Schlagwort-Archive: Freiheit

Der Boss

Früh gecheckt
Und mitgespielt
Bis du der Boss
Und die Regeln machst

Jeder deine Fassade schaut
Hart und makellos
Dein Wort Gesetz
Unerbittlich

Spürst nun Nostalgie
Sehnst die Erdbeerfelder
Kirschbäume
Und Strohballen bauen

Suchtest Macht
Fandest Entfremdung
Verhungerst in Distanz
Welt der Befehle

Für immer fort
Zeiten des Spiels
Steigst du auch aus
Machst Platz dem Nächsten nur

Was bleibt schon
Als Hoffnung auf Freiheit

©hristoph Aschenbrenner

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Eingeordnet unter 2020, Lyrik

In Farbe

Hatten Sex im Ehebett unterm Bild vom Auerhahn. Die eheliche Pflicht vollzogen, wusch sie sich im Bad. Und putzte dann gleich das Becken.
Dem Gatten sie zum Frühstück kochte zwei Eier weich. Der Liebestaumel zur Hochzeit, wusste sie, ein Produkt von Hormonen. Ein Kind wollte er nicht. Das hätten sie sich nicht leisten können.
Samstag. Er brachte Akten mit vom Büro. Sie staubwedelte den Eichenschrank, die Reliefs und die Kraniche.
Der Pudel musste Gassi. Sie verließ das Haus. Angebunden fand man das Tier, von ihr nach vielen Jahren keine Spur. Der Mann nahm sich eine neue Frau.
Die freundliche blonde Fremde warf einen Schlüssel in die Guanabara-Bucht. Der passte hier nicht mehr.

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Eingeordnet unter 2017, Lyrik

