Schlagwort-Archive: Kneipe

Aus einem Milieu

Mit 18 rannte ich in Krefeld rum.
War Sänger in ’ner Luftgitarrenband.
Mein Vater nahm mir das immer krumm,
ich sollt ’s doch besser ham als er.

Wir malochten in der Fabrik bis vier.
Und der Meister schimpfte von früh bis spät.
Für meinen Wagen habe ich Breitreifen bestellt.
In uns’rer Kneipe ging drauf die letzte Mark für Altbier.

Es gab so viele Mädchen zu küssen.
So schöne hast du noch nicht gesehen.
Man legte den Gang rein
und schon fing an die Motorhaube zu vibrier’n.

Jetzt sitz‘ ich hier, bin etabliert,
und schreib mit Pentium 4,
ein Lamento über meine Vergangenheit,
damit ich den Frust verlier‘.

Ich hab ’nen Vetrag mit ’nem Verlag
und man nennt mich intellektuell.
Mein Vater wär‘ tierisch stolz auf mich,
hätt‘ er ’s noch mit erlebt.

Doch ich will zurück in den Dschungel,
wo die Aufrechten und Tapferen überleben.
Als Asphaltjunkie fahr’n bis die Sonne aufgeht.
Und wiederfinden, was ich einst verlor.

Ich will zurück in den Dschungel,
ich will zurück in den Dschungel,
ich will zurück in den Dschungel,
denn Liebe geht nicht ohne Verlust.

(©hristoph Aschenbrenner frei nach M. M.-W.)

Das ist mir so ‚raus geruscht‘ als mir simonsegur „Auf eine fett-fröhlich-baggerlose-kreativstarke 17!“ wünschte … ich habe erst gar nicht geschnallt, was er meinte.

2516

3 Kommentare

Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause

Leseprobe # 7

Dieser Text wurde in einer Zeitschrift und für eine Weile auf der Facebook-Seite der Autorengruppe Sem;kolon zusammen mit dem Bild „Fernlicht“ veröffentlicht. Ich erhielt dafür die Erlaubnis von Hanno Karlhuber selbst, dem Maler des Bildes. Er ist Vertreter des magischen Realismus und wohnt in Wien. Auf dem Ölgemälde ist eine nächtliche Landstraße zu sehen, die vom Fernlicht eines Autos ausgeleuchtet wird und zwar aus der Sicht des Autofahrers.
Mein Text kam dann in mein erstes Buch beim sonderpunkt Verlag, in „Ultraviolett – 14 Momentaufnahmen aus unbestimmten Tiefen“.

Übrigens nehme ich gerne wieder Vorbestellungen für mein neues, viertes Buch entgegen!
(4,90 €, portofreier Versand in Deutschland.)

Schlaflosigkeit

Kasernenton in der Fabrik. Am Schweißtisch kriecht die Zeit zwischen Beschimpf des Meisters und derben Scherzen der Kollegen.
Er wird einfach nicht zu Stahl und Hydraulik nicht sein Inneres.
Essen wartet immer im Kühlschrank, von der Mutter gemacht. Zuhause fremd und groß gemusterte Tapeten. Er geht seinem Vater aus dem Weg.
Wieder in den Wagen rein und fahren. Die Freundin lernt für das Abitur. Er hat keine Ahnung von Kurvendiskussion. Er will ihre Kurven spüren. Sie haut ihm auf die Finger.
In die Kneipe. Ein Bier mit ’nem Kumpel. Er will nicht nach Haus. Er ist noch nicht müde.
Morgen früh ruft die Werksirene. Unwichtig. Leben will er jetzt. Hat keine Ahnung, was das ist – Leben. Es gehört ihm nicht.
Auf der Flucht vor dem Schlaf, im aufgemotzten Käfer durch die Nacht über Landstraßen. Mit Fernlicht Kilometer um Kilometer. Allein. Die Cassette wieder umgedreht.

©hristoph Aschenbrenner

3 Kommentare

Eingeordnet unter Buch 4, Das neue Buch, Leseprobe

Mit dem Radio nach Den Haag

Ich suche nach einem akzeptablen Radiosender. Vor kurzem hatte ich einen Meinungsaustausch über Sinn und Unsinn von Radio hören mit ohneeinander hier.
Akzeptabel heißt, die Musik, die sie bringen, sollten Oldies sein. Bei mir ist Musik aus den 80ern schon uralt, nicht wahr?
Mit meiner Miete bezahle ich auch einen Kabelanschluss, der für glasklaren Radioempfang sorgt. Während ich durch das FM-Band surfe – ha, surfen wie im Internet – bleibe ich bei einer Station hängen.
Eine Frauen- und eine Männerstimme. Keine Musik. Und ich verstehe kein Wort. Niederland-Radio.
Ich liebe die holländische Sprache! Unsere westlichen Nachbarn reden in einem gurrenden Sing-Sang, der ab und zu mit krächzenden Lauten garniert wird. Ähnlich wie der Beginn meines Vornamens: „Chrrr“. So hört sich das jedenfalls für mich an. Es erinnert mich an was.

Abschlussklasse 1983. Endlich Schulende. Unsere Abschlussfahrt ging nach Den Haag. Bevor sich der Klassenverband und auch mehrjährige Freundschaften in Nichts auflösten, wollten wir es nochmal richtig krachen lassen!
Viel will ich davon nicht erzählen. Unsere Clique bestand aus Jungs, die, so erinnere ich mich mühsam, nur das Saufen im Sinn hatten. In Kneipen und Discos gab es praktischerweise Meter-Bier. Das war ein schmales Brett, ein Meter lang, in dem es eine Anzahl Vertiefungen für Biergläser gab. Wieviel Liter Bier man also pro Meter bekam, habe ich nicht ausgerechnet. Mathe war – bis auf Geometrie – mein schwächstes Fach. Darum habe ich fast nicht gemerkt, dass ich mal für holländische Fritten zu wenig Wechselgeld bekam. Ich ging extra zurück und sah wohl einschüchternd genug aus, damit dieses „Versehen“ korrigiert wurde …
Es waren auch nicht die Holländer, die mir einen bleibenden Eindruck an diese Klassenfahrt hinterließen. Zur gleichen Zeit waren Mädchen aus einem Internat in Frankreich in der Jugendherberge untergebracht. Mann oh Mann und oh là là!

So! Einen Sender gefunden und gespeichert. Sie spielen gerade „Trough The Barricades“ von Spandau Ballet. Radio Netherlands hat auch einen Speicherplatz bekommen …

2438

3 Kommentare

Eingeordnet unter Bei Sem;kolon zu Hause