünfzehn null null, bitte versäumen Sie ihn nicht!“
Ihr Gesicht bleibt ausdruckslos, wie auch das all der anderen, denen sie auf ihrem Weg durch die Gänge begegnet.
Menschen, weiß gekleidet, wie sie auf dem Weg. Ab und zu Ms in orangen Overalls. Sie hat mal gehört, dass Fs nicht den angemessenen Respekt erhalten, um die Ordnung wieder herzustellen. Doch Unordnung gibt es so gut wie kaum. Oder ist das nicht das richtige Wort? Unordnung? Sie hat keine Zeit mehr, darüber nachzudenken.
„Willkommen, F-X307, Ihre Schicht beginnt jetzt. Bitte kontrollieren Sie …“
Es ist dieselbe Stimme, die sie gerade in ihrem kleinen Appartement gehört hat. Und sie wird sie den ganzen Tag bis zur Schlafempfehlung begleiten. Es ist eine F-Stimme.
Mittagessen. Später Ende der Schicht. Sie weiß, nun wird es schwer, und hastet schon durch die weißen, gleichmäßig ausgeleuchteten Gänge. Ein Oranger spricht sie freundlich an.
„Bitte vermeiden Sie schnelles Gehen, es könnte auf andere provokant wirken!“
„Ja, danke. Wasser ist kostbar.“
Obwohl sie korrekt geantwortet hat, und auch ihr Tempo verlangsamt, schaut ihr der M lange nach.
„Guten Tag, F-X307, M-504 erwartet Sie im hinteren Praxiszimmer.“
„So viel Platz!“ schießt es ihr jedes Mal durch den Kopf. Das macht der fehlende Buchstabe vor der Code-Nummer, weiß sie.
M-504 deutet ihr an, sich zu setzen, an seinem transparenten Schreibtisch liest er noch im Display.
Das ist normal. Ihre aktuellen Daten und Werte.
Nun lehnt er sich zurück. Lächelt.
„Sie sind heute wieder nervös.“
„Ja.“ Es hat keinen Zweck es zu leugnen.
„Wissen Sie, ich habe hier viele Beratungsfälle, die kommen sehr gerne zu mir.“
Sie hält die Luft an.
„Bei Ihnen ist es mir ein Rätsel, warum Sie Angst vor mir zu haben scheinen.“ Er lächelt wieder.
Sie weiß nicht, was „Rätsel“ und „Angst“ ist, aber sie sagt: „Ja.“
„Bitte beantworten Sie mir kurz folgende Fragen.“
Das ist Routine.
„Medikamente?“
„Ja.“
„Von 1 bis 10, wobei 10 das höchste ist: Arbeitsmotivation?“
„8 bis 9.“
„Wasser verschwendet?“
„Nein!“ Sie ist entrüstet.
„Schlaf?“
„Zu der vorgegebenen Zeit.“
„Träumen Sie?“
Keine Antwort.
„Träumen Sie?“
Sie fühlt sich überfordert, zeigt Unruhe.
„Es ist nicht schlimm, wenn Sie nicht wissen, was Träumen ist.“
„Danke. Wasser ist kostbar.“
Der psychologische Berater scheint etwas abzuwägen. Er lächelt sie an.
„In den Zeiten, als Wasser unbegrenzt zur Verfügung stand, wurde noch geträumt. Träume sind Gehirnaktivitäten, die im Schlaf Reize auslösen können. Sie sind nicht real“, erklärt er ihr.
„Wir haben mit der Medikation auch das Träumen abgeschafft, es ist verwirrend und unproduktiv.“
Ruhig ist sie geworden, sie weiß nicht warum.
„Ich lese in Ihrem Dossier, dass Sie Ihre Freizeit nicht mehr mit M-K444 verbringen?“
„Nein. Es steht mir die Wahl für einen neuen Mann zu.“
„Ja, das ist richtig. Doch hätten Sie gerne länger Zeit mit M-K444 verbracht?“
Sie überlegt.
„Nein. Wir haben einander unsere Pflicht erfüllt.“
M-504 tippt auf das Display vor ihm.
„Das ist die richtige Einstellung! Wasser ist kostbar!“
„Wasser ist kostbar.“
Sie steht auf und geht.
Sehr langsam geht sie zurück zu ihrem Appartement. Während sie nachdenkt, wird sie angesprochen.
„Bitte halten Sie durch Ihr verzögertes Gehen nicht andere auf!“
Sie beschleunigt ihre Schritte.
Als sie in ihrem Appartement ist, fällt ihr auf, den Gruß versäumt zu haben …
Sieben Arbeitsschichten später. Sie und M-V340 beginnen sich kennenzulernen. Die gewöhnlichen Fragen und Antworten mit einem gewissen Spielraum. Die kostbaren Getränke bei dieser Gelegenheit.
Am folgenden Morgen ist etwas anders. Sie wacht vor dem Einschalten des Lichts auf. Sie fühlt etwas Schweres. Trotzdem schönes. Aber unbekannt. Von der Schlafempfehlung bis jetzt war etwas. Wie Bilder ohne Kontrolle. Und in dem Moment, als das Licht angeht, weiß sie es. Es waren ihre eigenen Bilder.

 

©hristoph Aschenbrenner; © Christoph Aschenbrenner

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