Morgens um 6 ist die Welt noch in Ordnung

Ich wollte 50 Cent sparen und habe 2 Euro ausgegeben …
Kurz nach 6 Uhr. Es könnte draußen noch frisch sein. Ziehe mir also etwas Wärmeres über. Während ich das Fahrradschloss öffne, sehe ich grau verhangenen Samstagmorgenhimmel. Eigentlich möchte ich nur eine Kleinigkeit erledigen, Kleingeld über einen Bankautomaten auf mein Konto verbuchen. Doch weil der Automat hier im Viertel eine fuck Störung hat, hangele ich mich von Bankfiliale zu Filiale, nichte jede hat so etwas, bis in die Innenstadt.
Die Innenstadt muss man in drei Gebiete unterteilen. Altstadt, Marktplatz und Fußgängerzone. Wobei die zuletzt genannte das größte Segment darstellt. Von mir aus führt eine schnurrgerade Geschäftsstraße über einen Kreisverkehr in die Innenstadt. Das ist wie eine Fahnenstange mit einem Knubbel im unteren Viertel und oben flattert das Fähnchen meines Stadtteils.
Je näher ich dem Kreisverkehr mit meinem Rad komme, umso langsamer werde ich. Die Morgenluft ist herrlich. Um die Zeit hätte ich den Kreisverkehr auch links herum passieren können. Kein Mensch unterwegs! Wie nach einem Krieg mit biologischen Waffen. Nur ich hätte es verpennt. Und irgendwer hätte schon alle Leichen weggeräumt … Mich hält es nicht mehr auf dem Sattel. Ich muss das Fahrrad vor einer Bank abstellen und die Stille einsaugen. Ich fühle – mich. Bin bei mir. Das geht nicht lange so. Wer kommt da? Ein Zombie? So ähnlich. Ich erkenne ihn wieder. Ein alter, verwirrter Mann, dessen Frühstück um diese Zeit aus einem Coffee to go und einer Dose Bier besteht. In einer Hand hält er noch eine Plastiktüte. Gerne stellt er sich an Bushaltestellen in der Rushhour und hält Vorträge die niemand versteht noch hören will. Durch die Inhalte seiner Reden nehme ich an, er war mal bei der Justiz, Richter oder so. Der Alkoholismus hat ihn aus dem Job und auf die Straße gedrängt. Sein Kopf kippt oft ganz nach unten, als hätte ihn jemand ausgeschaltet. Aber er findet immer noch den Einschalter.
An der nächsten Ecke schließe ich mein Rad ab und gehe zu Fuß weiter. Ich bin in der Altstadt. Und der letzte Automat, den ich kenne, der Kleingeld akzeptiert, ist in der Passage hier. Aber die macht erst um 8 Uhr auf. Tja, wenn ich jetzt wüsste, wie spät es ist …
Ich schaue in die Auslagen der noblen Geschäfte in altehrwürdigem Gemäuer. An der nächsten Ecke biegt ein Marktwagen ein. Ich folge ihm langsam zu Fuß. Mir fällt ein, dass gestern jemand gesagt hat, er wolle heute zum Markt. Witzig, wenn ich ihn treffen würde. Die Chancen sind doch sehr gering, zumal der Wochenmarkt erst noch im vollen Aufbau ist. Und was, außer „Guten Morgen“ sollte ich schon sagen? Ich kenne ihn nicht richtig und finde, es ist eher eine langweilige Person. Ich war auf dem Markt schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Ich laufe durch die Gassen, sehe Fleisch-, Käse- und Obststraßen. In der Bäckergasse kann ich es mir nicht verkneifen, zwei Croissants für 2 Euro zu kaufen. Die verputze ich an der Bushaltestelle sitzend. Ich sehe den Wagen vom Ordnungsamt. Ein Beamter und eine Beamtin steigen aus. Gehen langsam zum Markt. Das Bestechungsgeld kassieren, wie ich mir denke. Kurze Zeit später rollen sie mit ihrem Wagen auch schon an mir vorbei.
Die Croissants waren lecker, freilich auch eine diätische Sünde. Ich werfe die Papiertüte in einen Mülleimer. Zurück zur Altstadt. Kaum sind die Beamten vom Ordnungsamt fort, sitzt dort bereits ein Bettler. Ich biege links ab. Arkaden laden zum Fotografieren ein. Ich hab nicht mal ein Handy mit. Statt in die Schaufenster zu schauen, lese ich Schilder an den normalen Türen. Therapeuten, Architekten, Agenturen haben hier ihre Büros. Und es wird hier auch einfach gewohnt. Mitten drin! Vor der Kirche überlege ich kurz, rein zu gehen. Stattdessen setze ich mich auf einen Stuhl an einem Café. Alle anderen sind festgeschlossen. Der Moment, wo alle wach werden, die Straßen und Plätze bevölkern, ist kaum noch hinauszuzögern. In der Fußgängerzone sehe ich hinter verschlossenen Geschäftstüren Reinigungspersonal staubsaugen, Kellnerinnen an den Cafés Schlösser der Stühle aufschließen und wegräumen. Und an der großen Buchhandlung sind Fensterputzer zu Gange. Ich sitze auf einer Bank vor Kaufhof. Glockenschlag zeigt mir an, nur noch eine viertel Stunde. Die Fußgängerzone weiter hoch. Ab und an rollt ein Kastenwagen mit Lieferungen vorbei. Auch Handwerker arbeiten samstags. Außen über einem Geschäft muss etwas gebohrt werden. Der Lärm nervt nicht bloß mich, vermutlich wirft er in den Wohnungen des ganzen Hauses jeden aus dem Bett. Ich hätte nicht gedacht, hier so ein Klischee zu sehen: Blaumann, Hütchen, Kippe im Mund und sein ganzer Stolz die Hilti-Bohrmaschine. Bei einem so jungem Mann … Einige Schritte weiter der nächste Krach – die Kehrmaschine. Ich flüchte an den Ausgangspunkt, wo mein Fahrrad steht. Und siehe da, die großen Türen der Passage werden komplett in den Boden gefahren. Ich kann hinein. Der Schließer grüßt noch „Morgen“, was ich erwidere. Dann bei der Bank zum Kleingeldautomaten und meine 50 Cent eingezahlt. Zurück wieder mit dem Rad. Im Kopf diesen Bericht. Aufwand und Nutzen waren vielleicht in keinem Verhältnis. Aber wer nennt mir den Preis für anderthalb Stunden Freiheit?

