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Aus einem Milieu

Mit 18 rannte ich in Krefeld rum.
War Sänger in ’ner Luftgitarrenband.
Mein Vater nahm mir das immer krumm,
ich sollt ’s doch besser ham als er.

Wir malochten in der Fabrik bis vier.
Und der Meister schimpfte von früh bis spät.
Für meinen Wagen habe ich Breitreifen bestellt.
In uns’rer Kneipe ging drauf die letzte Mark für Altbier.

Es gab so viele Mädchen zu küssen.
So schöne hast du noch nicht gesehen.
Man legte den Gang rein
und schon fing an die Motorhaube zu vibrier’n.

Jetzt sitz‘ ich hier, bin etabliert,
und schreib mit Pentium 4,
ein Lamento über meine Vergangenheit,
damit ich den Frust verlier‘.

Ich hab ’nen Vetrag mit ’nem Verlag
und man nennt mich intellektuell.
Mein Vater wär‘ tierisch stolz auf mich,
hätt‘ er ’s noch mit erlebt.

Doch ich will zurück in den Dschungel,
wo die Aufrechten und Tapferen überleben.
Als Asphaltjunkie fahr’n bis die Sonne aufgeht.
Und wiederfinden, was ich einst verlor.

Ich will zurück in den Dschungel,
ich will zurück in den Dschungel,
ich will zurück in den Dschungel,
denn Liebe geht nicht ohne Verlust.

(©hristoph Aschenbrenner frei nach M. M.-W.)

Das ist mir so ‚raus geruscht‘ als mir simonsegur „Auf eine fett-fröhlich-baggerlose-kreativstarke 17!“ wünschte … ich habe erst gar nicht geschnallt, was er meinte.

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Tanz im Museum

Als wir letztens in jenem Café saßen, welches noch den Charme der 1920er Jahre atmete, fiel mir etwas auf. So spät kaum Gäste. Der Kellner nervte mit seinem bodenständigen Frohsinn. Übt wohl für ein Casting für Comedians. Dafür war die Musik klasse. Ich kenne keine Frau, die sich so gut mit Sängerinnen, Sänger und Gruppen auskennt wie sie. Ja, sie weiß mehr über die neueren Sachen als ich. Wenn ihr etwas besonders gut gefiel, tanzte sie mit ihrem Oberkörper mit. Ich glaube, sie hat ihr halbes Leben auf der Tanzfläche verbracht.
Seit dem ich sie kenne, habe ich mehr Museen, Vernissagen und Ausstellungen besucht, als in den ganzen 25 Jahren seit dem ich in dieser Stadt bin. Sie hat einen nicht stillbaren Hunger nach Kunst und Kultur.
Heute erarbeiten wir uns das Museum für Lackkunst. Nicht groß. Wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, dass generell viele Exponate in fensterlosen Räumen stehen, ist das auch nicht mehr beklemmend.
Über die Kunst, und hier gerade über bemalte Kästchen aus dem alten China, unterhalten wir uns kaum. Vermutlich hat sie die andere Hälfte ihres Lebens in Museen verbracht … Sie betrachtet eine Kassette und wirft mir ein paar Brocken Gesprächsstoff zu. Diese gilt es aufzufangen und weiter zu spinnen. Oder einfach überraschend mit etwas Neuem zu kontern. Dabei stehe ich nie still. Ich ändere dauernd meine Position wie bei „Schiffe versenken“ für Fortgeschrittene. Geht sie zur nächsten Vitrine, reichen mir einige wenige Blicke, um das zu erfassen, was sie gerade gesehen hat.
Auf diese Weise tänzle ich ihr über drei Stockwerke hinterher. Eines Tages werde ich ihre Hand nehmen, halte ihren Rücken und wir tanzen durch offene Türen. Auch ohne Musik.

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