Schlagwort-Archive: Gitarre

Feuer mit Feuer

Weder ein Hier noch Dort

Inmitten des Taumelns und Strauchelns

Berührungsfrei und stumm

Stimme ich die sechs Saiten

Spiele in Moll

Aber mein bis Anschlag

Verzerrter Verstärker

Wie eine Kreissäge

Wird Ohren zerfetzen

Bis ich Leben finde

Außerhalb meiner selbst

©hristoph Aschenbrenner

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Mit John wäre Paul besser dran

Heute …

… wäre John Lennon 80 geworden. Hätte er sich längst aus dem Musikbusiness zurück gezogen und überraschte uns nur noch mit Spontanauftritten auf Charity Konzerten? Er würde sich bestimmt nicht so blamieren wie ein McCartney heute!

Lennon hat immer einen Kampf mit sich ausgefochten – zwischen Beachtung und wahrer Anerkennung. Und wo da ein Vakuum war, war er ein Rebell. Auf die Kohle hat er gepfiffen, denke ich.

Und, Herrgott nochmal, wenn Yoko seine große Liebe war, wer hätte das Recht, etwas Schlechtes über sie zu sagen? Gehen wir in unserem Familien- und Freundeskreis auch herum und beleidigen die Ehefrauen anderer, weil uns irgendetwas nicht passt? Wieso ist das bei einem Rockstar anders?

Was das weltbekannte Songwriter-Duo Lennon/McCartney angeht, hatte John mal ein Machtwort gesprochen.

Bevor die Beatles so wahnsinnig berühmt wurden, spielten sie in Liverpooler Tanzbars und Keller. Und auch in Hamburg. Da war Paul der Leadgitarrist. Aber auf der Bühne versaute der die Gitarrensoli. Ab da hat George Harrison die Soloparts gespielt.

Ohne das Pendant und ohne das Korrektiv Lennon bildet sich McCartney heute ein, er bräuchte keine fremde Hilfe bei der Musik auf seinen Soloalben. Er macht generell alles selbst – auch die improvisierten Gitarrenlinien. Aber sie klingen – furchtbar! Ein Musiker seines Ranges und mit seinem Geld bräuchte nur einmal telefonieren, da würden die besten Gitarristen des Globus in sein Studio kommen, und zwar gestern noch!

Wie das klingen könnte, hat Paul eindrucksvoll in seinem Song „No More Lonely Nights“ (1984) demonstriert. Der mega Gitarrist von Pink Floyd, David Gilmour, der bei einer Fender Stratocaster weiß, wo vorne und hinten ist, wie man spielt, alle Techniken kennt und auch sein Equipment aus dem Effeff beherrscht, verhilft mit seinem 1A Rocksolo Pauls Gesang und Harmonien zu wahrer Größe.

Ist es beginnende Demenz oder Altersstarrsinn – oder beides? Weil Paul meint, er könne es allein? Im Showbiz gibt es keine Garantie für Erfolg. Auch nicht, wenn man mal ein Beatle war. Oder länger lebt.

Das Phänomen „Beatles“ objektiv und neutral zu betrachten, war schon in den 1960er Jahren nicht möglich. Meine Mutter, ihre Schwestern. Brüder, tanzten zu „Radaumusik von langhaarigen Schreihälsen“. Das war ein Tabubruch, ein Affront gegen die ältere Generation. Aber nicht das Ende des Abendlandes …

John Lennon konnte Musik. Wo andere Installateure sind oder Versicherungen verkaufen. Es ist halt ein Glücksfall, das zu machen, davon zu leben, was man wirklich kann.

John hatte Seele. Hören wir ihm zu. In seinen unvergessenen Liedern.