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Ein Cent für meine Gedanken …

… die mehr auch nicht wert sind.
Dies schrieb ich in Anlehnung an einen der ganz großen Filme. In Casablanca kommt das vor. Was soll auch groß dabei raus kommen, wenn man beim Schreiben nebenher die Greatest Hits von Robbie Williams hört? Ugh!
Dennoch muss ich mir etwas von der Seele schreiben. Ich habe hier einige Blogs favorisiert, die den künstlerischen Gedanken, wie ich ihn verstehe, geteilt haben. Als Autor fühle ich mich nur einem verpflichtet, der Freiheit. Ich kann nur schreiben, und bin darin auch gut, wenn ich völlig ohne Einfluss in meinen Gedankenwelten spazieren kann. Und so schien es bei anderen Autorinnen und Autoren auch.
Doch es hat sich etwas geändert. Nicht bei mir. Ich fühle mich als Künstler noch immer grenzenlos. Andere haben sich jedoch vor einen politischen, moralischen und weltlichen Karren spannen lassen. Es scheint eine Angst umzugehen, die eine vehemente Reaktion in Form einer korrekten Positionierung hervorbringt. „Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns!“ Dies ist die Forderung derer, mit denen ich mal einen rein künstlerischen Austausch hatte.
Bitte, wenn sie Zeit und Kraft haben, sich zu engagieren, soll es ihre Sache sein. Ich sehe dabei leider nur die Kunst an sich vor die Hunde gehen.
Und wenn ich wüsste, die Welt ginge morgen unter, ich schriebe heute noch ein Liebesgedicht.

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Freiheit

Zu „Paris“ fand ich als empathischer und sensibler Mensch keine Distanz. Es war, als wäre ich von Sprengstoff zerrissen worden oder in einem Kugelhagel umgekommen. Und zwar an einem Abend, an dem ich Spaß haben wollte. An dem ich mich auf ein Event freute und Menschen auf meiner Wellenlänge treffen wollte. In einer Stadt, in der kulturell so viel passiert. In einer toleranten Stadt.

Am Abend des 13. Novembers traf ich mich mit anderen Autorinnen und Autoren der Gruppe Sem;kolon in Münster. Wir lachten zusammen, aßen und tranken zusammen und vergnügten uns an unserer eigenen Literatur. Zur gleichen Stunde überlebten über 200 Menschen die Terroranschläge von Paris nicht. Menschen, die sich, genau wie wir, irgendwo aufhielten, und nicht mit dem Tod rechneten sondern das volle Leben genießen wollten.

Mir versagte die Sprache, als ich es erfuhr. Und ich brach weinend zusammen.

„Paris“ hat mir eine Botschaft gegeben.

Lebe konsequent. Lebe jeden Tag aktiv und fülle ihn mit Dingen, die dir wichtig sind. Erfülle dir Träume. Nutzen, Effizienz und Sinn sind nicht die Maßstäbe.

Denn der Tod kommt nicht nur im Greisenalter und lässt dich sanft für immer einschlafen. Der Tod kommt auch mitten im Leben. Unerwartet, ungerecht und mit äußerster Brutalität. Nicht nur seit „Paris“ haben wir uns darauf einzurichten.

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Leseprobe # 3

Ich liebe Science Fiction! Schon als Kind durfte ich all das in mich einsaugen, was mein Vater abends nach Feierabend im Fernsehen sah. Bei drei Programmen ohne Werbeunterbrechungen … Nie werde ich die Enttäuschung vergessen, als mir meine Eltern nicht erlaubten, mir 1978 den ersten „Krieg der Sterne“-Film im Kino anzuschauen! (Heute heißt es dazu: „Wir wussten ja nicht, was das war.“) Ich war noch 11 und es wäre noch nicht ohne Elternbegleitung gegangen. Dieser Text entstand wieder zu einer Hausaufgabe unserer Autorengruppe Sem;kolon. Wir haben den ganzen Abend neben der Kritik an unseren Texten über alles Mögliche diskutiert. Als es darum ging, ein Stichwort festzulegen, nahmen wir einfach einen Begriff aus unserem letzten Meinungsaustausch: Fremdbestimmung. Es handelt sich dabei um ein Preview.

