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Judgement Day

In dieser Welt gibt es keine Anständigkeit und Ehre mehr. Und keine gute Musik. Wer erinnert sich noch an Whitesnake, Def Leppard & Co.?
Es ging nicht wirklich um die langen Mähnen, die Lederjacken und -hosen. Äußerlichkeiten.
Uns war bewusst, dass der Planet dem taktischen atomaren Overkill entgegen steuerte. Der folgende nukleare Winter würde die Spezies Mensch vollends aus der Geschichte löschen.
Niemand unserer Generation ignorierte das. Die jeweiligen Jugendgruppierungen gingen nur anders damit um.
Popper wollten noch so viel Kohle machen, wie es ging. Die Müslis gingen demonstrieren. Und wir mochten laute, schnelle Gitarrenmusik, die das Pentagon und der Kreml nicht überhören konnten.
Letztlich war es ein Mann, der dem Irrsinn des Kalten Krieges ein Ende setzte. Und er war Russe. Gorbatschow. Mann, was der geraucht hat, hätten wir auch gerne …
Heute sind meine Haare nur deswegen lang, weil ich mich wegen der Corona-Pandemie nicht zum Friseur traue.
Habe so viele Kumpels umfallen sehen. Vom Glauben, von den Institutionen Hard Rock und Heavy Metal abkehren sehen. Auch ich sitze meine Zeit bis zur Rente in einem Büro ab. Meine Seele brennt nur noch, wenn ich nach einem Scheißtag ein Iron Maiden Album auflege. Wenn sich der Plattenteller wieder dreht.
Und die schicken Mädchen mit wild toupierten, gesträhnten Haaren? Sie fuhren auf Nummer sicher. Lieber einen Mann aus der Versicherungsbranche, der ein guter Vater ihrer Kinder ist. Mann, der stand auf Modern Talking …!

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Taschenspieler

Frisch rasiert, mit Lederjacke und weißem T-Shirt steht er da. Wie auf dem Cover einer LP von John Lennon. Passanten gehen vorbei, bleiben unscharf. Er in der Mitte des Bildes genau erkennbar. Lässig, Hände in den Hosentaschen.
Er wartet am Eingang des Museums. Sie wollen sich hier treffen. Ein Blick zur Turmuhr gegenüber. Er zündet sich eine Zigarette an. Spuckt Tabakkrümel aus.
Zehn Gründe, sie nicht zu mögen, überlegt er. Unpünktlichkeit käme ganz oben auf die Liste. Wäre er vor ihrer Bekanntschaft je auf die Idee gekommen, in ein Museum zu gehen? Sie arbeitet zu viel und hat daher zu wenig Zeit für ihn. Und … Sie rauscht um die Ecke, sieht umwerfend aus, winkt. Mit den längsten Beinen der Stadt. Es gibt keinen einzigen Grund, sie nicht gern zu haben!

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