Schlagwort-Archive: Prosagedicht

Für wen

Ich schreibe hier nicht für die Oberflächlichen.
Nicht für die, für die es außen immer funkeln muss.
Ich berichte von eigenen Gedanken / Gefühlen, die authentisch sind.
Ich kenne sie am besten, ich hinterfrage sie.
Ich schreibe nicht für die, die jedes falsch gesetzte Komma stört.
Nicht für die, die ihre Kleinheit auf andere projizieren.
Auch Grammatik ist entwicklungsfähig.
Ich schreibe nicht für Plätzchenbäcker, Kochmamsells und Tierbesitzer,
nicht für Strickende, Kuchen- und Tortenfotografierer.
All das ist schön, bloß nicht mein Thema.
Ich schreibe nicht für die Anonymen.
Nicht für die, die sich vor dem Impressum drücken.
Die kein wahrer Name, kein Foto verrät.
Ich stehe zu meinem Wort.
Ich schreibe nicht für die, die ihr Buch schreiben.
Nicht für die, die ihr Projekt klammheimlich nicht zu Ende kriegen.
Wenn ich ein Buch schreibe, steht es dann im Buchladen.
Ich hole tief Luft.
Manche werden Künstler nie verstehen.
Die Zwiespältigkeit zwischen Einsamkeit suchen und Aufmerksamkeit brauchen.
Spannung lässt das Licht leuchten.
In Glühbirnen wie in Geisteswerken.

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Eingeordnet unter 2018

Hausaufgabe

Bei Sem;kolon geben wir uns Hausaufgaben auf. Dazu geben wir uns ein möglichst wahllos gefundenes Stichwort. Z. B. indem wir die Bedienung unseres Lokals überfallen.
Dazu kann jeder in der Autorengruppe freiwillig und auf seine Weise einen Text verfassen. Die Texte tragen wir einander beim nächsten Mal vor und kritisieren sie.
Nun, keine Ahnung wie viel Bier und Wein beim letzten Treffen im Spiel war, wir einigten uns auf „Gaia“. Es könnte aber auch so gewesen sein, dass der kühne Drang, diese Herausforderung zu meistern, die Oberhand gewann.
Ich habe heute ein Drabble zum Stichwort geschrieben. Das muss ja exakt 100 Worte haben. Ich finde es immer erstaunlich, dass dann bei mir die Sprache sehr poetisch wird (Prosagedicht).
Einige Motive habe ich meinem aktuellen Buchprojekt entnommen.

 

In fernen Feuern

Du und ich. Deine, meine Seelen. Unsterblich und mit der Gabe des Erwachens. Reisende schon seit Beginn der Zeit. Ob jäh oder langsam uns der Tod ereilt, wir kehren zurück in Mutter Erde, Gaia. Wir sehen nicht, denken nicht, aber fühlen. Inmitten von Magma und Magnetismus. Wirbel flüssiger Formen, Farben und Erdklängen. Gaias Schoß. Treiben darin. Wenn es ihr gefällt, kommen wir in ein neues Leben. Dort erwachen wir bei Berührung der heiligen Bäume. Nichts, keine Gewalt kann verhindern, uns zu finden, uns zu lieben als Mann und als Frau. Du weißt, meine einzige Liebe, unsere Seelen sind einander sicher!

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Eingeordnet unter 2018, Bei Sem;kolon zu Hause, Buch 5, Das neue Buch

In Farbe

Hatten Sex im Ehebett unterm Bild vom Auerhahn. Die eheliche Pflicht vollzogen, wusch sie sich im Bad. Und putzte dann gleich das Becken.
Dem Gatten sie zum Frühstück kochte zwei Eier weich. Der Liebestaumel zur Hochzeit, wusste sie, ein Produkt von Hormonen. Ein Kind wollte er nicht. Das hätten sie sich nicht leisten können.
Samstag. Er brachte Akten mit vom Büro. Sie staubwedelte den Eichenschrank, die Reliefs und die Kraniche.
Der Pudel musste Gassi. Sie verließ das Haus. Angebunden fand man das Tier, von ihr nach vielen Jahren keine Spur. Der Mann nahm sich eine neue Frau.
Die freundliche blonde Fremde warf einen Schlüssel in die Guanabara-Bucht. Der passte hier nicht mehr.

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Eingeordnet unter 2017, Lyrik