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Alte Liebe Nylon

Meine erste Gitarre war ein Geschenk meiner Eltern. Eine Konzertgitarre. Also eine akustische mit Nylonsaiten. Bis heute weiß ich nicht, wo sie sie gekauft haben. Und eigentlich auch nicht, warum …
Dankbar brachte ich mir im Selbststudium Griffe und Rhythmen nach Lehrbüchern bei, die mir eine Schulfreundin empfahl. Sie hatte während eines langen Krankenhausaufenthalts das Gitarre spielen gelernt.
Wenn ich mir heute die alte Gitarre ansehe, leider unbrauchbar, kann ich kaum glauben, auf diesem „Brett“ Töne entlockt zu haben! Die Saitenlage war viel zu hoch. Das ist der Abstand der Saiten zum Griffbrett. Der Hals viel zu breit. All das machte es mir als Anfänger nicht leicht, saubere Töne zu erzeugen. Meine Greifhand wurde sehr stark, was mir bis heute zu gute kommt.
Trotzdem war ich mit viel Enthusiasmus dabei. Als man mir noch zur Schulzeit eine gute, gebrauchte E-Gitarre anbot, griff ich zu. E-Gitarren haben Stahlsaiten. Das ist ein anderes Feeling unter den Fingern. Hals und Saitenlage sind für das Spiel mit viel dünneren Saiten ganz anders ausgelegt. Also habe ich auch bei akustischen Gitarren Stahlsaiten immer geschätzt.
Dabei blieb es dann bis vor knapp drei Jahren. Bis ich mir dachte, he, ich kann mir doch noch eine Gitarre zulegen. Ab Fabrik. Es müsste ja nichts teures sein. Nur sollte sie wieder Nylonsaiten haben.
Nun habe ich wieder eine Konzertgitarre. Und sie hat eine wunderbare Saitenlage, einen passenden Hals. Wenn ich die Saiten anschlage, steht der Klang lange warm im Raum. Irgendwie ehrlich.

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Musiker

Spielte den ganzen Tag Rhythm ’n‘ Blues.
Brachte Saiten in Schwingung.
Ab und an Akkorde in Moll.
Nie kam Stimmung direkter.
Schickte Klangkörper auf Reisen.
Reckte den Hals, um nichts zu verpassen.

Stille nun.
Wind hat sich gelegt.
Die Nacht wird kühl.
Hoffe, Schlaf legt sich auch auf meine Finger.

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Erste Fotos von der Lesung

Wann: Letzten Freitag, 17. März 2017
Beginn: 19:30 Uhr
Gastgeber: Frau Kossack und Frau Papadamaki von „Watermark“, Coworking (Bürogemeinschaft), am Kreativkai in Münster
Autoren außer mir: Katja Angenent und Jürgen Flenker (im Foto von oben nach unten), somit die Hälfte der Autorengruppe Sem;kolon
Musik: Matthias Hirt alias „Oh Sinclair“, Gitarre, Gesang, Loop-Station
Eintritt: wurde erhoben
Publikum: ca. 20 Gäste, gut gelaunt und applaudierten reichlich
Dauer der Veranstaltung: etwa zwei Stunden
Notiz: Ich habe zur Probe Auszüge aus meinen noch nicht erschienen Buch „Urbanicity“ vorgetragen und bekam dafür begeisterte Aufmerksamkeit.

Fotos: B. Kossack & S. Papadamaki

Watermark

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Sonntagsbild 388

sonntagsbild-388

Sonnenaufgang: 7:59 Uhr
Tageszeit: Morgen
Wetter: diesig und bewölkt & 5 °C
Stimmung: wie Zahnschmerzen
Chrizzy, der einen Traum zum Klingen brachte…

