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Zeit heilt Wunden

Es ist hundert Jahre her. Obwohl ich den Hörer vor zehn Minuten auflegte, ist es bereits hundert Jahre her. Ich weiß, wie ich mein Herz versteinern kann. Sie ist nur ein Flirt gewesen, und das ist hundert Jahre her.
Wir saßen im Innenhof des Museums. An einem Sonntag mit 30 Grad. Es gab einen angenehmen Schatten und leichten Wind. Wir vertrauten uns private Dinge an. Wir waren perplex wie sehr sie einander ähnelten. Ich bezahlte ihr Bitter Lemon mit. Umarmte sie zum Abschied. Wieder zu Hause dachte ich über alles nach, worüber wir gesprochen haben. An dem Abend wollte ich mit niemanden mehr reden.
Man kann die Vorstellungen des anderen respektieren, doch sind es nicht die eigenen, muss man den eigenen den Vorrang lassen. Irgendwann sagte sie vorhin am Telefon nichts mehr und legte auf. Das war vor hundert Jahren.

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Groß, dick, schwer – und gut

… ich rede von meinem neuen Mikro.
Man sagt mir nach, ich hätte eine gute Stimme. Tief und sonor. Auf Lesungen höre ich das immer wieder als Rückmeldung. Es war mal ein Traum von mir, zum Radio zu gehen.
Doch die Radiolandschaft ist nicht mehr die sie war, nachdem zum WDR Radio hier in Nordrhein-Westfalen die Lokalradios hinzukamen. Die privaten Sender gingen laut Wikipedia 1990 auf Sendung. Da Niveau sinkt immer noch stündlich …
Nicht entgangen sind mir die unzähligen Internetradios. Leider ist das auch keine Möglichkeit für mich, Radio zu machen.
Aber es macht extrem Spaß, vor dem Mikrofon zu sitzen! Es war zwar eine Heidenarbeit, aber mit einem Autorenkollegen mal drei literarisch-satirische Sendungen für den Bürgerfunk hier in Münster zu produzieren, war einfach der Hammer! Vermutlich schmeißt sich die Tontechnikerin, besser gesagt die Medienpädagogin der VHS, noch heute vor Lachen auf den Boden. Ob es dann gehört wurde? Das eben weiß man nicht. Einzig meine Ex-Freundin hatte uns im Autoradio gehört und mir später gesagt, meine Stimme hätte sie sofort erkannt.
So sind wir wieder bei meiner Stimme. Und für die habe ich mir nun dieses geniale Mikrofon angeschafft. Einfacher geht es nicht, bloß ein USB-Kabel in den Rechner stöpseln, das Programm starten und Aufnahme läuft.
Mein erstes Projekt wurde eine CD für eine Freundin, die weit weg wohnt. Eine Art Mischung aus Radiosendung und Lesung (nicht ohne dezente, unterstützende Geräusche). Ich glaube, ich hab’s immer noch drauf! Und wieder festgestellt, dass für 15 Minuten fertiger Produktion ein ganzer Tag mit Sprechen, Schneiden, Musikauswahl und Moderationstexte schreiben um ist wie nix.

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