Durst

„Guten Morgen, F-X307. Bitte nehmen Sie von den blauen Tabletten heute zwei mehr!“
Als sie geweckt wurde, indem das Licht in ihrem fensterlosen Raum anging, hat sie sich ordnungsgemäß auf den Feuchtigkeitssammler gesetzt und uriniert, um die Analyse machen zu lassen, die ihre heutige Dosis optimiert.
Zahlenwerte huschen über den Spiegel, der zugleich Display ist und Überwachungseinheit. Sie sieht ihr bleiches Gesicht, fünf Millimeter kurze, blonde Haare und große blaue Augen.
„Bitte denken Sie daran, Wasser ist unsere kostbarste Ressource. Bitte verschwenden Sie unter keinen Umständen Wasser! Sie können sich nun pudern, F-X307.“
Leicht zögert sie.
„Ist etwas, F-X307? Brauchen Sie einen psychologischen Berater?“
Sie erledigt hastig das Pudern. Zieht ihren weißen Overall und ein Paar weiße Sneakers an, die wie jeden Morgen neu in ihrer Größe in der Schublade unter dem Spiegel liegen.
Ein Blick auf ihr Spiegelbild und sie will gehen, doch sie wird noch aufgehalten: „F-X307, Ihr Termin beim psychologischen Berater ist heute um fünfzehn null null, bitte versäumen Sie ihn nicht!“
Ihr Gesicht bleibt ausdruckslos, wie auch das all der anderen, denen sie auf ihrem Weg durch die Gänge begegnet.
Menschen, weiß gekleidet, wie sie auf dem Weg. Ab und zu Ms in orangen Overalls. Sie hat mal gehört, dass Fs nicht den angemessenen Respekt erhalten, um die Ordnung wieder herzustellen. Doch Unordnung gibt es so gut wie kaum. Oder ist das nicht das richtige Wort? Unordnung? Sie hat keine Zeit mehr, darüber nachzudenken.
„Willkommen, F-X307, Ihre Schicht beginnt jetzt. Bitte kontrollieren Sie …“
Es ist dieselbe Stimme, die sie gerade in ihrem kleinen Appartement gehört hat. Und sie wird sie den ganzen Tag bis zur Schlafempfehlung begleiten. Es ist eine F-Stimme.
Mittagessen. Später Ende der Schicht. Sie weiß, nun wird es schwer, und hastet schon durch die weißen, gleichmäßig ausgeleuchteten Gänge. Ein Oranger spricht sie freundlich an.
„Bitte vermeiden Sie schnelles Gehen, es könnte auf andere provokant wirken!“
„Ja, danke. Wasser ist kostbar.“
Obwohl sie korrekt geantwortet hat, und auch ihr Tempo verlangsamt, schaut ihr der M lange nach.
„Guten Tag, F-X307, M-504 erwartet Sie im hinteren Praxiszimmer.“
„So viel Platz!“ schießt es ihr jedes Mal durch den Kopf. Das macht der fehlende Buchstabe vor der Code-Nummer, weiß sie.
M-504 deutet ihr an, sich zu setzen, an seinem transparenten Schreibtisch liest er noch im Display.
Das ist normal. Ihre aktuellen Daten und Werte.
Nun lehnt er sich zurück. Lächelt.
„Sie sind heute wieder nervös.“
„Ja.“ Es hat keinen Zweck es zu leugnen.
„Wissen Sie, ich habe hier viele Beratungsfälle, die kommen sehr gerne zu mir.“
Sie hält die Luft an.
„Bei Ihnen ist es mir ein Rätsel, warum Sie Angst vor mir zu haben scheinen.“ Er lächelt wieder.
Sie weiß nicht, was „Rätsel“ und „Angst“ ist, aber sie sagt: „Ja.“
„Bitte beantworten Sie mir kurz folgende Fragen.“
Das ist Routine.
„Medikamente?“
„Ja.“
„Von 1 bis 10, wobei 10 das höchste ist: Arbeitsmotivation?“
„8 bis 9.“
„Wasser verschwendet?“
„Nein!“ Sie ist entrüstet.
„Schlaf?“
„Zu der vorgegebenen Zeit.“
„Träumen Sie?“
Keine Antwort.
„Träumen Sie?“
Sie fühlt sich überfordert, zeigt Unruhe.
„Es ist nicht schlimm, wenn Sie nicht wissen, was Träumen ist.“
„Danke. Wasser ist kostbar.“
Der psychologische Berater scheint etwas abzuwägen. Er lächelt sie an.
„In den Zeiten, als Wasser unbegrenzt zur Verfügung stand, wurde noch geträumt. Träume sind Gehirnaktivitäten, die im Schlaf Reize auslösen können. Sie sind nicht real“, erklärt er ihr.
„Wir haben mit der Medikation auch das Träumen abgeschafft, es ist verwirrend und unproduktiv.“
Ruhig ist sie geworden, sie weiß nicht warum.
„Ich lese in Ihrem Dossier, dass Sie Ihre Freizeit nicht mehr mit M-K444 verbringen?“
„Nein. Es steht mir die Wahl für einen neuen Mann zu.“
„Ja, das ist richtig. Doch hätten Sie gerne länger Zeit mit M-K444 verbracht?“
Sie überlegt.
„Nein. Wir haben einander unsere Pflicht erfüllt.“
M-504 tippt auf das Display vor ihm.
„Das ist die richtige Einstellung! Wasser ist kostbar!“
„Wasser ist kostbar.“
Sie steht auf und geht.
Sehr langsam geht sie zurück zu ihrem Appartement. Während sie nachdenkt, wird sie angesprochen.
„Bitte halten Sie durch Ihr verzögertes Gehen nicht andere auf!“
Sie beschleunigt ihre Schritte.
Als sie in ihrem Appartement ist, fällt ihr auf, den Gruß versäumt zu haben …
Sieben Arbeitsschichten später. Sie und M-V340 beginnen sich kennenzulernen. Die gewöhnlichen Fragen und Antworten mit einem gewissen Spielraum. Die kostbaren Getränke bei dieser Gelegenheit.
Am folgenden Morgen ist etwas anders. Sie wacht vor dem Einschalten des Lichts auf. Sie fühlt etwas Schweres. Trotzdem schönes. Aber unbekannt. Von der Schlafempfehlung bis jetzt war etwas. Wie Bilder ohne Kontrolle. Und in dem Moment, als das Licht angeht, weiß sie es. Es waren ihre eigenen Bilder.

