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Ausladend

Wenn einen Mann das Single sein allzu sehr frustriert, greift er schon mal zu drastischen Maßnahmen.
Bei uns gibt es ein Heftchen. Gratis. Es erscheint donnerstags, ist aber schon mittwochs überall zu haben. Es fängt mit kritischen Anmerkungen zur Kommunalpolitik auf der ersten Seite an und endet mit einer Glosse. Mehr redaktionelle Arbeit braucht es nicht. Es gibt das Kinoprogramm, Termine für Yogakurse etc., Konzerte und Lesungen. Und eine Menge Platz für Kleinanzeigen, die die Rubriken biete/suche Wohnung, biete/suche Job und Grüße füllen.
Vor etlichen Jahren habe ich aufmerksam die Spalte unter „Sehnsucht“ studiert. Da muss mir die Annonce einer Kontaktsuchenden aufgefallen sein. Vermutlich, weil kurz und knackig. Andere Frauen fertigen einen Steckbrief mit Psychogramm an, ich falle schon bei der Angabe „über 1,90 m“ raus. Bei jener gab es eine E-Mail Adresse, so schmierte ich mir was aus den Fingern in die Tastatur. Und fragte höflich nach einem Foto.
Antwort kam mit Foto und ebenfalls mit dem Wunsch nach einer Ablichtung meiner einer – und der Frage nach einem Date.
Das Foto von ihr zeigte mir ein lachendes Gesicht und ich konnte ahnen, dass sie keine dürre Gestalt haben würde.
Wir verabredeten uns in ein Café, welches ich noch nicht kannte, aber gut zu erreichen war. Soweit so gut.
Zur verabredeten Zeit betrat ich das Café. Es war nicht groß. Ich nahm an einem mittigen Tisch Platz mit dem Blick zur Tür. Außer mir gab es vielleicht noch zwei oder drei Gäste und den Kellner. Dann kam sie!
Wieso Frauen nie pünktlich sein können, frage ich schon lange nicht mehr. Sie nahm mir gegenüber Platz, und nicht nur ich, alle Anwesenden hielten die Luft an. Für ihre geringe Körpergröße hatte ihr Busen den größten Verdrängungsfaktor. Es war, als wären zwei Mittelstreckenraketen auf mich gerichtet. Ein tief geschnittenes Dekolleté machte es nicht besser. So viel ist nicht zu handeln.
Sie redete viel. Sie fand mich wohl sympathisch und verplante mich schon für weitere gemeinsame Aktivitäten. Ich versuchte mich ebenfalls an der Konversation zu beteiligen und Schadensbegrenzung zu betreiben, doch ich konnte nicht mal die distanzierende Geste der verschränkten Arme vor meiner Brust ausführen – es gab keinen Platz dafür!
Irgendwann schaffte ich es, uns nach draußen zu dirigieren, wo ich ihr gestehen musste, sacht und höflich, dass ich weiter kein Interesse hätte. Das fand sie schade, und meinte, dass man sich sicher noch mal über den Weg laufen würde. Garantiert nicht, dachte ich, garantiert nicht.

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Sonntagsbild 333

Sonntagsbild 333

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 8:34 Uhr
Wetter: wolkig & 3 °C
Stimmung: optimistisch
Chrizzy mit herzlichen Grüßen zum neuen Jahr aus der „Sommer“-frische!

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