Schlagwort-Archive: Helmut

Leseprobe # 6

Mancherlei Stichworte unserer Autorengruppe sind eine Herausforderung. Stichworte nehmen wir, um in irgendeiner Form beim nächsten Treffen einen selbstgeschriebenen, literarischen Text mit zu bringen. Das nennen wir Hausaufgaben, sie sind natürlich freiwillig. Sinn des Ganzen ist, im Schreibfluss zu bleiben, so wie Musiker ihre Fingerübungen praktizieren.
Die Hausaufgabe, die ich heute vorstelle, entstand durch das Stichwort „Banane“. Wir haben einfach die Kellnerin überfallen, als sie zu uns an den Tisch kam. Sie sollte das erste Wort nennen, das ihr ohne Nachzudenken in den Sinn kommt.
Ich werde es vielleicht auf der nächsten Lesung verwenden.

Möchten Sie diese Datei wirklich unwiderruflich löschen?

Banane? Banane! Banane. Da zündet nichts. Kein Funke springt über. Vollständig ideenlos.
„Banana Republic“ – einer von zwei Hits, den die Boomtown Rats hatten. Hört sich heute so an, als hätten sie den Gesang in normaler Tonbandgeschwindigkeit aufgenommen, jedoch beim finalen Mix schneller laufen lassen … Zu Beginn der 80er Jahre die Bundesrepublik als Bananenrepublik zu bezeichnen, hat Birne ganz schön sauer gemacht. Obstsalat. Helmut die Birne. Es konnte einen vor Gericht bringen, wenn man auf sein Auto kleben hatte: „Soldaten sind Mörder.“ Hatte ich je etwas auf meinem Auto kleben? Ich glaube nur die Passierplakette für den Campingplatz in Westkapelle. Und tote Tierchen.
Ein Anruf bei einer Freundin in Sachsen. „Sag, was fällt dir zu Banane ein?“ Sie meint: „So was hatten wir nicht. Höchstens als Bückware.“
1946 oder 1947. Von einem der alliierten Soldaten bekommt ein neunjähriges deutsches Mädchen eine Banane geschenkt. Sie probiert sie. Der Geschmack ist furchtbar und viel zu süß! Heimlich versteckt sie die Gabe unter Trümmern und lässt sie liegen. Dieses Mädchen wurde meine Mutter und mag inzwischen Bananen …
Gehen wir noch weiter zurück. Was war die Bananenschale in alten Slapstick-Filmen ein beliebtes Requisit! In den schwarzweiß Stummfilmen, die noch mit der Hand gekurbelt werden mussten. Da kommt ein angeberischer Erwachsener an und schimpft die kleinen Strolche aus – eine Bananenschale bringt die Welt in Ordnung und den Mann zu Fall.
Nun, ich hatte heute nur einen Apfel. Bananen hab ich grad nicht da. Es kostet einige Tage, sie genießen zu können, im Supermarkt sind sie in der Regel noch grün. Wir können eine Raumsonde ins All schicken und davon ein Landegerät auf einen Kometen abwerfen, doch dass Bananen reif zu kaufen sind, vermögen wir nicht.
Übrigens, ich habe Bedenken, einen Text darüber zu schreiben, wie schwer es ist, einen Text zu schreiben. So erwähne ich nicht die berühmte Banane von Andy Warhol auf einem Plattencover, und ich spare mir den Kalauer, warum eine Banane krumm ist … und … und …
Ich werde den Text jetzt löschen …!

©hristoph Aschenbrenner

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Leseprobe