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Ein Tag auf der Arbeit

Dieser Beitrag ist überflüssig. Er will von meinem ersten Arbeitstag nach Krankheitsausfall berichten, doch bitte nur lesen, falls Ihr gerade nichts anderes zu tun habt. Das Laber-Gen, welches ich habe, erfüllt auch puren Selbstzweck. Bisous Vorschlag, mich „berufstätiger Autor“ zu nennen, gefällt mir immer mehr.
Heute Morgen habe ich um 7:30 Uhr das Haus verlassen, was ich als sehr gutes Zeichen werte, denn so habe ich wenigstens nicht verschlafen … Ich muss drei unterschiedliche Buslinien erwischen. Ich arbeite in einem Stadtteil weit draußen. Wenn die Linie 9 zu spät an einer bestimmten Haltestelle ankommt, kann es vorkommen, dass ich die Linie 6 knapp verpasse. Das ist eingeplant – aber bei diesem Frost äußerst unangenehm! Heute Morgen hat alles geklappt, dennoch hätte man mich zum Zaunpfähle einschlagen benutzen können, so verfroren war ich …
Es muss schon etwas mit mir nicht stimmen, wenn ich nicht wie folgendermaßen den üblichen Auftritt hinlege. Ich setzte mein liebstes Guten-Morgen-hier-ist-der-Chef-Lächeln auf, grüßte unten jeden, der mir vor die Flinte kam, und rauschte die Treppe hinauf. Die meisten grüßten zurück. Die wenigen waren so in ihre Aufgaben vertieft, dass sie lediglich meinen Luftzug spürten. Als sie aufschauten, war ich schon oben, wo mein deutliches „Morgen, Jungs!“ die Abteilung erfreute.
Hier eine kleine Erklärung. Oben in der Abteilung werden Computer, Laptops und Handys repariert. Ein reiner Männerjob, das hat sich eben so ergeben. Und Chef von irgendetwas bin ich natürlich nicht. Ich tue so, weil es kaum ältere Personen in dem Laden gibt als ich, auch mein direkter Gruppenleiter ist viel jünger.
Ich durchschritt die Computerwerkstatt und kam ins Allerheiligste. Dem etwas kleineren Raum für Programmierungen. Heute Morgen war ich der erste. In aller Ruhe schälte ich mich aus meinen Winterklamotten und hing den Mantel weg. Mein Rechner. Mein heiliger Rechner schien so auszusehen, wie ich ihn verlassen hatte. Mein Rechner ist in Wirklichkeit der meines Teamkollegen, der viel mehr Arbeitserfahrung und Programmierkenntnisse hat als ich. Allerdings ist er ein Jahr jünger, was heißt, er darf mir ruhig alles beibringen, muss sich aber auch mein Laber-Gen gefallen lassen. Doch da kann er gut mithalten …
Mir fällt gerade auf, dass ich ziemlich auf mein Alter herumreite. Die Späßchen, die ich treibe, konnte ich jedoch schon in jüngeren Jahren …
Da war ich nun allein, hatte Ruhe, draußen versteckte sich die aufgehende Sonne hinter Nebel und Kälte und ich fuhr „meinen“ Rechner hoch. Das machte er brav bis er eine Password-Eingabe forderte. Na super! Kaum war man hier zwei Wochen weg, sicherten sie mir „meinen“ Rechner mit einem Password vor mir ab. Es war vorher jedenfalls nicht da. Ich wusste sofort, wer’s eingerichtet hatte, und versuchte es zu knacken.
In dem Moment kam mein Teamkollege und erlöste mich und nannte mir das Zauberwort. Da sagte ich mir, läuft doch alles rund heute. Für private Sachen war wenig Zeit, denn ich sollte SQL-Datenbanken installieren. Es blieb trotzdem genug Zeit, den anderen dabei zu zuhören, welche Keyboards und Synthesizer für welche Zwecke geeignet wären, und wie man nach den Ursprungsmodellen googelte und nach den besten der besten heutzutage mit astronomischen Preisen. „88 Tasten!“ habe ich mir gemerkt … Am Ende kam die Idee auf, eine Band zu gründen, die Pink Floyd Musik spielen sollte. Mein Teamkollege am Schlagzeug, ein anderer am Keyboard und ich an der Gitarre. Bevor wir die Welttournee planen konnten, war leider meine Arbeitszeit um und ich trat den Heimweg an.
Ich arbeite vier Stunden. Vielleicht würde manche einer sagen, dass es sich dafür nicht lohnt, aufzustehen. Aber besser so als garnix!
War es Erschöpfung, die Kälte oder eine total langsam arbeitende Behörde, von der immer noch keine Post kam, zu Hause fehlte jeder Funke Leben in mir. Dennoch musste dies raus. Vom berufstätigen Autor. Es gäbe so viel mehr zu sagen, doch der Beitrag ist hier zu Ende.

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Foto: Tim T.

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Am Telefon

Etwas später als sonst ruft er an. Fragt freundlich:
„Stör‘ ich dich?“
„Nein“, meint sie und schaltet am Herd das Ceranfeld auf halbe Leistung, „Das Risotto ist erst in einer viertel Stunde schlotzig.“
„So, wie es sein muss“, entgegnet er geistfrei.
Schweigen.
Einmal fragte sie ihn, warum er überhaupt noch anruft. Und warum er nichts sage? Jetzt muss sie ihren Ex-Freund wieder ermahnen:
„Sag was!“
Würde er wieder beleidigt sein, von seiner offenen Wunde sprechen, davon, dass er anerkennt, dass es vorbei ist, aber … blah blah blah?
Er sagt: „Warte mal kurz.“
Wartet nicht ihre Antwort ab, legt das Telefon neben sich, steht kurz auf und holt seine Gitarre.
Er hat länger nicht mehr gespielt. Und weil das Holz und die Saiten leicht auf Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsunterschiede reagieren, ist sie natürlich total verstimmt. So fängt er an, die tiefe E-Saite nach Gehör und dann auf dem fünften Bund mit der leeren A-Saite gleich zu stimmen. Alle sechs Saiten runter.
Irgendwann kann er mit dem Spielen beginnen. Er erinnert sich an das Telefon neben ihm.
Bestimmt hat sie mitbekommen, dass er Gitarre spielen will. Für sie.
Er fragt:
„Hallo?“
Doch am anderen Ende der Leitung ist nichts mehr zu hören.
„Hallo? Hallo?“
Schließlich legt er auf. Stellt die Gitarre zurück in ihre Ecke.
Da war wohl der Risotto schlotzig.

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