 

©hristoph Aschenbrenner; © Christoph Aschenbrenner

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Der Preis von Freiheit

Die Autorengruppe Sem;kolon versteht sich als freie Gruppe. Das heißt einerseits Sem;kolon ist kein Verein, hat keine Satzung, treibt keine Mitgliedsbeiträge ein und die Teilnehmer müssen sich zu nichts verpflichtet fühlen. Auch finanzielle Unterstützungen von außen gibt es keine. Und innerhalb der Gruppe gibt es keine gewählten Oberen.

Wie kann ein so loses Unternehmen jetzt schon 23 Jahre bestehen? Man trifft auf Gleichgesinnte. Motivation zum Mitmachen besteht darin, dass wir alle Autoren sind, die sich gegenseitig fördern wollen, dass Sem;kolon ein Ort ist, an dem das Vertrauen besteht, seine Texte ohne Repressalien und Sanktionen vorstellen zu können bei gleichzeitiger fachlichen Kompetenz.

Dennoch währt eine personelle Konstellation, so gut auch die Chemie zwischen uns stimmt, nicht für immer. Da können sich im Leben der Teilnehmer aus Zeit- oder Interessengründen Prioritäten verschieben. Es gibt Umzüge in andere Städte und so weiter. Manchmal wirkt sich auch das Schicksal aus.

Für mich gab es zwei sehr große personelle Einschnitte in der Geschichte von Sem;kolon. Um die Jahrtausendwende, als alle Gründungsmütter und –väter und viele langjährige Mitstreiter aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr zu den Treffen kamen. Und vor kurzem. Zwei, eine Autorin und ein Autor, teilten uns ihre Entscheidung mit, dass sie sich nun anderes orientieren werden und müssen. Leicht sei es ihnen nicht gefallen. Etwas wovon ich überzeugt bin.

Somit setzen sie etwas Neues in Gang, über das man jetzt noch nichts sagen kann. Manchmal sind Veränderungen schmerzhaft. Doch das auszuhalten ist der einzige Weg für den Fortbestand von Sem;kolon. Und der Preis für die Freiheit.

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