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Maximilian der Große

In einer kleinen Stadt hatten meine Großeltern ein Eckhaus.
Auf Besuch versammelten wir uns abends alle, Großeltern, die Eltern, meine Schwester und ich, unten in der guten Stube, um fern zu sehen. Drei Programme. Schwarzweiß.
Dabei fehlte auch nicht Maxel, der Hund, der am liebsten vor dem Ofen lag.
Ob Tiere eine Seele haben? Maxels Seele war friedvoller, zufriedener und kinderfreundlicher als das, was in manchen Menschen wohnt.
Ein Fernsehabend wie viele bei Oma und Opa. Die Männer. Rauchten und tranken Bier aus dünnwandigen Gläsern. Oma kommentierte das Programm laut und scherzte. Und neckte uns Kinder.
Heute weiß ich, dass meine Mutter immer gelitten hat. Die ganzen Ferien lang bei Vaters Eltern. Da war zu viel zerbrochen und nicht weggekehrt. Das hatte sie aber gut verborgen.
Da gab es ein lautes Klacken. Und ein Geräusch, wenn Glas knirscht.
Jemand hatte einen Stein gegen das Fenster zur dunkleren Nebenstraße geworfen. Ein Riss war entstanden.
Erst waren alle vor Schreck still. Nur der Hund bellte wie verrückt. Fast gleichzeitig riss es Vater und Opa von den Sesseln und sie eilten, Maxel vorauslassend, aus dem Haus und nahmen die Verfolgung auf.
Während die Frauen das Was, Wie und Warum diskutierten, stahl ich mich aus dem Zimmer und öffnete vorsichtig die Haustür.
Dunkle Straßen. Ausgestorben wie … eben wie bei einem Straßenfeger. Dem Tatort, den alle schauten um diese Zeit.
Ich sah gerade noch meinen Vater, der der schnellste war, gegenüber um die Ecke biegen. Gefolgt vom bellenden Hund, der wiederum von Opa, hatte im Krieg gedient, angefeuert wurde: „Fass! Fass Maxi! Fass!“
Nur er nannte ihn manchmal auch Maxi.
Vielleicht galt der Anschlag gar nicht uns. Vielleicht war es bloß ein Streich von betrunkenen Jugendlichen.
Es war Maxels große Stunde. Ein eher kleiner Stubenhundmischling, in dessen Stammbaum sicher der eine und andere Spitz zu finden war, ein Wollknäul auf dünnen, kurzen Läufen war auf Verbrecherjagd!
Es hätte keine Vandalen gebraucht, um dem Tier, endlich von der Leine gelassen, mal etwas Freiheit schmecken zu lassen …
Ich schloss die Tür hinter mir.
Über eine Stunde mussten wir auf das Trio warten. Als sie wiederkamen, sagte Vater in die fragenden Gesichter: „Sie sind uns entwischt!“
Müde waren sie. Maxel nahm am Ofen Platz. Leckte die Pfoten. Legte den Kopf darauf. Als Opa ihm was Gutes zur Belohnung gab, wedelte er mit dem Schwanz.
Wie ich ihn kannte. Keine Bestie.

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Sonntagsbild 336

Sonntagsbild 336

Tageszeit: Morgen
Sonnenaufgang: 8:08 Uhr
Wetter: (noch) regenfrei & 3 °C
Stimmung: im Konsumrausch
Chrizzy war nie der Besitzer von diesem Hund und musste auch nicht für ihn sorgen, aber das Tier war sein bester Freund als Chrizzy neu und fremd in der Stadt war…

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Warten auf Sonne

Ich beginne mit dem Frühstück. Ich habe Toast, Aufschnitt, Käse und Konfitüre. Aprikosengeschmack. Und schwarzen Tee. Ich werde sechs Toast schaffen. Der Tisch steht am Fenster. Ich habe die Rollladen in der Küche hoch gezogen. Es scheint mitten in der Nacht zu sein. Mein Ausschnitt zum Himmel pechschwarz. Es ist kein gewöhnlicher Sonntag, es ist der 4. Advent, fällt mir ein.
Vorher habe ich eine Weile am Schreibtisch gearbeitet. Jetzt höre ich die Haustür und einen winselnden kleinen Hund. Es muss 8 Uhr sein. Die pensionierte Nachbarin führt ihr neurotisches Vieh aus.
Ich habe Hunger und schlinge. Ich finde, der Toaster braucht zu lange, um das Brot hochschnellen zu lassen. Das ist ein gutes Zeichen. Ich habe wieder Appetit und das Essen nicht vergessen. Das war in letzter Zeit oft anders.
Ich höre Kirchenglocken und in meinem Himmelsausschnitt dämmert es langsam. Aus schwarz wird graublau mit einem Stich rosé.
In zehn Minuten ist Sonnenaufgang. Offiziell sozusagen. Und dann haben wir am längsten auf das Licht gewartet.

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